Google-Statistik zu Behördeneingriffen Deutschland löscht gerne

Neue Transparenz: Google legt offen, wie oft Behörden Inhalte löschen lassen oder Nutzerdaten verlangen. Die deutsche Bilanz ist wenig schmeichelhaft.

Von Helmut Martin-Jung

Der Internet-Konzern Google zeigt sich nach seiner Weigerung, weiter die chinesischen Zensuranforderungen zu erfüllen, um Transparenz bemüht. Auf einem neuen Internetangebot stellt Google nach Ländern aufgeschlüsselte Informationen darüber zur Verfügung, wie oft staatliche Behörden im zweiten Halbjahr 2009 Inhalte haben sperren lassen oder um Informationen ersucht haben.

Wird Google transparenter? Das Unternehmen hat nun Löschstatistiken veröffentlicht.

(Foto: Foto: AFP)

Die Aufstellung erhebt allerdings keinen Anspruch auf Vollständigkeit, wie Google auch selbst einschränkend mitteilt: Länder, die zwischen Juli und Dezember 2009 weniger als 30 Anfragen in Kriminalfällen an Google gerichtet haben, erscheinen nicht in der Statistik. Die Zahlen seien auch insofern von eingeschränkter Aussagekraft, als von einem Antrag auf Löschung oft eine Vielzahl von Dateien betroffen sein könne oder aber mehrere Anträge dieselbe Datei oder Person betreffen könnten.

Bei aller Vorsicht gegenüber den Zahlen fällt doch auf, dass die Art der Anfragen von Land zu Land deutlich variiert. In Großbritannien (1166 Anfragen) etwa wollten die Behörden weitaus mehr über Google-Nutzer wissen als in Deutschland (458). Dafür gab es in Deutschland mehr Anträge, Inhalte zu entfernen, 188 im Vergleich zu 59 in Großbritannien. Spitzenreiter in beiden Listen ist Brasilien, wo die Behörden 3663-mal Daten von Google erbaten und 291 Anträge auf Entfernung von Inhalten einreichten.

Unterdessen berichtet die New York Times unter Berufung auf einen ungenannten Informanten, der in die Ermittlungen eingeweiht sei, worauf es mutmaßlich chinesische Hacker bei ihrem Angriff auf die Infrastruktur von Google im Dezember 2009 abgesehen hätten.

Der Angriff war von Google als Grund dafür genannt worden, sich künftig nicht mehr an die chinesischen Zensurbestimmungen zu halten. Der Zeitung zufolge war ein System namens Gaia Ziel des Angriffs.

Angriff auf den Google-Kern

Das in der Öffentlichkeit weithin unbekannte System dient dazu, die Anmeldungen der Nutzer von Googles Diensten zu verwalten und innerhalb der verschiedenen Dienste weiterzugeben.

Wer sich beispielsweise bei seinem Mailzugang angemeldet hat, wird automatisch auch bei anderen Diensten wie etwa dem Online-Fotoalbum Picasa angemeldet, wenn er dieses in seinem Browser aufruft. Sollten die Hacker tatsächlich den Ursprungscode des Gaia-Systems erbeutet haben, könnten sie darin nun nach Lücken suchen, um sich Zugang zu Google-Konten zu verschaffen.

Für den Konzern, der gerade versucht, Kunden zum Umstieg auf Online-Büroprogramme zu bewegen, wäre dies ebenso schwerwiegend wie für viele Nutzer. Um sich Zugang zu den Informationen zu verschaffen, hatten die Hacker einen Google-Mitarbeiter in einem Chatprogramm dazu gebracht, eine mit einem Virus verseuchte Webseite anzuklicken.

Lesen Sie hierzu Berichte in der Süddeutschen Zeitung.