Google Pixel 3 Schon wieder ein neues bestes Smartphone der Welt

Die unübersehbare Kerbe am oberen Displayrand macht das Google Pixel 3 XL nicht unbedingt eleganter - aber zumindest unverwechselbar.

(Foto: SZ)
  • Das Pixel 3 ist derzeit eines der besten Smartphones.
  • Obwohl Google auf eine Dual-Kamera verzichtet, sind die Fotos mindestens so gut wie beim iPhone Xs.
  • Was andere Hersteller über herausragende Hardware lösen, erreicht Google mit ausgefeilter Software.
  • Wer die neueste Technik will, wird mit dem Pixel glücklich. Wer die 1000 Euro für einen Urlaub ausgibt, wird vielleicht noch glücklicher.
Von Simon Hurtz

Sieh an, schon wieder ein neues Luxus-Smartphone. Der Herbst ist Handy-Hochsaison: Nach Apple, Samsung, Huawei und LG ist nun Google an der Reihe. Je nach Konfiguration verlangen die Hersteller dafür knapp unter, Apple sogar deutlich mehr als 1000 Euro. Kann sich Google von der Konkurrenz absetzen?

Das klappt bereits auf dem Datenblatt. Das Pixel 3 ist das Rasiermesser unter den Smartphones. Gillette und Wilkinson wetteifern, wer die meisten Klingen in einem Stück Plastik unterbringt. Smartphone-Hersteller überbieten sich gegenseitig, wer die meisten Kameras verbaut. Samsung ist bei vier angekommen. Ein Messer reicht für eine gründliche Rasur, sagt der Barbier. Eine Kamera reicht für gute Fotos, sagt Google.

Und noch etwas ist anders: Wenn Apple neue iPhones vorstellt, reden die Manager über Hardware: brillante Displays, die schnellsten Prozessoren. Google schwärmt von Software: mächtiges Machine-Learning, die smartesten Algorithmen. Bei Google ist das Smartphone nur der Präsentierteller, auf dem die Entwickler ihre Fortschritte ausstellen dürfen.

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Die sind in der Tat beeindruckend. Google beweist, dass die Qualität der Fotos nicht von der Zahl der Kameras abhängt. Das Pixel macht tolle Bilder, die womöglich noch ein Stückchen besser sind als die der Konkurrenz. Mit endgültiger Sicherheit lässt sich das kaum sagen, zu gering sind mittlerweile die Unterschiede. Je nach Lichtverhältnissen und individuellen Vorlieben liegt mal der eine, mal der andere Hersteller vorn. Gut sind sie alle: Apple, Samsung, Huawei und Google produzieren Fotos, die vor wenigen Jahren teuren Spiegelreflexkameras vorbehalten waren.

Dennoch haben zwei Kameras Vorteile. Ein zusätzliches Tele-Objektiv ermöglicht optischen Zoom, der den Bildausschnitt nicht nur digital vergrößert, sondern den Bildinhalt tatsächlich näher heranholt. Außerdem können Smartphones mit unterschiedlichen Brennweiten und Blendenöffnungen Fotos mit Tiefenschärfe produzieren. In fast allen Situationen schafft es Google, diese Funktionen mit geschickten Software-Tricks nachzubilden - aber nicht immer: Eine Dual-Kamera zoomt besser und zuverlässiger als die klügste Software.

Das Pixel 3 XL gewinnt keine Schönheitspreise

Dass Google keine grundsätzliche Abneigung gegen zwei Kameras hegt, zeigt die Vorderseite. Das zusätzliche Weitwinkel-Objektiv vergrößert bei Bedarf den Bildausschnitt. Wer Selfie-Sticks scheut, kann mit dem Pixel 3 trotzdem Gruppenfotos machen, ohne sich den Arm auszurenken.

Die Technik benötigt allerdings Platz, der mit einem Kompromiss einhergeht: Um Kameralinsen und Lautsprecher unterzubringen, hat das kleinere Pixel 3 schwarze Ränder oberhalb und unterhalb des Displays. Die größere XL-Version integriert die Technik in einer dicken Einbuchtung am oberen Rand. Dieser sogenannte Notch ziert mittlerweile fast alle Smartphones, doch die meisten Hersteller gehen dabei dezenter vor als Google. Besonders elegant ist die Kerbe nicht, aber wer sein Smartphone nicht ausschließlich als Modeaccessoire begreift, wird sich daran gewöhnen.

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Der Rest des Bildschirms entschädigt für den Schönheitsfehler. Auf dem Oled-Display machen Fotos und Videos Spaß. Es ist hell und scharf, die Farben wirken natürlich, und der Blaustich des Vorgängers ist verschwunden. Auf der Rückseite setzt Google auf Glas statt Aluminium. Das fühlt sich edel an und ist nötig, um das Pixel 3 drahtlos zu laden - aber auch kratzanfällig. So bleibt einem wohl nichts anderes übrig, als das hübsche Design in einer etwas weniger hübschen Hülle zu verstecken.

Zwischen 850 und 1050 Euro will Google für das neue Pixel. Andere Android-Hersteller verbauen mehr Arbeitsspeicher und mehr Kameras, größere Akkus und Displays mit kleinerem Rand. Wenn Geld keine Rolle spielt, ist das Pixel 3 für die meisten Nutzer dennoch die erste Wahl. Nur Google liefert garantiert drei Jahre Sicherheitsupdates und passt das Android-Betriebssystem nicht auf teils fragwürdige Art und Weise an.

Wer gern fotografiert und die neueste Technik will, wird mit dem Pixel glücklich. Wer sein altes Smartphone behält und die 1000 Euro in eine schöne Reise steckt, wird vielleicht noch etwas glücklicher - auch mit weniger brillanten Urlaubsfotos.

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