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Google vs. Oneplus:Wer baut das beste Handy für unter 400 Euro?

Das Google Pixel 4a (links) ist etwas kleiner als das Oneplus Nord und liegt deutlich leichter und etwas weniger rutschig in der Hand.

(Foto: Simon Hurtz)

Es gibt schönere und schnellere Smartphones als Pixel 4a und Oneplus Nord - aber die kosten das Doppelte. Die beiden besten Mittelklasse-Handys im direkten Vergleich.

Von Simon Hurtz

Vor fünf Jahren ging eine Ära zu Ende, der viele Android-Nutzer bis heute hinterhertrauern: Google brachte das letzte Smartphone der Nexus-Reihe auf den Markt. Drei Dinge zeichneten diese Handys aus: das gute Preis-Leistungs-Verhältnis, das pure Android-Betriebssystem ohne Verschlimmbesserungen durch Gerätehersteller und die lange Unterstützung durch Software-Updates.

Google wollte lieber im Premiumsegment mitspielen. Aus Nexus wurde Pixel, die Preise verdoppelten sich. Im vergangenen Jahr versuchte Google dann, mit dem Pixel 3a an alte Zeiten anzuknüpfen. Jetzt legt das Unternehmen nach und macht fast alles richtig: Das Pixel 4a ist das beste Mittelklasse-Handy, das Google seit vielen Jahren gebaut hat. Mit 349 Euro kostet es nicht nur genauso viel wie das Nexus 5 - es ist ein würdiger Nachfolger.

Google ist nicht der einzige Handy-Hersteller, der sich in diesem Sommer auf die Suche nach seinen Wurzeln begibt. Auch Oneplus hat sich erinnert, dass es seine Smartphones einst zu "Flaggschiff-Killern" erklärte. Jahr für Jahr stiegen die Preise, bis die Chinesen selbst Flaggschiffe produzierten. Mit dem Modell Nord dreht Oneplus diesen Trend um: 399 Euro Einstiegspreis und jede Menge Handy fürs Geld.

Die SZ hat beide Smartphones zwei Wochen lang parallel im Alltag genutzt und verglichen. Um den Preis zu drücken, sparen beide Hersteller an der Hardware. Welche Kompromisse weniger ins Gewicht fallen, ist eine Frage der persönlichen Präferenzen. Diese Gegenüberstellung soll bei der Entscheidung helfen.

Optik, Haptik und Display

Noch vor dem Anschalten fallen zwei Unterschiede auf: Das Nord (6,4 Zoll) ist größer als das Pixel (5,8 Zoll) und glänzt an allen Ecken und Enden. Oneplus verbaut auf der Rückseite graues oder hellblaues Spiegelglas. Google setzt auf mattschwarzes Kunststoff-Understatement und erfreut Menschen, die an ihren alten Kopfhörern hängen, mit einer fast vergessenen Anschlussmöglichkeit: einer Klinkenbuchse. Das Pixel liegt deutlich leichter und etwas weniger rutschig in der Hand als das Nord, zumindest wenn man auf eine Schutzhülle verzichten will.

Beim Display hat Oneplus klar die Nase vorn. Mit einer Bildwiederholfrequenz von 90 Hz wirken alle Bewegungen und Animationen flüssiger als beim Pixel, dessen Bildschirm sich nur 60 Mal pro Sekunde aktualisiert. Wer sich einmal an 90 Hz gewöhnt hat, geht nur ungern zurück. Davon abgesehen sind beide Oled-Displays hell, scharf, bieten knackigen Kontrast und stellen Farben kräftig dar, ohne sie quietschbunt zu überzeichnen.

Leistung und Akkulaufzeit

Auf dem Papier gewinnt das Nord in fast allen Bereichen: Der Prozessor ist schneller (Snapdragon 765G statt 730), der Arbeitsspeicher ist größer (8 GB statt 6), und es unterstützt den kommenden 5G-Standard. In der Praxis fällt das aber kaum auf. Für normale Anforderungen sind beide Smartphones gut gerüstet, die Mittelklasse-Hardware bremst Betriebssystem und Apps nie aus. Nur Gamer könnten die fehlende Maximalleistung spüren: Anspruchsvolle Spiele laufen teils mit gedrosselter Bildwiederholfrequenz.

Auch beim Akku sprechen die Zahlen eine eindeutige Sprache: 4115 mAh beim Nord, 3140 mAh beim Pixel. Die größere Kapazität schlägt sich aber nicht in längerer Laufzeit nieder. Das 90-Hz-Display schluckt eine Menge Energie, sodass die Handys ungefähr zur selben Zeit an die Steckdose müssen. Dem Nord kann man aber früher den Stecker ziehen: Mit seinem eigenen Standard "Warp Charge" lädt es schneller als das Pixel. Im Vergleich mit anderen Geräten halten beide Smartphones lang durch und schaffen es locker durch den Tag. Beim Pixel 4 war die kurze Laufzeit noch eines der größten Probleme, mit dem Pixel 4a hat Google den Akku endlich sinnvoll dimensioniert.

Kamera

Google verbaut auf Vorder- und Rückseite jeweils nur eine Kamera - und erzielt damit deutlich bessere Ergebnisse als Oneplus, das insgesamt sechs Stück ins Nord packt. Der Grund ist die Software. Googles Algorithmen verwandeln durchschnittliches Ausgangsmaterial, das im Raw-Format blass und unspektakulär wirkt, in Fotos mit beeindruckendem Dynamikumfang und natürlichen Farben. Das Pixel 4a ist eines der besten Kamerahandys - unabhängig vom Preis.

Nur beim Zoomen macht sich das fehlende Teleobjektiv bemerkbar. Die digitale Vergrößerung kann nicht mit echtem optischem Zoom mithalten. Der fehlt auch beim Nord. Trotz vier Kameras auf der Rückseite verzichtet Oneplus auf ein Tele. Eine Fehlentscheidung: Der Makrosensor taugt wenig und hätte besser Platz für ein Objektiv mit größerer Brennweite gemacht. Insgesamt sind die Fotos rundum solide, bei schlechten Lichtverhältnissen kann der Nachtmodus die inkonsistenten Ergebnisse der Hauptkamera kompensieren. Hobbyfotografen greifen aber besser zum Pixel.

Software

Das Betriebssystem zählt zu den größten Stärken beider Smartphones. Google liefert seine Geräte mit "Stock Android" aus, der Originalversion ohne Anpassungen, die Hersteller gern vornehmen. Auf keinem anderen Handy fühlt sich Android so natürlich an. Man merkt, dass Hard- und Software aus einer Hand stammen. Zudem garantiert Google drei Jahre lang Sicherheits- und Funktionsupdates, auf die Nutzer nicht lange warten müssen. Wenn das Android 11 in einigen Wochen erscheint, kann es sofort installiert werden.

Beim Nord dürfte das etwas länger dauern. Oneplus zählt aber zu den Herstellern, die Updates meist schnell für ihre Geräte anpassen. Das Nord soll neue Android-Versionen mindestens zwei Jahre lang erhalten, für sicherheitsrelevante Aktualisierungen gilt ein Dreijahresversprechen. Bei seiner Android-Variante Oxygen OS verzichtet Oneplus zum Glück auf größere Spielereien. Die wenigen Zusatzfunktionen sind hilfreich, der Rest ähnelt der Android-Erfahrung auf dem Pixel.

Fazit

Es gibt schönere und schnellere Smartphones als Pixel 4a und Oneplus Nord. Aber es gibt keine besseren Handys für unter 400 Euro. Wer viel fotografiert, wird mit dem Pixel glücklicher. Das Nord bietet mehr Leistung und das schickere Display. Nur etwas Geduld braucht man in beiden Fällen: Oneplus gibt derzeit eine Lieferfrist von vier Wochen an. Das Pixel lässt sich vom 10. September an vorbestellen und soll Anfang Oktober ausgeliefert werden.

© SZ/vd
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