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Sundar Pichai in Berlin:Widerstand im Google-Sektor

Google Germany Opens Berlin Representation Office

Google-Chef Sundar Pichai sagt: "Mehr und mehr entwickelt sich Berlin auch zu einem Zentrum der Start-up-Szene und zu einem Innovationsmotor." Aber nicht alle Berliner wollen sein Unternehmen dort haben.

(Foto: Getty Images)

Drinnen steht "Arm aber Sexy", draußen plakatieren Demonstranten "Google hau ab": Sundar Pichai sieht bei der Eröffnung von Googles Berliner Büro, wie schwer es sein Unternehmen in der Hauptstadt hat.

Die Mission seines Konzerns bestehe darin, dass Informationen jedem dienten und nicht nur wenigen. So beschreibt Google-Chef Sundar Pichai, 46, die Rolle seines Unternehmens in Reden. Pichai selbst hat sich aus armen Verhältnissen an die Konzernspitze hochgearbeitet. Sein Glaube an die Technik ist kaum zu erschüttern. Am Dienstag allerdings traf er in Berlin auf Zuhörer, die Google und dem Chef des Suchmaschinenkonzerns die Rolle des selbstlosen Dienstleisters nicht abnehmen wollen.

Einen ganzen Tag war Pichai in Berlin unterwegs. Anlass war die Eröffnung der neuen Büros in der deutschen Hauptstadt. "Google hau ab", stand auf Bettlaken, die Unbekannte aus Fenstern der TU hängen ließen, wo Pichai am Morgen vor gut 1000 Studenten sprach. Im Gebäude lagen Flugblätter aus, die dem Konzern den Missbrauch seiner Datenmacht vorwarfen. Die Proteste am Rande des Auftritts machten klar, wie schwer es Pichai gerade in Europa und besonders in Berlin hat.

Eigentlich trieben Pichais deutsche Statthalter in Kreuzberg auch noch eine Art Gründerzentrum für Start-ups voran. Doch nach Demonstrationen zog sich Google aus dem Vorhaben zurück. Nun beginnt Pichai aus bunten Büros in Mitte eine Charmeoffensive in der deutschen Hauptstadt. Etwa 300 Mitarbeiter finden in den Großraumbüros in einem historischen Gebäudekomplex in der Nähe der Museumsinsel Platz, den Stararchitekt David Chipperfield modernisiert hat.

Mit dem historischen Gropius Ensemble bezieht der Konzern erstmals ein eigenständiges Gebäude in der Hauptstadt. Ein Forscherteam treibt von hier aus die Künstliche Intelligenz in Google-Produkten voran, die Pichai zur Zukunft des Unternehmens erklärt hat. In den neuen Räumen, die freundliche Titel tragen wie "Da kiekste wa" oder "Arm aber sexy", soll die Digitalisierung vom Risiko zur Chance werden. Ziel des Konzerns ist es, mit einer Bildungsoffensive zwei Millionen Deutsche digital weiter zu bilden - einen Teil davon auch in der neuen Berliner Zentrale.

Google will sich als Partner der Politik etablieren

Pichai stellte mit Gewerkschaften und Handelskammern ein Programm vor, das Beschäftigten digitale Kompetenzen vermitteln und Google als Partner von Wirtschaft und Politik etablieren soll. Ziel sei es, dass jeder vom digitalen Wandel profitiere, so Pichai.

"Es ist eine aufregende Zeit, Googler in Berlin zu sein", sagte der Firmenchef am Mittag. Berlin sei seit langem eine Hauptstadt der Kultur und der Medien, lobte der Google-Chef. "Mehr und mehr entwickelt sie sich auch zu einem Zentrum der Start-up-Szene und zu einem Innovationsmotor".

Am Nachmittag hatte der Manager dann Digitalpolitiker des Bundestages zum Gespräch in die Google-Büros gebeten. Am Abend gab es einen Empfang mit Digitalisierungs-Staatsministerin Dorothee Bär (CSU) und Berlins Regierendem Bürgermeister Michael Müller (SPD) - und erneut Proteste von Demonstranten. Die Nähe zur Politik ist Google wichtig. Für den Konzern-Chef wird es in Europa ungemütlich. Die Datenschutzregeln wurden verschärft. Frankreich hat über Google gerade als erstes Land eine Millionenstrafe verhängt. Und dann ist da die Debatte um eine Digitalsteuer für IT-Konzerne.

Pichai äußerte sich in Berlin nicht zu den Differenzen mit Europas Regierungen. Zentraleuropa-Chef Philipp Justus sagte, der Konzern wisse, dass sich Steuersysteme der Staaten mit dem Wandel der Wirtschaft ändern müssten. Eine Steuer weniger Staaten auf wenige Unternehmen könne aber nicht der richtige Weg sein.

Ein Schild am Ausgang des neuen Zentrums macht deutlich, in welchen Welten der Konzern denkt. "You are leaving the Google Sector", steht dort im Stile der Checkpoint-Charlie-Schilder. "Sie verlassen den Google Sektor."

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