bedeckt München

Google gegen China:Blumen für den Google-Chef

Freiheitskämpfer, das weiß auch Anti, sind die Google-Verantwortlichen nicht: Mit der Weiterleitung von google.cn nach google.com.hk brechen sie formal nicht ihr Versprechen, die chinesischen Suchresultate zu filtern - sie verwenden sie einfach nicht mehr und hoffen so, weiter im Land Geschäfte machen zu können. Für die Nutzer in China macht das nur einen geringen Unterschied: Nun blocken die Behörden mit ihren Schlagwortfiltern an den Netzknotenpunkten die Anfragen nach "Falun Gong" oder "Tian'anmen" eben selbst.

"Google hat sehr klug gehandelt", befindet Anti trotzdem, "wenn die Regierung die Hongkonger Seite blockiert, würde das nach einem Rachefeldzug aussehen und andere Internetunternehmen davon abschrecken, im Land zu investieren. Die Regierung hätte nicht viele Argumente für einen solchen Schritt - und an einer wirtschaftlichen Isolierung im IT-Bereich hat sie auch kein Interesse."

Auch wenn die These vielen weit hergeholt scheinen mag: Google hat wieder Bewegung in die Frage nach der Internetfreiheit in China gebracht, wenn auch vor allem im Ausland und vielleicht nur für wenige Tage. In einem Land, das seit Jahren ein strenges Regiment im Netz führt, reicht das: Chinesische Blogger, erzählt Anti, hätten zum Dank über das Internet Blumen an Google-Chef Sergey Brin geschickt. "36 US-Dollar hat das gekostet, aber das war es ihnen wert."

"Dann kann die Mauer fallen"

Dass andere westliche Unternehmen es Google nachtun werden und plötzlich im Verhältnis zu China Menschenrechte vor kommerzielle Interessen stellen, bezweifelt allerdings auch der optimistische Internetveteran: "Ich hoffe nichts, ich erwarte nichts", sagt er, und aus den Worten klingt die Müdigkeit eines Bloggers, dessen Einsatz im Kampf um die Meinungsfreiheit in keiner Relation zu den tatsächlichen Veränderungen steht.

Auf der anderen Seite des Pazifiks wartet Isaac Mao auf seinen Flieger und grübelt über die letzte Frage des deutschen Anrufers: Werden wir zu Lebzeiten noch ein ungefiltertes Internet in China sehen? "Ich stelle mir diese Frage seit Jahren", antwortet er zögernd, "ich selbst habe jetzt bereits die Freiheiten. Wenn wir diese nur ein paar Millionen von uns in China zeigen können, dann kann es wirklich passieren: Dann kann die Mauer fallen."

Etwas später bricht die Verbindung ab, vielleicht ein wichtiger Anruf, vielleicht darf Isaac Mao auch endlich in sein Flugzeug einsteigen, das ihn nach China bringt. In seine Heimat, in der das freie Internet auch nach dem "Moment der Tapferkeit" einzig in den Träumen einiger Idealisten existiert.

© sueddeutsche.de/holz
Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema