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Google Earth:Entdecker am Bildschirm

Mit Hilfe von Google Earth haben Forscher unbekannte Biotope entdeckt. Auch Naturvölker nutzen die Software - und patrouillieren mit ihr im Regenwald.

Ein riesiger Urwald voller unbekannter Pflanzen, Schlangen und Schmetterlinge, seltener Säugetiere und Vögel - es ist eine Schatzkammer der Natur im südostafrikanischen Mosambik, auf die Biologen um Julian Bayliss vor einigen Monaten stießen. Nicht einmal die Einheimischen hatten etwas von dieser geheimnisvollen Welt am Mount Mabu gewusst.

Wie der Indianer Tuwe vom Volk der Huni Kuim kämpfen auch die Indios vom Volk der Surui gegen die Vernichtung von biologischer Vielfalt. Die Surui nutzen vor allem Google Earth, um ihr Territorium im brasilianischen Bundesstaat Rondonia zu überwachen.

(Foto: Foto: dpa)

Die Region war wegen des Bürgerkriegs jahrzehntelang von der Außenwelt abgeschnitten gewesen. Erst der Blick aus dem All offenbarte das Ausmaß des unbekannten Ökosystems.

Und so machte Bayliss, der als Botaniker im britischen Königlichen Botanischen Garten in Kew arbeitet, eine seiner wichtigsten Entdeckungen nicht bei einer Expedition durch Mosambik, sondern am Schreibtisch - mit Hilfe des Computerprogramms Google Earth: "Wir haben nach Bergwäldern gesucht, die wir zu Schutzgebieten verknüpfen könnten. Gerade in Entwicklungsländern gibt es noch große, unzugängliche Regionen, die wir nur mit Satellitenbildern auswerten können." Am einfachsten ging dies mit dem kostenlosen Programm von Google.

Bayliss' Fund ist bei weitem nicht alles, was der Atlas aus Satellitenfotos Ökologen und Naturschützern seit seinem Start 2005 bescherte. "Früher bekamen fast nur Wissenschaftler Zugang zu Satellitenbildern. Google Earth hat dies demokratisiert. Heute kann jeder die Abholzung am Amazonas, die schmelzenden Polkappen oder die Millionen kreuz und quer über den Planeten verlaufenden Straßenkilometer mit eigenen Augen sehen", sagt Mark Mulligan vom Londoner King's College.

Patenschaften übernehmen

Der Geograph hat mit den Satelliten- und Luftbildern, die sich zu einem virtuellen Globus formen, selbst schon einige Initiativen angestoßen. Darunter ist auch HealthyPlanet.org, eine Internetplattform, auf der Interessenten mithilfe von Google Earth Schutzgebiete sehen und eine Patenschaft für einen Hektar oder Quadratkilometer darin übernehmen können.

90 Prozent der Spenden fließen örtlichen Organisationen zu, die sich um das jeweilige Gebiet kümmern, der Rest dient dem Betrieb von HealthyPlanet.org oder geht an Reservate, die bisher kaum Beachtung fanden. Mit dem Geld konnte seine Organisation bereits ein Moor in Großbritannien schützen, Aufforstungen in Thailand finanzieren und Parks in Kolumbien und Brasilien unterstützen.

Andere Internetseiten zeigen, wie die Ölförderung Amazonien beeinträchtigt und welche Rolle Schutzgebiete für die Trinkwasserversorgung von Städten spielen.

Auf der nächsten Seite: Wann Nutzer von Google Earth mit noch schärferen Satellitenbildern rechnen können.