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Internet:Google-Cloud-Ausfall legt Youtube lahm

Die Google-Cloud hatte am Sonntag Probleme.

(Foto: Matt Rourke/AP)
  • Am Sonntag sind Youtube, Gmail und Snapchat für mehrere Stunden ausgefallen.
  • Schuld daran ist ein Ausfall der Google-Clouddienste.
  • Solche Offline-Zeiten können für viele Firmen teuer werden. Doch sichere Lösungen sind es auch.

Von Johannes Kuhn

Vom Online-Shopping bis zur Thermostat-Kontrolle: Am Sonntagabend ging plötzlich nicht mehr viel. Wegen eines Ausfalls von Googles Cloud-Diensten waren im Osten der USA und Teilen Europas zahlreiche bekannte Internetdienste nicht erreichbar.

Betroffen waren nicht nur die meisten Google-Apps, darunter Gmail, Youtube und das Smart-Home-System Nest, sondern auch Firmen, die ihre IT über Google-Server abwickeln. Dazu gehörten in diesem Fall die sozialen Netzwerke Snapchat und Discord, aber auch Shopify, ein E-Commerce-Service, auf den viele Online-Händler zurückgreifen. Der Ausfall dauerte gut dreieinhalb Stunden, später machte Google "Netzwerk-Verstopfung" dafür verantwortlich.

Google hat als Cloud-Dienstleister inzwischen IBM überholt und ist hinter Amazon und Microsoft der drittgrößte Anbieter der Welt. Weil weiterhin viele Firmen Rechenkraft in die Hand von Drittfirmen geben, ist der Markt hart umkämpft. Die Firmen garantieren in der Regel eine Erreichbarkeit von mindestens 99,99 Prozent. In der Praxis bedeutet dies, dass sie Ausfälle mit kostenloser Nutzungszeit oder Gutschriften für Kunden ausgleichen.

Die Marketing-Abteilungen der Konzerne versuchen zudem, mit allerhand Statistiken zu untermauern, warum ihr Dienst der beste ist. Noch im April hatte Google-Manager Urs Hölzle auf einer Entwicklerkonferenz erklärt, die Clouddienste des Konzerns seien im vergangenen Jahr insgesamt nur 208 Minuten ausgefallen - 104 Minuten weniger als Amazon Web Services (AWS). Dies hatte in der Branche zu einer lebhaften Debatte darüber geführt, wie aussagekräftig solche Zahlen sind.

Tippfehler sorgte 2017 für eine Kettenreaktion

Den bislang größten Cloud-Ausfall musste im Februar 2017 Amazon verbuchen. Damals hatte ein Tippfehler im Code eine Kettenreaktion ausgelöst und mehrere AWS-Dienste zum Absturz gebracht. Weil mehr als 150 000 Webseiten und Apps dort Daten lagerten, machte sich der stundenlange Ausfall sofort rund um den Globus bemerkbar. Betroffen waren auch prominente Dienste wie Spotify, Adobe oder Salesforce.

Einer Berechnung des Plattformanbieters Cyence zufolge gingen damals alleine den 500 größten US-Unternehmen durch die Offline-Zeit ungefähr 150 Millionen US-Dollar verloren.

Am teuersten sind solche Abstürze für die Finanzbranche, aber auch für Kommunikationsdienste, Gesundheitssektor und E-Commerce sind sie schmerzhaft. Besonders schwer ins Gewicht fällt es, wenn Mitarbeiter keinen Zugriff mehr auf die internen, ebenfalls in der Cloud gelagerten Firmendienste haben. Der Produktivitätsausfall summiert sich dann schnell auf siebenstellige Beträge pro Stunde.

Vorsicht, Erdbeben!

Auch deutsche Unternehmen leiden laut Cloud Monitor 2018, einer Studie der Unternehmensberatung KPMG und Bitkom Research, unter Cloud-Ausfällen: Fast jede zweite Firma, die solche Dienste nutzt, berichtete von Offline-Zeiten, die in der Verantwortung der Cloud-Provider lagen. Allerdings gab nur 31 Prozent der Befragten an, auf die Ausfälle reagiert zu haben.

Das Outsourcing an Drittanbieter ist weiterhin ein beliebtes Mittel, um im Zuge der Digitalisierung das IT-Budget etwas zu entlasten. Um allerdings komplette Erreichbarkeit sicherzustellen, raten einige Experten inzwischen zu "Multicloud"-Architekturen - also Datensilos bei unterschiedlichen Anbietern, um im Falle einer Störung wechseln zu können. Ein solches System ist allerdings deutlich teurer und aufwendig instandzuhalten.

Eine Verteilung der Cloud-Leistungen ist in einigen Gegenden der Welt auch unter geografischen Aspekten sinnvoll. In den USA gilt die Westküste zum Beispiel als anfällig für Naturkatastrophen. Firmen achten deshalb in der Regel darauf, die Daten auch auf Servern in anderen Landesteilen zu speichern.

© SZ.de/mri
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