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Adblocker:Google dominiert das Web, und das weckt Sorgen

Zum einen bleiben Bedenken beim Chrome-Adblocker. "Wie alle Mitglieder der Better Ads Coalition folgen auch wir den vereinbarten Standards", sagt Google. Standards also, die Google selbst mit definiert und abgesegnet hat. Viele Nutzer empfinden die sogenannte Pre-Roll-Werbung vor Videos als sehr lästig. Dennoch ist es schwer vorstellbar, dass Google die wichtigste Werbeform seiner Videoplattform Youtube auf den Index setzt und sich selbst seines Geschäftsmodells beraubt.

Vor allem aber verdeutlicht Googles Vorstoß erneut, wie einflussreich das Unternehmen ist. Ein Gedankenexperiment: Alle Menschen müssen Brillen tragen, ohne Sehhilfe können sie die Welt nicht wahrnehmen. Knapp 60 Prozent aller Brillen werden von einem einzelnen Unternehmen hergestellt. Jener Konzern hat sich außerdem ein Quasi-Monopol als Reiseveranstalter erarbeitet und verdient obendrein Geld damit, den Brillenträgern kleine Anzeigen am Rande ihres Sichtfeldes anzuzeigen.

Das Unternehmen bestimmt also, welche Teile der Erde Menschen besuchen und wie sie ihre Umgebung wahrnehmen. Das entspricht Googles Bedeutung für das World Wide Web. Mehr als neun von zehn Menschen googeln, um Webseiten zu finden, 60 Prozent nutzen Chrome, um sie zu betrachten, und oft sehen sie dabei Anzeigen, die über Googles Werbenetzwerk geschaltet werden. Von den anderen Konzern-Produkten Gmail, Youtube und Android erst gar nicht zu reden.

"Das Web ist nicht Google, und es sollte nicht nur Google sein"

Das einst dezentrale und vielfältige Netz befindet sich in der Hand weniger Konzerne, und Google ist der mächtigste von ihnen. "Das Web ist nicht Google, und es sollte nicht nur Google sein", schrieben etliche bekannte Web-Entwickler, als sie kürzlich warnten, dass Google immer mehr Inhalte in seinem eigenen AMP-Format anzeige und Seitenbetreibern so Besucher entziehe.

Google behauptet, man sei sich dieser Verantwortung bewusst. "Wir haben großes Interesse daran, das Web als standardisierte, offene Plattform weiterzuentwickeln", sagt ein Sprecher des Entwicklungsteams in München. Dafür arbeite man mit anderen Browserherstellern zusammen und orientiere sich an den Bedürfnissen von Nutzern und Web-Entwicklern.

Diese Sichtweise teilen nicht alle. Im November beklagte sich der Entwickler Nikita Prokopov, dass Google weit verbreitete Schnittstellen abschalte und etliche Webseiten unbrauchbar mache, nur um die Leistung des Chrome-Browsers zu verbessern. Kurz darauf rief Programmierer Chris Krycho seine Kollegen auf, Webseiten für alle Browser zu entwickeln und sich nicht nur auf Chrome zu fokussieren. Der Appell verbreitete sich in der Community, zahlreiche Entwickler beteiligten sich an der Diskussion.

Wird Google Chrome der neue Internet Explorer

Anfang des Jahres warnte das Tech-Portal The Verge schließlich: "Chrome verwandelt sich in den neuen Internet Explorer 6". Microsoft hatte damit Anfang des Jahrtausends einen Marktanteil von mehr als 90 Prozent. Gleichzeitig war der Browser aber langsam, unzuverlässig und unsicher. Insbesondere Entwicklern erschwerte er die Arbeit, da Microsoft sich weigerte, moderne Webstandards zu unterstützen.

Heute surft kaum noch jemand mit dem Internet Explorer. Auch sein Nachfolger, der Edge-Browser, kann nicht mit Chrome, Firefox und Safari mithalten. Microsofts Schicksal zeigt: Firmen, die konsequent an den Bedürfnissen von Nutzern vorbei entwickeln, können in kurzer Zeit tief fallen. Google mag aktuell verdammt mächtig sein - aber auch andere Firmen bauen schöne Browser.

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