Google Buzz:Googles soziale Attacke

Mit dem neuen Service "Buzz" macht Google seinen E-Mail-Dienst zum sozialen Netzwerk. Damit hat das Unternehmen einen neuen Gegner entdeckt: Facebook.

Johannes Kuhn

Es war wieder einer dieser Momente, die Googles Konkurrenten fürchten: Mit Google Buzz stellte das Unternehmen am Dienstagabend unserer Zeit einen Dienst vor, dem zugetraut wird, einen weiteren Bereich des Web zu revolutionieren. Dieses Mal: soziale Netzwerke.

Google Buzz: Google-Gründer Sergey Brin bei der Buzz-Vorstellung: Zurück in der Welt der sozialen Netzwerke

Google-Gründer Sergey Brin bei der Buzz-Vorstellung: Zurück in der Welt der sozialen Netzwerke

(Foto: Foto: Reuters)

Buzz ist keine neue Plattform, sondern eine Erweiterung des E-Mail-Dienstes Gmail. "Eine komplett neue Welt innerhalb von Google Mail", versprach Produktmanager Todd Jackson bei der Vorstellung in Moutain View, Kalifornien.

Diese Welt dreht sich um die Echtzeit-Kommunikation: So können Nutzer mit Buzz Statusnachrichten hinterlassen, Inhalte wie Links, Bilder oder Videos teilen, die Nachrichten von Kontakten kommentieren und mitteilen, ob diese ihnen gefallen.

Wer sich hier an Facebook erinnert fühlt, liegt goldrichtig: Googles neuer Dienst ist ein direkter Angriff auf das soziale Netzwerk, das inzwischen 400 Millionen Nutzer hat. Google hatte in diesem Bereich bislang wenig Erfolg: 2004 startete das Unternehmen die Community Orkut, die zwar 100 Millionen registrierte Nutzer hat, aber nur in Brasilien mit Facebook konkurrieren kann.

Die Inbox wird zum Zentrum

Die Integration in Gmail, das bereits jetzt Chat- und in Kombination mit dem Google Reader Empfehlungsfunktionen hat, ist deshalb ein logischer Schritt: Mit geschätzten 150 bis 170 Millionen Nutzern hat man bereits eine breite Basis, auf die man aufbauen kann.

Viele Funktionen, die Facebook ähneln, versucht Google mit Buzz besser umzusetzen: So kann der Nutzer auswählen, ob er seine Updates dem ganzen Internet, allen Kontakten oder nur einer Auswahl von Freunden zeigt. Kommentare anderer Nutzer werden in Echtzeit im E-Mail-Postfach angezeigt, von dort kann auch direkt geantwortet werden. Von Freunden empfohlene YouTube-Videos oder ganze Bilderalben der Fotodienste Flickr und Picasa lassen sich direkt in Gmail ansehen. Twitter-Nachrichten können empfangen, aber bislang nicht über Buzz versendet werden.

Vom Mikroblogging-Dienst übernimmt Buzz die Möglichkeit, anderen Nutzern zu folgen, weshalb Buzz deshalb ohne die klassische Freundschaftsanfrage der sozialen Netzwerke auskommt. Dabei macht sich hier Google die Masse seiner Daten zunutze: So werden automatisch Kontakte empfohlen, mit denen ein Nutzer häufig in Google per Mail oder Chat kommuniziert; auf einer weiteren Ebene schlägt Google Nutzer vor, die zu ähnlichen Themen Kommentare hinterlassen. Datenschützer dürften solch automatisierte Verknüpfungen von Personen und Informationen kritisch sehen.

Für Apples iPhone und das eigene Handy-Betriebssystem Android bietet Google eine kostenlos Buzz-App an, die bereits ortsbezogene Daten integriert: Zu jeder mobilen Statusnachricht wird dann der Ort, von dem sie gesendet wurde, auf einer Google Map vermerkt sein. Öffentliche Nachrichten werden mit den Daten von Google Places verknüpft: In diesem Verzeichnis finden sich unter anderem Geschäfte und Restaurants, deren Informationen nun beispielsweise mit mobilen Gastronomiekritiken angereichert werden können.

Ergänzung statt Ersatz

Vor allem auf dem Mobilmarkt dürfte Buzz für einige Veränderungen sorgen: Bislang stecken ortsbezogene Anwendungen noch in den Kinderschuhen. Ihnen wird aber wegen des erwarteten Werbemarkts für ortsbasierte Werbung eine große Zukunfts vorausgesagt.

Ob wegen Google Buzz die eingefleischte Facebook-Nutzerschaft, die sich bereits einen Stamm von Freunden aufgebaut hat, plötzlich Gmail zu ihrem sozialen Netzwerk macht, ist jedoch alles andere als sicher: "Buzz dürfte eher eine Ergänzung werden, als ein Ersatz für die anderen sozialen Netzwerke der Nutzer", vermutet Augie Ray von der Marktforschungsagentur Forrester Research.

Die Reaktionen der Konkurrenz zeigen, dass Google zumindest einen Nerv getroffen hat: Yahoo veröffentlichte bereits kurz nach der Google-Präsentation eine Pressemitteilung, in der das Unternehmen klarstellte, bereits seit anderthalb Jahren mit Yahoo! Updates einen ähnlichen Dienst anzubieten. Microsoft erklärte: "Beschäftigte Menschen wollen nicht noch ein weiteres soziales Netzwerk."

Von Facebook gab es bislang noch keine offizielle Reaktion. Das Unternehmen arbeitet derzeit Gerüchten zufolge an einem Gegenschlag: So soll es bald möglich sein, reguläre E-Mails über das soziale Netzwerk zu verschicken.

Wer sich hier an Gmail erinnert fühlt, liegt goldrichtig.

© sueddeutsche.de/joku/beu
Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Kontakt und Impressum
  • AGB