GfK-Studie zur Kommunikation Schwer zu erreichen: die Deutschen

Muss das Smartphone wirklich immer dabei sein? In Deutschland angeblich nicht.

(Foto: dpa)
  • Nur 16 Prozent der Deutschen sagen, es sei ihnen wichtig, immer und überall erreichbar zu sein. Damit liegt Deutschland im internationalen Vergleich ganz hinten.
  • Die Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) hat für ihre Studie mehr als 27 000 Internetnutzer in 22 Ländern befragt.
  • Im Schnitt halten es 42 Prozent der Befragten für wichtig, immer erreichbar zu sein. In Russland und China liegt der Wert sogar bei 56 Prozent.
Von Sara Weber

Wer in der U-Bahn den Blick vom Smartphone hebt, der könnte zum Schluss kommen: Den meisten Menschen in Deutschland ist es ziemlich wichtig, immer und überall erreichbar zu sein. So viele schauen ebenfalls nach unten, auf das Telefon oder Tablet in ihrer Hand. Doch der Eindruck trügt, behauptet zumindest eine großangelegte Studie der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK): Demnach sagen nur 16 Prozent der Befragten in Deutschland, dass es ihnen wichtig sei, "immer und überall erreichbar zu sein". Und 34 Prozent sagen explizit, ihnen sei ständige Erreichbarkeit unwichtig.

An letzter Stelle: Deutschland

Deutschland ist damit Schlusslicht dieser international angelegten Studie: In 22 Ländern wurden insgesamt mehr als 27 000 Internetnutzer online befragt. Ihnen wurden allgemeine Aussagen zu Technologie und Informationsbedürfnissen vorgelegt, die sie dann auf einer Skala von 1 (stimme überhaupt nicht zu) bis 7 (stimme voll und ganz zu) bewertet sollten. Bei der Frage nach der Erreichbarkeit werden alle Personen berücksichtigt, die mit 1 und 2 beziehungsweise 6 und 7 geantwortet haben.

Im Schnitt halten es 42 Prozent aller Befragten für wichtig, immer erreichbar zu sein, elf Prozent ist es unwichtig. In anderen Ländern ist das Smartphone offenbar ein noch wichtigerer Teil des Lebens geworden als im Alltag der Deutschen. Vor allem Menschen in Russland und China legen großen Wert darauf. Dort und in anderen Schwellenländern wie der Türkei und Brasilien liegt die Zustimmung mehr als doppelt so hoch wie in Deutschland oder Japan, wo die Werte am niedrigsten sind. Gründe für die so unterschiedlichen Werte liefern die Studienmacher nicht mit.

Mit dem Alter nimmt der Wunsch nach Erreichbarkeit ab

Ein genauerer Blick in die Ergebnisse zeigt, dass nicht alle Menschen in Deutschland auf ständige Erreichbarkeit pfeifen, sondern dass vor allem die älteren Generationen angeben, nicht "always on" zu sein: Je jünger die Befragten sind, desto eher wollen sie auch immer digital verfügbar sein. Das ist für 27 Prozent der 15- bis 19-Jährigen und für 21 Prozent der 20- bis 29-Jährigen wichtig. Im Alter zwischen 30 und 59 Jahren liegt die Zustimmung recht konstant bei 15 bis 16 Prozent, bei den Befragten über 60 Jahren sinkt sie deutlich, hier legen nur noch zehn Prozent Wert darauf.

Je älter, desto entspannter, was digitale Kommunikation betrifft, könnte man also meinen. Doch das gilt nicht in allen Ländern: In der Türkei etwa, wo mit einem Durchschnittswert von 53 Prozent ein sehr hohes Bedürfnis nach Erreichbarkeit besteht, ist der Wert bei der Altersgruppe der 40- bis 49-Jährigen am höchsten: Von ihnen sagen 68 Prozent, dass sie ständig erreichbar sein wollen - bei den 15- bis 19-Jährigen dagegen sind es nur 48 Prozent.

Auch die Geschlechter wurden in der Studie berücksichtigt: So sagen im internationalen Schnitt 40 Prozent der Frauen und 43 Prozent der Männer, dass es ihnen wichtig sei, immer erreichbar zu sein. In Deutschland gaben Frauen deutlich häufiger (37 Prozent) an, dass sie sich Anrufen und Nachrichten verweigern, als Männer (31 Prozent).

Wie steht es um die Selbstwahrnehmung der Deutschen?

Wenn aber selbst unter den jungen Deutschen die Werte deutlich niedriger sind als in anderen Ländern: Wieso liegt dann beim Mittagessen doch so oft das Smartphone direkt neben dem Teller? Und warum ist das Handy neben Geldbörse und Schlüsselbund die dritte Sache, die beim Verlassen des Hauses unverzichtbar ist? Vielleicht stimmt in Deutschland ja einfach etwas mit der Selbstwahrnehmung nicht so ganz.

Die Frage lautete schließlich, für wie wichtig jede Person das eigene Telefon für sich selbst einschätzt. Wenn die Frage an Freunde oder Partner ginge, könnte die Antwort möglicherweise ganz anders lauten: "Der und nicht erreichbar sein wollen? So ein Quatsch!"