Handy-Gerüchte um Facebook Mobile Aufstiegsträume und ein Absturz

Die Hinweise verdichten sich: Berichten zufolge soll Facebook an zwei Smartphones basteln. Doch mitten in die mobilen Hoffnungen platzt der schlimmste Ausfall seit Jahren.

Von Johannes Kuhn

Die Strategie von Facebook-Chef Mark Zuckerberg ist so simpel, dass sie mit einem einzigen Wort beschrieben werden kann: mehr.

Service Datenschutz

Privat trotz Facebook

Mehr Nutzer, denn mit 500 Millionen registrierten Usern soll die Expansion des sozialen Netzwerks noch nicht abgeschlossen sein. Mehr öffentliche Daten der Mitglieder, weshalb das Unternehmen sich Unmut und Misstrauen der Nutzer zuzog. Vor allem aber: mehr vom Internet.

Längst macht der 26-jährige Jungunternehmer kein Geheimnis mehr aus seinen Plan. Das Internet soll sozial werden, oder besser: Facebook soll zum Dreh- und Angelpunkt unserer Aktivitäten im Web und in der Welt werden, sie dokumentieren und für Marketingzwecke analysieren.

Bereits jetzt sorgt der auf Millionen Webseiten eingebettete "Gefällt mir"-Button dafür, dass Mitglieder ihre Vorlieben der Welt und den Datensammlern von Facebook noch einfacher offenbaren können. Mit der derzeit anlaufenden Einführung eines Geodienstes kommen weitere Daten über den Aufenthaltsort dazu.

Wie viel Einfluss Facebook inzwischen hat, zeigt ein Vorfall vom Donnerstag: Wegen eines Fehlers im internen Korrektursystem war die Seite zweieinhalb Stunden nicht erreichbar. Der laut Facebook "schlimmste Ausfall, den wir seit mehr als vier Jahren hatten" sorgte für Rätselraten und Verzweiflung auf Twitter und in Blogs.

Facebook ist für viele Menschen längst zur Infrastruktur ihres Lebens geworden - die Zuckerberg-Strategie des "Mehr" soll diese Verschmelzung von Leben und Facebook noch vorantreiben, wie derzeit Gerüchte im Silicon Valley vermuten lassen: Mehrere US-Medien berichten übereinstimmend, dass Facebook den Einstieg in den Smartphone-Markt plant. Gemeinsam mit dem Handy-Hersteller INQ, so meldet beispielsweise die Nachrichtenagentur Bloomberg, arbeite Facebook derzeit an zwei eigenen Smartphones. Die Geräte sollen 2011 in den Handel kommen.

Die Marktmacht ist der Schlüssel

Bereits jetzt nutzt ein Viertel aller Mitglieder Facebook von seinem Handy aus. Die Facebook-Telefone sollen die Dienste der Plattform in den Mittelpunkt stellen, aber auch Verbindungen zu anderen sozialen Netzwerken enthalten. Technologie-Blogger Michael Arrington zitiert eine nicht genannte Person mit Kenntnis des Projekts: Demnach sei Facebook besorgt darüber, dass die mobilen Anwendungen für iPhone oder Handys mit dem Google-Betriebssystem Android zu wenig seien, um im wachsenden mobilen Werbemarkt konkurrenzfähig zu bleiben.

Facebook könnte theoretisch mit Hilfe seiner großen Marktmacht dafür sorgen, dass ein eigenes Smartphone sich gut verkauft - zum Beispiel, indem es eine exklusive Applikation enthält, die Facebook-Nutzer unbedingt besitzen möchten.