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Geldwäsche bei Digitalwährung Liberty Reserve:Wechselstube für die Unterwelt

Five arrests in 6-billion-dollar global money laundering case

Der Firmensitz von Liberty Reserve in San Rafael de Escazu in Costa Rica

(Foto: dpa)

Wofür Al Capone noch Waschsalons brauchte, benötigen Gauner heute nur eine E-Mail-Adresse: Das Geschäftsmodell von Liberty Reserve versprach absolute Anonymität - auch für Geldwäscher. Zwar handelt es sich um einen spektakulären Einzelfall. Doch er deckt die Schwachstellen der digitalen Währungen auf.

Die Behörden in den USA sprechen vom größten Geldwäscheskandal, in dem sie je ermittelt haben. Und als würde das zur Einordnung noch nicht reichen, bringt ein Beamter auch noch den berüchtigsten Verbrecher der US-Geschichte ins Spiel: "Würde Al Capone heute leben", sagte Chefermittler Richard Weber, "dann würde er sein Geld so verstecken". Der Vergleich mit dem Gangsterboss, der in den zwanziger und dreißiger Jahren des letzten Jahrhunderts in Chicago aktiv war, soll vermutlich nicht nur dazu dienen, den Menschen die Größenordnung des Falles um die Digitalwährung Liberty Reserve zu verdeutlichen.

Es geht wohl auch darum, Laien verständlich zu machen, um was es hier geht: Einnahmen aus illegalen Geschäften werden reingewaschen. Al Capone nutzte dazu Waschsalons - heute geht das online. Auf der Plattform von Liberty Reserve, einem Unternehmen mit Sitz in Costa Rica, konnten Nutzer Euro und Dollar in digitales Geld eintauschen.

Blindes Vertrauen

Die Kunden mussten zwar Name, Adresse und Geburtsdatum angeben, die Daten wurden aber nicht überprüft. Alles, was die Nutzer brauchten, war eine gültige E-Mail-Adresse. Niemand bekam davon etwas mit, keine Bank, keine Regierung. Totale Anonymität. Wie gut das funktioniert hat, zeigt der Fall eines Undercover-Agenten, der laut Angaben der Ermittler ein Konto unter dem Namen "Joe Schwindler" eingerichtet haben soll. Der angegebene Verwendungszweck: "Für Kokain."

Wen ein solches Angebot anzieht, ist klar: Hacker, Kreditkartenschwindler, Drogenhändler - einfach jeden, der die Quelle seiner Einnahmen lieber für sich behalten möchte. So wurde Liberty Reserve offenbar zur Wechselstube für die Unterwelt. Eine Spur ging nach Angaben der Ermittler von einer Gruppe von Cyber-Bankräubern aus, die Kreditkartenkonten manipuliert und 45 Millionen Dollar erbeutet hatten.

Die Staatsanwaltschaft New York wirft den Verantwortlichen bei Liberty Reserve nun vor, Geldwäsche im Umfang von etwa sechs Milliarden Dollar ermöglicht zu haben. Die Justiz spricht von der "Drehscheibe der weltweiten Cyberkriminalität". Die Plattform soll mehr als eine Million Nutzer haben, davon etwa 200.000 in den USA. Wie viele davon kriminelle Ziele verfolgten, ist unklar. Die Ermittler haben Konten in 17 Ländern einfrieren lassen, darunter Russland, Hong Kong, die Schweiz und Zypern.

Vergangene Woche war die Plattform offline gegangen, Firmengründer Arthur B. wurde daraufhin in Spanien festgenommen. Er war 2006 aus den USA nach Costa Rica gezogen, nachdem er eine Bewährungsstrafe wegen illegaler Finanzgeschäfte erhalten hatte. Ihm und seinen inzwischen ebenfalls festgenommenen Partnern drohen bis zu 20 Jahre Gefängnis.