Geheimdienst bei Facebook und Co. Auch Obama erhält die Analysen

Die Analysen des Zentrums finden fast jeden Tag Eingang in das tägliche Geheimdienst-Briefing für US-Präsident Barack Obama. Nach dem Tod Bin Ladens verfolgte man genau, wie die Stimmung in China und Pakistan war. Dabei orientierte man sich vor allem an den Sprachen. Und die Mehrheit der Tweets in Urdu, der Hauptsprache in Pakistan, und auf Chinesisch waren negativ.

Als Obama einige Wochen später eine Rede zur Lage im Nahen Osten hielt, waren die meisten Tweets in den 24 Stunden danach aus der Türkei, Ägypten, dem Jemen, Algerien, vom Persischen Golf und auch aus Israel negativ. In den arabischen und türkischen Tweets wurde Obama vorgeworfen, er bevorzuge Israel. Die hebräischen Tweets nannten seine Rede proarabisch.

Dieses stichprobenartige Meinungsbild wurde später von anderen Medien und auch durch Geheimdienstberichte bestätigt. Das Zentrum vergleiche seine Ergebnisse auch mit Meinungsumfragen, sagt Naquin, um zu sehen, wer genauer sei.

Websites wie Facebook oder Twitter sind zu einer wichtigen Quelle geworden, wenn es um sich schnell entwickelnde Dinge wie Unruhen geht, wie es sie im April und Mai in Bangkok gab, erklärt der stellvertretende Direktor des Zentrums, der namentlich nicht genannt werden darf, weil er auch von Zeit zu Zeit undercover in fremden Ländern arbeitet. Auch die Lage des Zentrums ist geheim, um Angriffe, ob physisch oder elektronisch, zu verhindern.

Twitterer weisen auf Fehler hin

Der stellvertretende Direktor gehörte auch zu den etwa 20 Mitarbeitern, die die US-Botschaft in Bangkok in dieser kritischen Zeit weiter am Laufen hielten, als Demonstranten durch die Straßen zogen und Diplomaten und auch viele Thailänder nicht mehr aus ihren Wohnungen konnten.

Als auch die traditionellen Medien kaum noch berichten konnten, sprudelte es innerhalb weniger Stunden auf Twitter und Facebook, berichtet der stellvertretende Direktor. Die CIA habe dann zwölf bis 15 Twitter-Nutzer genauer verfolgt, um zu sehen, wer verlässliche und genaue Informationen lieferte.

Dabei half auch, dass die Twitterer untereinander immer wieder darauf hinwiesen, wenn jemand falsche Nachrichten verbreitet hatte, erklärt er. Zwei Drittel aller Nachrichten, die die Botschaft in Bangkok in dieser Krise nach Washington schickte, kamen schließlich vom Open Source Center der CIA.