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Gegenspionage aus China:Google gehackt, Spione gecheckt

Google sammelt Daten, chinesische Hacker holen sie sich - und wissen jetzt vermutlich, ob Spione unter Beobachtung der Vereinigten Staaten stehen. Amerikanische IT-Spezialisten finden das "brillant".

Wen überwacht die US-Regierung? Laut einem Bericht der Washington Post haben sich chinesische Hacker Datensätze von Google verschafft, die exakt diese Frage beantworten. Demnach wollten die Hacker herausfinden, ob die US-Regierung chinesische Spione überwacht, die verdeckt in den USA arbeiten. Die Datensätze enthalten angeblich Informationen, die bereits seit mehreren Jahren gesammelt werden.

Sofern chinesische Spione Dienste von Google nutzen, zum Beispiel Google Mail, kann das Unternehmen Daten sammeln: Etwa von wo aus die E-Mails verschickt werden, was drinsteht und wer der Empfänger ist. Genau diese Informationen sollen nun in den Händen von chinesischen Hackern sein.

16.000 Anfragen

"Wenn die chinesische Regierung nun weiß, wer unter Beobachtung steht, können sie Gegenmaßnahmen in die Wege leiten: Beweise vernichten oder die Leute aus dem Land schaffen", sagte ein ehemaliger Regierungsmitarbeiter der Washington Post. Der Wissensvorsprung könne aber auch gezielt dazu genutzt werden, die Behörden mit falschen Informationen zu füttern.

US-Behörden fordern Unternehmen wie Google regelmäßig dazu auf, Daten herauszurücken - in der Mehrzahl der Fälle ist nicht einmal ein Durchsuchungsbeschluss nötig. Allein im Jahr 2012 gab es knapp 16.000 Anfragen - und wie das Unternehmen mitteilt, werden in 90 Prozent der Fälle mindestens einige Daten vorgelegt.

Im Zuge des jüngsten Transparenzberichtes sagte ein Sprecher von Google jedoch, dass mindestens ein Durchsuchungsbefehl vorliegen müsse, wenn Informationen über E-Mails angefragt werden. Welche Daten genau weitergegeben werden, darüber gibt das Unternehmen keine Auskunft. Auch Microsoft hat im März bekanntgegeben, wie viele Anfragen sie von US-Behörden bekommen: Es waren 11.000.

"Brillante Gegenspionage"

Zur gleichen Zeit wie Google wurde der Washington Post zufolge auch Microsoft Opfer eines ähnlichen Angriffs. Das Blatt zitiert David Aucsmith, einen Spezialisten für Cyberkriminalität in Microsofts hauseigenem Sicherheits-Institut, mit den Worten: "Wir haben herausgefunden, dass sie nach den Accounts gesucht haben, die Ziel legaler Abhöraktionen waren."

Dies soll Aucsmith bereits vor einem Monat auf einer Konferenz gesagt und den Angriff aus China als "brillante Gegenspionage" bezeichnet haben, ausgeführt von einem "A-Team" von Hackern. Mittlerweile will Aucsmith diese Aussagen aber nicht mehr auf einen konkreten Angriff auf Microsofts Datenbanken gemünzt sehen - er habe lediglich allgemein gesprochen, sagte er der Zeitung.

Die Hacker attackierten die Server von Google bereits im Dezember 2009. In einer Stellungnahme erklärte das Unternehmen damals, dass die Hacker chinesische Menschenrechtsaktivisten enttarnen wollten. Vermutlich vergeblich, so Google. Die konzerneigene Einschätzung dürfte nach den neuesten Informationen jedoch falsch sein. Die Aktion ist anscheinend geglückt.

© Süddeutsche.de/hgn
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