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Smarte Uhren von Garmin:"Es geht halt nicht, dass die Uhr bei einem Triathlon ausgeht"

Sportler des Jahres - Lange

Garmin nennt als Zielgruppe "echte Sportler". Werbepartner Patrick Lange, hier bei der Ironman-EM in Frankfurt, darf sich dazurechnen.

(Foto: Arne Dedert/dpa)
  • Auch wenn man mit manchen Sportuhren-Modellen mittlerweile an der Supermarktkasse bezahlen oder sich Benachrichtigungen anzeigen lassen kann, muss eine solche Uhr nicht alles können, was technisch möglich ist. Die Frage ist: Was ist der echte Mehrwert einer Funktion?
  • Der US-amerikanische Hersteller Garmin legt keinen Wert auf Bezahlfunktionen, sondern eher darauf, dass seine Uhren robust genug für Sportler sind.

Von Helmut Martin-Jung, Garching

Wenn Martin Resch von der Bergwanderung mit ein paar Arbeitskollegen auf die Benediktenwand im Jahr 2012 erzählt, ist ihm die Begeisterung noch heute, fast acht Jahre danach, anzumerken. Den Bayern Resch haben damals aber weniger die Schönheiten der alpinen Landschaft begeistert. Denn er hat vermutlich oft auf seine Uhr geschaut. Eine besondere Uhr. Voluminös, mit großen Knöpfen an den Seiten. Seinem Arbeitgeber, dem US-amerikanischen Outdoorgeräte-Hersteller Garmin, war es erstmals gelungen, einen GPS-Sensor in eine Armbanduhr zu packen und dazu auch noch die Route auf dem Bildschirm anzuzeigen. "Das war faszinierend", erinnert sich Resch, heute Garmin-Produktmanager für alle Outdoor-Geräte, "ein Navi am Arm, das war schon ein Quantensprung". Nur leider war die Truppe damals zu spät losgegangen: "Auf dem Weg nach unten hatten wir nur die Hintergrundbeleuchtung der Uhr als Licht", erzählt er schmunzelnd.

Langweilig wird Resch auch heute in seinem Job so schnell nicht. Der Outdoor-Bereich sei der agilste, hier gebe es die meiste Bewegung. Und Garmin gehört zu den führenden Herstellern auf dem Markt. Viele der Teilnehmer am legendären Ironman-Triathlon in Hawaii etwa checken mit einer Uhr von Garmin, ob die Pace stimmt und wie hoch der Puls ist. Aber wie entwickelt man solche Uhren?

Die Fenix-Uhren werden per Knopf bedient, das ist für Sportler praktischer

Resch sagt, das Unternehmen wolle die Zielgruppe der Sportler nie aus den Augen verlieren. Auch wenn man mit manchen Modellen der Sportuhren inzwischen auch an der Supermarktkasse bezahlen oder damit ohne Handy Musik hören und sich Benachrichtigungen vom Smartphone anzeigen lassen kann - das Hauptaugenmerk liege immer auf der Kernzielgruppe.

Und die will Uhren, die möglichst alle Daten erfassen, die einem helfen können, in seinem Sport besser zu werden. Robuste Uhren, deren Akkus lange durchhalten und die nicht den Geist aufgeben, wenn man mit ihnen ins Wasser springt. "Die Credibility bei echten Sportlern wollten wir nie verlieren", sagt Resch, "es geht halt nicht, dass die Uhr ausgeht bei einem Triathlon". Man bediene primär das Segment Outdoor und Sport, "das opfern wir nicht, um mehr smarte Funktionen zu bieten oder die Uhren noch kleiner zu machen."

Das erklärt, warum Garmin etwa bei seiner Uhrenserie Fenix noch immer für die Bedienung große Knöpfe an den Seiten nutzt und nicht mit Touchscreens arbeitet wie etwa Apple. Knöpfe lassen sich eben auch mit einem Skihandschuh betätigen oder mit nassen Fingern.

Die erste Fenix - die damals an der Benediktenwand getestete Uhr für Bergsteiger - erwies sich allerdings nicht als Verkaufsschlager. Die Zielgruppe war zu klein: "Nicht einmal Bergsteiger gehen fünfmal die Woche auf den Berg", sagt Peter Weirether, Produktmanager für Uhren bei Garmin. Den Rest der Woche seien sie normale Sportler. Also packte Garmin für die nächste Version, die Fenix 2, eine Reihe von Sportfunktionen in die Uhr. Mit jeder weiteren Generation kamen mehr Funktionen und mehr Sensoren hinzu. Dennoch wurden die Uhren stetig kleiner. Die aktuelle Version sechs misst unter anderem den Sauerstoffgehalt im Blut und informiert darüber, wie stark die Batterie aufgeladen ist - nicht die der Uhr wohlgemerkt, sondern die des Trägers.

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