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Gamescom:"Die Gaming-Szene profitiert von der Pandemie"

Gaming-Influencer Max Knabe

Max Knabe ist ein Youtube-Star der Gamerszene. Gemeinsam mit anderen Influencern organisiert er das Programm der "Gamevasion", einem Bestandteil der Gamescom.

(Foto: Tim Guhlke/oh)

Die Gamescom 2020 findet nur digital statt. Youtube-Star Max "HandOfBlood" Knabe erzählt, warum er darüber nicht traurig ist und was Eltern tun können, um die Spiele ihrer Kinder zu verstehen.

Interview von Mirjam Hauck

Vom 27. bis zum 30. August öffnet die Gamescom ihre digitalen Pforten. In diesem Jahr findet die Messe nicht in Köln statt, wegen der Corona-Pandemie haben die Veranstalter zusammen mit mehr als 300 Partnern - wie Spieleherstellern und Influencer-Agenturen - erstmals ein rein virtuelles Programm zusammengestellt. Ein Ticket zu lösen braucht diesmal niemand. Auch das Anstehen entfällt in diesem Jahr, 2019 drängelten sich 370 000 Besucher auf der Messe. Das vollständige Programm von 2020 gibt es hier.

Zu den Organisatoren gehört auch Max "HandOfBlood" Knabe. Zusammen mit anderen Influencern hat er das Programm der "Gamevasion" zusammengestellt, die im Rahmen der Gamescom stattfindet. Auf virtuellen Bühnen spielen er und seine Kollegen mit und gegen ihre Fans. Knabe, 28, ist einer der bekanntesten Gaming-Youtuber und Influencer Deutschlands mit mehr als 1,9 Millionen Abonnenten.

Seit er einen Gewinn aus einem Fortnite-Turnier einem Berliner Tierheim gespendet hat, gilt er als "gute Seele des E-Sports". Zum Interview, das über Microsoft Teams stattfand, trug der bekennende Metalfan ein Shirt der thüringischen Band Heaven Shall Burn.

SZ: Die Gamescom findet dieses Jahr nur online statt, schmerzt Sie das sehr?

Max Knabe: Mich persönlich schmerzt es nicht so sehr. Die Gamescom ist körperlich und mental eine anstrengende Zeit. Das große Messegelände in Köln, jedes Jahr neue Besucherrekorde. Der Fan-Kult ist schon cool, aber dort ist es auch laut und intensiv. Ich finde es zur Abwechslung sogar ganz schön, dass die Messe in diesem Jahr digital stattfindet.

Viele Gaming-Youtuber und -Streamer nutzen die Messe als Fantreffen mit Autogrammstunden. Lässt sich diese Nähe digital überhaupt herstellen?

Wir versuchen es auf jeden Fall. Die Gamescom hat sich in den letzten Jahren weg entwickelt von einer Messe, auf der Spielehersteller ihre Neuheiten vorstellen, zu einem Event, auf dem vor allem Jugendliche ihre Youtuber, ihre Idole treffen wollen. Und vielleicht auch ein paar Goodies wie T-Shirts abgreifen wollen, die diese in die Menge werfen. Das geht dieses Jahr zwar nicht, dafür haben wir uns aber ein paar andere Ideen überlegt. Zum Beispiel werden wir in unserem Streams bei Twitch über den Chat sehr viel mit unseren Zuschauern und Fans sprechen und interagieren und beispielsweise Vorschläge aufnehmen und Abstimmungen starten.

Und was bekommen die Zuschauer in den Livestreams zu sehen?

Am meisten freue ich mich auf die interaktiven Formate mit den Rocket Beans aus Hamburg. Wir werden Pen- und Paper-Spiele spielen, also Rollenspiele wie "Dungeons and Dragons". Wer die früher nicht selbst gespielt hat, kennt sie vielleicht aus der Netflix-Serie "Stranger Things". Da gibt es einen Spielleiter, und wir denken uns eine Spielewelt aus. Das kann ein Fantasy-Universum oder die Post-Apokalypse sein, und es wird gewürfelt. Das ist ein bisschen nerdy, aber es macht Spaß, das vor der Kamera zu spielen. Die Story, die so entsteht, streamen wir auf Twitch in einer abendfüllenden Show. Auf Youtube kann man sich das im Nachhinein noch ansehen.

Funktioniert die Gaming-Szene ohne Live-Events?

Events wie große E-Sport-Turniere fehlen, aber die Branche ist modern, jung und digital. Deshalb kommt sie gut damit zurecht, dass derzeit keine Liveveranstaltungen stattfinden können. Die Szene wächst zur Zeit sogar stark, sie profitiert von der Pandemie, weil die Leute mehr Zeit zu Hause verbringen und zeitgleich online spielen können.

Interview am Morgen

Diese Interview-Reihe widmet sich aktuellen Themen und erscheint von Montag bis Freitag spätestens um 7.30 Uhr auf SZ.de. Alle Interviews hier.

Gibt es Spiele, die von der Pandemie besonders profitieren?

Neu sind die vielen Formel-1-Spiele, sogenannte Sim-Racing-Spiele, die ein realistisches Fahrgefühl vermitteln. Die gab es vor Corona so nicht. Die boomen dieses Jahr, weil die Rennfahrer aus professionellen Serien ihre Fahrten oft in die digitale Welt verlagert haben. Deshalb ist auch ein großer Teil des Publikums umgestiegen und schaut jetzt statt analogen Rennen den Fahrern auf Twitch oder Youtube zu.

Nicht alle Eltern freuen sich, wenn die eigenen Kinder wegen Corona deutlich mehr Zeit zu Hause verbringen und mehr Zeit haben, Youtube zu schauen oder am Bildschirm zu spielen. Was raten Sie ihnen?

Eltern sollten sich einfach mal dazusetzen und sich selbst ein Bild machen, was die Kinder da eigentlich machen. Sie sollten Fragen stellen und sich dafür interessieren, was ihre Kinder an Youtubern und Games so fasziniert. Die Spiele sind oft deutlich komplexer, als es sich Eltern vorstellen. Am Ende des Tages geht es um Medienkompetenz, und da müssen Eltern auch dazulernen wollen. Sie können sich einfach auch die nächsten Tage unsere Livestreams ansehen, quasi als eine Art Weiterbildung.

Früher warnten Politiker vor "Ballerspielen" und "Computerspielsucht", mittlerweile eröffnen sie die Gamescom. Im vergangenen Jahr war es Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet. In diesem Jahr hält Außenminister Heiko Maas die virtuelle Eröffnungsrede. Fühlen Sie sich von der Politik genug unterstützt?

Im aktuellen Koalitionsvertrag haben Union und SPD festgeschrieben, dass E-Sport als Sportart anerkannt werden soll. Das finde ich gut, aber seitdem ist leider nicht viel passiert. Wir hätten es deutlich leichter, wenn E-Sport endlich anerkannt würde, dann gäbe es gemeinnützige Vereine, die Medienkompetenz vermitteln könnten. Wir sagen nicht, dass es keine Online- oder Spielesucht gibt, aber es gibt nicht nur Schwarz und Weiß. Und die Anerkennung als Sportart, wie sie es in vielen anderen Ländern bereits gibt, würde uns auch in Deutschland weiterhelfen.

© SZ/jab/mxm
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