Games:Das war 2017 für Gamer wichtig

Nintendo bringt die Switch auf den Markt, "PlayerUnknown's Battlegrounds" feiert Erfolge und die Branche diskutiert über Glücksspiel-Elemente. Die wichtigsten Ereignisse für Gamer im zurückliegenden Jahr

Von Caspar von Au und Julian Dörr

Resident Evil 7: Biohazard

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(Foto: Capcom/PR)

Eines der gruseligsten Spiele des Jahres 2017 ist mit Sicherheit "Resident Evil 7: Biohazard". Erstmals setzt Entwickler Capcom auf die Ego-Perspektive, aus der der Spieler den Protagonisten Ethan durch eine verrottete Villa steuert. Ethan sucht seine totgeglaubten Frau Mia, nachdem er nach drei Jahren eine kryptische Nachricht von ihr erhalten hat. Passend zum Perspektivwechsel setzt das Spiel im Vergleich zu den Vorgängerspielen der Reihe wieder mehr auf Horror als auf Actiongeballer. Häufig schleicht sich Ethan minutenlang durch die Villa, ohne dass sich jemand blicken lässt. In diesen Momenten bleibt genügend Zeit, um die ekeligschöne Einrichtung zu bewundern. Dann plötzlich steht ein Zombie vor dem Spieler. Der Jump-Scare funktioniert, obwohl man ihn erwartet. Dieser Effekt verstärkt sich nochmals, wenn man Resident Evil 7 mit dem VR-Headset für die Playstation spielt. Die nicht ganz ausgereifte Steuerung in der virtuellen Realität kann allerdings Übelkeit beim Spieler verursachen. "Resident Evil 7: Biohazard" ist für Computer, Playstation 4 und Xbox One erhältlich.

Horizon: Zero Dawn

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(Foto: Sony/PR)

Auch wenn sich die Zahlen der Spielerinnen und Spieler zunehmend angleichen: Noch immer sind große Teile der Gaming-Welt Männerwelten. Eine Folge (oder Ursache) ist, dass in vielen Spielen Frauen als Sexobjekte dargestellt werden. Das Action-Rollenspiel "Horizon: Zero Dawn" zeigt, wie es anders geht. In einer postapokalyptischen Zukunft, in der die Maschinen die Menschheit unterjocht haben, steuert der Spieler die Jägerin Aloy. Die junge Frau wurde als Baby von ihrem Stamm ausgestoßen und wächst bei einem Einsiedler auf. Doch Aloy akzeptiert die Schranken nicht, die ihr die Gesellschaft vorgeben. Sie kämpft darum, wieder aufgenommen zu werden, und stellt die ihr vorgelebten Werte in Frage. Tierähnliche Roboter bevölkern die Welt, zentrales Element ist es, diese Maschinen zu jagen. Die Spielewelt von Zero Dawn ist groß und beherbergt ganz unterschiedliche Zonen und Landschaften. Wer aus Trotz fernab jeglicher Feminismus-Debatten bleiben will, verpasst ein tolles Spiel. "Horizon: Zero Dawn" ist für Playstation 4 erhältlich.

Nintendo Switch

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(Foto: PR / Nintendo)

Nach dem Flop der Wii U brauchte Nintendo dringend ein neues Gerät, um das Unternehmen auf dem Konsolenmarkt wieder konkurrenzfähig zu machen. Das ist mit der Switch, die Nintendo im März auf den Markt geworfen hat, wohl gelungen. Die Switch ist zwar nicht so leistungsstark wie die neuesten Konsolen von Microsoft und Sony, dafür soll sie Gaming zu Hause und unterwegs vereinen. Die Konsole, die im Wesentlichen aus einem Bildschirm in Tabletgröße und zwei Controllern besteht, lässt sich in drei Modi betreiben: verbunden mit dem Fernseher, auf dem Tisch stehend oder in der Hand. Für letzteren Modus werden die beiden Controller seitlich an der Switch montiert. Zum Start der Konsole veröffentlichte Nintendo allerdings nur ein großes Spiel, das eine Anschaffung rechtfertigte: "The Legend of Zelda: Breath of the Wild". Im Laufe des Jahres folgten dann neue Titel: Mit "Super Mario Odyssey" bekommt ein weiterer Held des Nintendo-Universums seinen ersten großen Auftritt auf der Switch. Daneben gibt es für die Konsole auch Spiele von anderen Entwicklern, zum Beispiel "FIFA 18".

The Legend of Zelda: Breath of the Wild

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(Foto: Screenshot: Matthias Huber / Nintendo)

Welches Spiel ist das beste Videospiel überhaupt? Eine Frage, die sich nicht fair und eindeutig beantworten lässt. Fest steht aber: "The Legend of Zelda: Breath of the Wild" ist ein Meisterwerk. Der Held Link soll das Königreich Hyrule und die Prinzessin Zelda retten - der Grundhandlungsstrang funktioniert auch im jüngsten Spiel der legendären Reihe nach dem bewährten Konzept. Breath of the Wild ist das erste Open-World-Spiel der Zelda-Reihe. Es nimmt den Spieler von Beginn an kaum an die Hand. Open World bedeutet in Breath of the Wild tatsächlich fast uneingeschränkte Freiheit. Der Spieler kann sich aussuchen, was er macht und wann er es macht. Link kann Äpfel rösten, Pilze sammeln, fischen, Bokoblins jagen und aus den gesammelten Zutaten Zaubertränke brauen oder sich ein Essen kochen. Rezepte dafür gibt es nicht. Auch Anleitungen, wie man Gegner am besten bekämpft, sind selten. Der Spieler soll und kann in Breath of the Wild alles selbst erkunden. "The Legend of Zelda: Breath of the Wild" ist für Nintendo Switch erhältlich.

PlayerUnknown's Battlegrounds

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(Foto: Bluehole / PR)

Am meisten überrascht hat 2017 wohl der riesige Erfolg von "PlayerUnkown's Battlegrounds" - oder kurz PUBG. Die Idee hinter dem Shooter ist gleichermaßen simpel wie altbekannt. Nach dem Prinzip des Battle Royal bekämpfen sich bis zu hundert Spieler auf einer verlassenen Insel. Wer als letzter Überlebender übrigbleibt, gewinnt das Spiel. Die Spieler werden zunächst nur in T-Shirt und Jeans über der Insel mit dem Fallschirm abgesetzt. Waffen, Munition, Schutzkleidung und Verbandszeug müssen sie sich nach und nach zusammensuchen und Widersacher erschießen. Dabei schrumpft immerzu das kreisrunde Spielgebiet, genannt die Zone, in dem sich die Spieler befinden müssen. Schon seit März, neun Monate vor der eigentlichen Veröffentlichung im Dezember, begeistern sich Millionen von Spielern weltweit für PUBG. Mittlerweile ist es eines der beliebtesten Onlinespiele. Einer der Gründe für den Erfolg: die Livestreaming-Plattform Twitch. PUBG macht nicht nur als Spieler, sondern auch als Zuschauer Spaß. Das Spielprinzip schafft es innerhalb von Sekunden, dass man auch mit fremden Avataren mitfiebert: Schafft er's, schafft er's nicht? Hinter jeder Ecke wartet möglicherweise der Tod und damit das Spielende. Nur wer bis zum Schluss überlebt, bekommt am Ende als Hauptpreis den Nonsens-Spruch zu sehen: "Winner, winner, chicken dinner." "PlayerUnknown's Battlegrounds" ist für Computer und im Early Access für Xbox One erhältlich.

Hellblade: Senua's Sacrifice

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(Foto: Ninja Theory / PR)

Ständig hört Senua diese Stimmen im Kopf. Sie geben ihr Ratschläge, lachen sie aus, brabbeln sinnloses Zeug. Senua ist eine keltische Kriegerin und die Protagonistin in "Hellblade: Senua's Sacrifice". Sie reist in die nordische Unterwelt Helheim, um ihren verstorbenen Geliebten zu retten. Das Spiel ist eine Mischung aus Action-Adventure, Horror und Heldensage. Zentrales Spielelement sind die Psychosen, die die Kriegerin plagen und die sich direkt auf das Spielgeschehen auswirken. Der Spieler hört ebenso wie die Kriegerin die Stimmen, er kann ihnen genauso wenig entkommen. Dieser für Videospiele ungewöhnliche Umgang mit einer psychischen Störung wurde in vielen Rezensionen des Spiels gelobt. "Hellblade: Senua's Sacrifice" ist für Computer und Playstation 4 erhältlich.

Destiny 2

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(Foto: Activison / PR)

Die Erwartungen vieler Gamer an "Destiny 2" waren riesig. Zumindest teilweise wird der SciFi-Shooter diesen gerecht. Als Hüter reist der Spieler durch das Sonnensystem, um eine zukünftige Version der Erde vor der Roten Legion zu retten. Wie schon im Vorgängerspiel kann er seinen Hüter durch die Wahl aus je einer von drei Rassen und drei Klassen individualisieren. Die Spielewelt gehört atmosphärisch zu den schönsten, die es derzeit gibt. Leider flacht die Spannungskurve der Handlung schon in der Einführung ab. Zumindest um die Aussicht vom Jupiter-Mond Io auf den Mutterplaneten zu genießen, lohnt es sich dranzubleiben. Doch in dem Moment, in dem die Handlung beendet ist und Destiny 2 sich zu einem Massively-Multiplayer-Online-Game (MMO) öffnet, schwächelt das Spiel erst recht. Bald langweilt das stumpfe, repetitive Gamedesign (in eine Höhle rein, alles umballern, wieder raus). Ausdauernde Spieler stürzen sich dagegen wieder und wieder ins Getümmel, um am Ende mit einem Energiegewehr belohnt zu werden, das ein klitzekleines Bisschen besser ist als das Modell, das sie schon besitzen. "Destiny 2" ist für Computer, Playstation 4 und Xbox One erhältlich.

Super Mario Odyssey

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(Foto: Screenshot: Julian Dörr / Nintendo)

"Super Mario Odyssey" ist doch nicht GTA im Pilzkönigreich geworden. Auch wenn Nintendos main man bisweilen in ungewohnt großstädtischer Umgebung über orange-gelbe Taxis hüpfen muss. Marios neuestes Abenteuer ist dennoch erstmal ein grundklassisches Jump 'n' Run, bei dem man in jeder Sekunde weiß, wo man in der nächsten Sekunde hin soll. Dass "Super Mario Odyssey" trotzdem einen mächtigen Sog entwickelt, liegt vor allem an Marios Mütze. Denn auf wen Mario seine Mütze schleudert, dessen Gestalt nimmt er an - und dessen Fähigkeiten übernimmt er. Ob Panzer, Stromleitung oder T-Rex. Eine Meisterleistung der Imagination. Ein einziges Feature, das die Möglichkeit von unendlichen Welten in sich trägt. "Super Mario Odyssey" ist für Nintendo Switch erhältlich.

Assassin's Creed: Origins

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(Foto: Ubisoft / PR)

Die Gefahr von Spielereihen liegt wie bei Büchern, Fernsehserien oder Filmen darin, dass irgendwann jeder Aspekt erzählt ist. So ging es zuletzt auch der "Assassin's Creed"-Reihe. Origins, das zehnte Hauptspiel der Serie, ist da keine Ausnahme. Zwar muss der Spieler wie in den vorherigen Spielen viel schleichen, klettern und Gegner möglichst unentdeckt umbringen. Es wäre auch außergewöhnlich, wenn die Entwickler auf die DNA der Spielereihe verzichtet hätten. Aber es gibt einige Neuerungen, die dem Spiel guttun: Origins spielt in Ägypten zur Zeit von Kleopatra und Cäsar. Nach alter Assassin's Creed-Manier nehmen beide historischen Persönlichkeiten zentrale Rollen in der Handlung ein. Der Spieler steuert den ägyptischen Sheriff Bayek, der einen Geheimbund aus Verschwörern aufdecken und erledigen will. Daneben gibt es zahlreiche kleinere Aufträge, die Bayek erfüllen kann. Das Ägypten in Origins ist riesig, der Spieler kann sich nahezu frei umherbewegen. Das überarbeitete Kampfsystem und das neue Crafting sorgen dafür, dass sich Origins verglichen mit den Vorgängern mehr wie ein Rollenspiel anfühlt. "Assassin's Creed: Origins" ist für Computer, Playstation 4 und Xbox One erhältlich.

Lootbox-Debatte

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(Foto: Blizzard / PR)

Wenn Internetnutzer einen gemeinsamen Aufreger finden, kann das hin und wieder große Wellen schlagen. Die Gaming-Community ereifert sich seit Oktober über ein Geschäftsmodell, das viele Spielehersteller dazu nutzen, um auch nach dem einmaligen Ladenpreis an den Spielern weiterzuverdienen. Sie verkaufen im Spiel für echtes Geld sogenannte Lootboxen (deutsch Beutekisten), in denen sich zufällige virtuelle Gegenstände befinden. Während sich viele Spieler hauptsächlich darüber ärgern, dass sie mehrfach zur Kasse gebeten werden, ist die Debatte in den Fokus der Politik gerückt. Die Frage: Sind Lootboxen Glücksspiel und müssten Videospiele daher anders reguliert werden? Nach aktueller Rechtslage in Deutschland fallen die Kisten nicht unters Glücksspiel; dafür müssten die Spieler ihre virtuellen Gewinne in echtes Geld umtauschen können. Dennoch betrachten einige Politiker die Lootboxen als kritisch in puncto Jugend- und Verbraucherschutz.

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