Gamergate Sarkeesian adelt Computerspiele

Anita Sarkeesian reagiert auf diese Entwicklung und behandelt Spiele mit dem kulturellen Anspruch, der auch an Filme und Bücher gestellt wird. Damit adelt sie das Medium des Computerspiels und wird von Entwicklern ausgezeichnet. Die Gamer, wie sie Golding schildert, verstehen Sarkeesians Auseinandersetzung mit den Spiele-Inhalten nicht als Fortschritt, sondern als Angriff auf ihr Hobby. Sie bedrohen Sarkeesian deswegen, photoshoppen Bilder von ihr in Pornos; in einem Spiel geht es ausschließlich darum, Sarkeesian virtuell zu verprügeln. "Ich werde seit zwei Jahren terrorisiert, aber die vergangenen Monate waren die schlimmsten", sagte Sarkeesian kürzlich.

Die vergangenen Monate, das ist die Zeit von Gamergate. Auf Twitter wurden unter dem Hashtag in den vergangenen 30 Tagen mehr als 1, 4 Millionen Tweets abgesetzt. Die Gamergate-Geschichte beginnt mit einem wütenden Ex-Freund von Zoe Quinn, einer Spiele-Entwicklerin. Der Ex-Freund veröffentlichte intime Details über Quinn und beschuldigte sie, ihn mit einem Spiele-Journalisten betrogen zu haben. Quinn hatte zuvor ein Spiel veröffentlicht, in dem man nachfühlen sollte, wie es ist, eine Depression zu haben. "Depression Quest", so der Name, wurde größtenteils positiv aufgenommen.

Quinn weigerte sich, auf die Anschuldigungen einzugehen: "Es ist furchteinflößend, von mir zu verlangen, das Manifest eines mir böse gesinnten Ex-Freundes über mein Sexualleben öffentlich zu widerlegen, damit ich weiter in dieser Industrie mitspielen darf. Ich werde das nicht tun." Der Fall sei ein weiteres Beispiel für geschlechterbezogene Gewalt, es gehe ausschließlich darum, sie zum Aufhören zu bewegen.

Es geht nicht mehr um die Ethik-Debatte

Nach dem Beitrag des Ex-Freundes aber entstand in ebenjener Gamer-Community der Vorwurf, dass Spiele-Journalismus ethisch korrumpiert, das Lob unbegründet sei. Quinn habe mit dem Spiele-Journalisten geschlafen, damit dieser positiv über sie berichte. Der Vorwurf hat nur einen Haken: Besagter Journalist hat dieses Spiel nie besprochen.

Die eigentliche Diskussion geht schon längst nicht mehr um die Ethik-Debatte. Es ist ein Aufbäumen einer aktiven Gamer-Community, der jedes Mittel Recht ist, um den Wandel aufzuhalten. Von Hassmails über das Veröffentlichen von Nacktfotos bis hin zu Bombendrohungen. Dan Golding formuliert es so: "Die Gamer haben sehr gut erkannt, dass ihnen ihr Spielzeug weggenommen wird. Ihre Baumhäuser werden zugenagelt."

Seit Dienstag, also seit der Bombendrohung in Utah, kann man diesen Wandel förmlich greifen. Die Entertainment Software Association, die größte Spiele-Organisation in den USA, verurteilte jede Art von Belästigung und Gewaltandrohung. Das müsse aufhören. Zuvor hatte Sarkeesian genau das gefordert und ergänzt: "Ich werde meine Arbeit fortsetzen. Ich werde weiterhin meine Meinung sagen."