Vorinstalliert - aber unsicher

Schon klar: Gegen eine gutgemachte Phishing-Mail, die den PC-Nutzer mit allen möglichen Tricks dazu verleitet, auf einen Link zu klicken oder die Installation eines Programms zu bestätigen, hilft auch die beste Antiviren-Software nur begrenzt. Gut wäre es aber schon, wenn die sich dann einklinkt, wenn es wirklich brenzlig wird, also etwa über den Link versucht wird, weitere Schadsoftware zu installieren. Die Frage ist allerdings, ob es dazu unbedingt die kostenpflichtige Software braucht, die verschiedene Anbieter offerieren, oft als Vorinstallation auf einem PC.

Das nämlich bringt zwei Probleme mit sich: Erstens läuft die Lizenz für die vorinstallierte Software meist nach ein paar Monaten aus, dann blinkt es zwar unten auf dem Windows-Bildschirm, doch davon lassen sich viele Nutzer nicht stören. Dass sie dann allerdings so gut wie ungeschützt sind, ist vielen nicht klar. Denn die Kriminellen verändern oft täglich den digitalen Fingerabdruck ihrer Schädlinge, damit diese durchs Netz der Sicherheitssoftware schlüpfen, die nach diesen Fingerabdrücken, genannt Signaturen, suchen. Nur wenn die Signaturen täglich neu geladen werden, ist man halbwegs auf der sicheren Seite.

Problem Nr. 2: Virenscanner greifen tief ins System ein, oft genug geht das nicht ohne Probleme ab, daher raten die Experten der renommierten Fachzeitschrift c't mittlerweile dazu, den Windows-eigenen Virenwächter namens Defender zu verwenden. Der kümmerte sich anfangs nur um sogenannte Spyware, die zum Beispiel unerwünschte Werbung im Browser einblendet. Inzwischen aber ist er ein vollwertiger Virenscanner - und derjenige, von dem man in der täglichen Arbeit am Rechner am wenigsten merkt. Auch die Erkennungsraten der kostenlosen Software können sich mittlerweile sehen lassen.

Wer einen neuen PC einrichtet, sollte also einen möglicherweise vorinstallierten Virenscanner gleich deinstallieren. Der Windows Defender schaltet sich dann automatisch ein, wenn kein anderer Virenscanner mehr auf dem System installiert ist. Was man übrigens keinesfalls tun sollte: Mehrere Virenscanner zugleich installieren. Die kommen sich nur ins Gehege. Von Helmut Martin-Jung

Bild: microsoft 22. August 2019, 15:372019-08-22 15:37:50 © SZ.de/mxm/mri