5G-Ausbau Der schnelle Mobilfunk kann kommen

Mobilfunkantennen auf dem Dach der Kreisklinik in Ebersberg (noch kein 5G)

(Foto: Photographie Peter Hinz-Rosin)
  • Die Bundesnetzagentur hat hohe Mindeststandards für Unternehmen festgelegt, die an der Versteigerung der 5G-Frequenzen teilnehmen wollen.
  • Bis 2022 sollen etwa in jedem Bundesland 98 Prozent der Haushalte mit Geschwindigkeiten von mindestens 100 Megabit pro Sekunde versorgt werden.
  • Die großen Mobilfunkanbieter sind davon wenig begeistert.
Von Michael Bauchmüller, Berlin, und Helmut Martin-Jung

Jetzt ist der Weg frei für schnelles Internet via Mobilfunk. Der Beirat der Bundesnetzagentur billigte am Montag die Vergaberegeln für das Mobilfunknetz der fünften Generation, genannt 5G - mit sehr strengen Auflagen. Demnach müssen erfolgreiche Bieter dafür sorgen, dass bis Ende 2022 in jedem Bundesland 98 Prozent der Haushalte mit Geschwindigkeiten von mindestens 100 Megabit pro Sekunde versorgt werden. Das Gleiche gilt für Autobahnen, wichtige Bundesstraßen und Schienenwege. Bis Ende 2024 soll das Angebot auf weitere Verkehrswege ausgedehnt werden.

Auch sollen sie 1000 sogenannte Basisstationen für 5G errichten, dazu 500 Basisstationen mit 100 Megabit pro Sekunde in "weißen Flecken". "Die Auferlegung einer Versorgungsverpflichtung soll einen zügigen Netzausbau sicherstellen", heißt es in der Entscheidung der Netzagentur. Der Entscheidung war ein monatelanges Ringen vorausgegangen, insbesondere auch um die Frage, inwieweit Neueinsteiger bei den Ausschreibungen eine Chance haben. Für sie sollen die Auflagen nun abgeschwächt werden, auch können sie darauf hoffen, per Roaming auf bestehende Netze zurückzugreifen. Die etablierten Netzbetreiber sollen sie ihre Netze nutzen lassen, wo die neuen Anbieter über keine eigenen verfügen. "Unsere Entscheidung schafft wichtige Voraussetzungen für die Digitalisierung von Wirtschaft und Gesellschaft", sagte Netzagentur-Chef Jochen Homann. Die Vergabe der Frequenzen sorge für Planungs- und Investitionssicherheit und trage zu einem schnellen Ausbau der Mobilfunknetze bei. Genau das bezweifeln allerdings Kritiker. Der weltweit agierende Verband der Mobilfunkbetreiber, GSMA, sieht in den Vergaberegeln zu wenig Anreize für Mobilfunkbetreiber, das Netz so rasch wie möglich auszubauen. "Es ist, wie wenn Ihnen bei einem Marathon jemand sagt, Sie sollen jetzt sprinten, die Distanz bleibt aber dieselbe", sagt Brett Tarnutzer, Experte für Mobilfunkfrequenzen bei der GSMA. Die Auflagen für die Netzabdeckung hält er für unrealistisch. Kritik kommt auch von Verbraucherschützern. Die Regeln sähen zu wenig Wettbewerb vor, sagte Klaus Müller, Chef des Verbraucherzentrale Bundesverbands. "Der jetzt schon stagnierende Wettbewerb im Mobilfunkmarkt wird dadurch weiter zementiert", kritisierte er. "Auch das Problem der weißen Flecken im ländlichen Raum wird uns noch eine Weile begleiten."

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Die Bundesnetzagentur plant die Versteigerung der Frequenzen für das Frühjahr 2019. Forschungsministerin Anja Karliczek hatte Hoffnungen auf den modernen Mobilfunkstandard vor allem in Ländlichen Regionen in dieser Woche ein Dämpfer verpasst.

Unternehmen können nun bis 25. Januar die Zulassung zur Versteigerung beantragen, im Frühjahr soll sie über die Bühne gehen. "Das ist ein wichtiger Schritt auf dem Weg zur Gigabit-Gesellschaft", sagte der CDU-Politiker Joachim Pfeiffer, der dem Beirat vorsitzt. Der Plan sei in Quantität und Qualität ein "Sprung nach vorn". Schließlich mache er auch zusätzliche Auflagen für die sogenannten Latenzzeiten: Entlang von Autobahnen und wichtigen Bundesstraßen etwa darf es nicht länger als zehn Millisekunden dauern, bis das Netz auf eine Anfrage reagiert. Dies stelle sicher, "dass Deutschland zum 5G-Leitmarkt in Europa wird", lobt Pfeiffer.

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