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Funksignal an Herzschrittmacher:Hack ins Herz

An dieser Stelle setzten die US-Wissenschaftler an. Mit elektrotechnischen Standardwerkzeugen, Computern, Software und einer gehörigen Portion Fachwissen gelang es ihnen, aus dem belauschten Funkverkehr zwischen dem implantierten Gerät und dem Empfänger Daten auszulesen. Später gelang es ihnen zudem erfolgreich mit Funksignalen in ein ICD-Gerät einzugreifen.

Bewusstsein für Gefahren der zunehmenden Digitalisierung schärfen

Um an die Daten heranzukommen und um ihre Attacken zu fahren, mussten die Wissenschaftler mit ihrer Ausrüstung allerdings bis auf wenige Zentimeter an das Gerät heranrücken. So ist das von den Herstellern auch vorgesehen, wie Andreas Bohne von der deutschen Vertretung des Weltmarktführers für ICD-Geräte Medtronic erläutert. "Der Arzt hält den Lesekopf direkt an die Haut des Patienten" - jenen Empfänger also, der mit einem Kabel mit der Programmiereinheit verbunden ist.

Eine Wahrscheinlichkeit für einen Angriff sei daher praktisch nicht gegeben, auch weil das Lesen der Daten nicht innerhalb von Sekunden funktioniere. Die Studie, sagt Bohne, werde man trotzdem sehr sorgfältig prüfen: "Wenn es was zu verbessern gibt, werden wir das tun."

Verbesserungsvorschläge haben auch die Wissenschaftler der University of Massachusetts Amherst, der University of Washington und der Harvard Medical School in ihrer Studie geliefert. Ihnen geht es darum, das Bewusstsein für Gefahren der zunehmenden Digitalisierung zu schärfen - vor allem bei Neuentwicklungen. In der Tat wird bereits an Implantaten geforscht, die ihre Daten nicht nur beim Arzt preisgeben, sondern die über das Internet permanent Statusmeldungen senden. Dann wird der sichere Umgang mit den Daten eine echte Herausforderung.

© SZ vom 14.3.2008/mia
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