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Funkschlüssel:Einbruch auf Knopfdruck

Das Auto per Funksignal zusperren ist bequem - und tückisch. Deutschen Forschern gelang es, binnen 30 Minuten die Codes von Autos und Garagen zu knacken.

Wo war doch gleich das Auto auf dem Parkplatz abgestellt? Kein Problem: Einmal auf den Sender im Schlüssel gedrückt und schon leuchten die Blinker am Wagen und die Zentralverriegelung klickt. Solche Bequemlichkeit hat freilich auch ihren Preis, wie jetzt Forscher der Ruhr-Universität in Bochum gezeigt hat.

Funkschlüssel, iStock

Funkschlüssel sind komfortabel - und gefährlich. Binnen einer halben Stunde können Diebe jetzt den Code entschlüsseln.

(Foto: Foto: iStock)

Sogar Schließgeräte, die mit einem angeblich hochsicheren Verschlüsselungssystem namens Keeloq arbeiten, lassen sich mit geringem Aufwand aus einer Entfernung von bis zu hundert Meter knacken. So wie zahlreiche Automarken sind auch die Hersteller automatischer Garagentüren betroffen. "Sie brauchen nur ein Funk-Empfangsteil für ein paar Euro und einen Laptop", sagt Christof Paar, Professor für Kommunikationssicherheit in Bochum. Mit dem Computer lasse sich binnen einer halben Stunde der Code entschlüsseln.

Um das zu tun, mussten sich die Forscher zuerst einmal den Generalschlüssel des Herstellers besorgen. Das stellte die Gruppe um Paar aber nicht vor allzu große Probleme. Seine Mitarbeiter belauschten einen Empfänger elektronisch und kamen über einen simplen Umweg auf den Verschlüsselungsalgorithmus.

Je nachdem, welche Informationen durch den Chip im Empfänger sausten, änderte sich auch der Stromverbrauch des Gerätes. Schon im vergangenen Jahr hatten belgische Wissenschaftler das Keeloq-System mit mathematischen Methoden erfolgreich attackiert. Um an die Schlüssel zu kommen, mussten sie allerdings Zugang zum Empfänger haben und brauchten mit 50 schnellen Computern einen Tag, um den Code zu knacken. Sehr realitätsnah war das nicht, und den Generalschlüssel bekamen sie so kaum.

Sesam, schließe dich

Wie die Bochumer Forscher nun gezeigt haben, sind derlei Kopfstände nicht nötig. Wegen des geringen Aufwands hält es Christof Paar für wahrscheinlich, dass Autoknacker versuchen werden, Methoden wie die von seinem Team beschriebene anzuwenden.

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