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Freifunk-Initiativen:Mit der Milchtüte ins Netz

"Freifunker sind zu einem großen Teil Idealisten, die an die Idee der barrierefreien und zensurlosen Kommunikation glauben", sagt Heise. "Der anderer Teil sind Computer-Freaks, die unglaublich wichtig für das Projekt sind, weil sie das Netz und die Technik pflegen." Natürlich gebe es auch noch viele Mitläufer - "die einfach nur kostenlos ins Internet wollen", sagt Heise.

Kaum Freifunker in München

Besonders aktiv sind die Freifunker im Norden Deutschlands. Neben Berlin haben sich auch in Halle und Hannover User zusammengeschlossen. In Rostock entsteht derzeit ein neues Netzwerk, weitere Freifunk-Initiativen sind auf der Internetseite von http://freifunk.net verzeichnet. Der Freifunker Andreas Hubel ist vor kurzem aus dem kleinen Dorf im Donau-Ries nach München gezogen - mit seinen WLAN-Anschluss im Gepäck. "Ich war enttäuscht, denn die Freifunker-Community in München existiert kaum", erklärt er. Inzwischen ist er einer von nur zwei eingetragenen Freifunkern in der bayerischen Landeshauptstadt. "Ich werde ein paar Freifunker anschreiben, die wohl in den vergangenen Jahren auch schon ihr Privatnetz zur Verfügung gestellt haben", sagt Andreas Hubel. "Es wäre toll, ein großes Freifunk-Netzwerk in München zu haben."

Anderer laden runter, der Besitzer des Zugangs haftet

Rechtlich ist nicht-kommerzielles Freifunken erlaubt - aber mit Einschränkungen. Jeder darf sein Netz anderen zur Verfügung stellen, wenn der Anbieter dies erlaubt. Aber Vorsicht - wer ein offenes WLAN betreibt, kann dennoch mächtig Ärger mit der Justiz bekommen. Mehrere Gerichtsurteile bestätigten inzwischen: Der Besitzer eines Zugangs haftet für alle Inhalte, die andere über seine IP-Adresse herunterladen. So hatte etwa eine Internetuserin 2006 vor dem Hamburger Landgericht gegen ihren Anbieter geklagt. Von ihren Zugangspunkt aus waren 244 Musikdateien geladen worden. Der Anbieter mahnte die Kundin daraufhin ab und verlangte, dass sie keine weiteren illegale Dateien anbietet. Die Frau behauptet nun, nicht selbst diese Dateien unerlaubterweise ins Netz gestellt zu haben. Unbekannte Dritte hätten ihren unverschlüsselten Internetanschluss genutzt. Sie verlor jedoch vor Gericht. Das Freifunknetz Hannover hat in seinen Nutzungsbedingungen daher auch vorgeschrieben: Jeder, der Infrastruktur bereitstellt, ist für die Sicherheit seiner Verbindungen selbst verantwortlich.

Auch besteht die Gefahr, dass andere durch den gemeinsamen, nicht reglementierten Netzzugang Daten und Konten ausspähen. "Die herkömmliche Verschlüsselung des eigenen Datenverkehrs mit Firewall macht keinen Sinn, weil der Netzzugang ungesichert anderen zur Verfügung gestellt wird", erklärt Freifunker Andreas Hubel. Er rät, sich beim Anbieter eines E-Mail-Accounts direkt abzusichern. Viele Internetanbieter geben ihren Nutzern die Wahl zwischen der Standardsicherung für ihre Post oder einer verbesserten Verschlüsselung. "Diese aktivieren", rät Hubel. Ein weiterer Tipp: Sich über einen VPN-Anbieter in das Netz einwählen. Teilnehmer eines "Virtual Private Network" können innerhalb des Internets über einen abgesicherten Kanal Daten wie in einem internen Netz austauschen und sind dabei mit einem Passwort vor Zugriffen anderer Internetuser geschützt. Hubel: "Egal wie unsicher das Netz ist, mit VPN wird man durchgeschleust wie durch einen Tunnel."