Freies Internet Einige Hintertüren, um Fehler zu korrigieren

Die Behörde hatte 2002 Kabelmodem-Anschlüsse als "Informationsdienste" klassifiziert, nicht als Telekommunikationsdienste. Letzteres hätte die Internet- mit der Telefonleitung gleichgesetzt. Wie ein Festnetz-Anbieter nicht bestimmen kann, welche Anrufe er bevorzugt vermittelt oder sogar blockt, wäre es auch für Internet-Provider strikt verboten gewesen, in den Datenverkehr einzugreifen. Pikantes Detail: Der damalige FCC-Chef Michael Powell ist inzwischen Cheflobbyist für den Verband der Kabel- und Telekomanbieter NCTA.

Der FCC bleiben einige Hintertüren, um nun den Fehler von damals zu korrigieren. Allerdings wird es keine geräuschlose Lösung geben: Sowohl die großen Provider, als auch ihnen traditionell nahestehende Republikaner im Kongress haben bereits signalisiert, eine weitere Regulierung nicht hinnehmen zu wollen. "Die FCC wird versuchen, ein paar Dinge zu verändern, ohne den Großen zu sehr ans Bein zu pinkeln", glaubt Medienwissenschaftler Ali.

Unterdessen könnte das Beispiel Netflix-Comcast Schule machen: Erst in der vergangenen Woche berichtete das Wall Street Journal über Verhandlungen zwischen Comcast und Apple, das einen größeren Einstieg ins TV-Streaming-Geschäft planen soll.

Und im Bereich des mobilen Internets hat die Debatte über Netzneutralität noch überhaupt nicht begonnen - dabei droht dort noch größeres Ungemach. Die FCC hat 2010 entschieden, den mobilen Datentransfer aus seiner Netzneutralitäts-Regulierung auszuklammern. Das könnte sich für die amerikanischen Mobilfunk-Kunden, die bereits heute weit höhere Preise als Europäer zahlen, in absehbarer Zeit rächen.