bedeckt München 26°

Frauen im Silicon Valley:Die Konzerne versuchen nachzubessern

Zu der Zeit, als die großen Internetunternehmen massiv gewachsen sind, war das Bewusstsein für mehr Vielfalt noch nicht da. Jetzt versuchen die Konzerne nachzubessern. Ende August hat Twitter seine Ziele für 2016 bekannt gegeben: Der Frauenanteil im Tech-Bereich soll auf 16 Prozent (aktuell: 13 Prozent) steigen, jede vierte Führungsposition soll von einer Frau besetzt werden (aktuell: 22 Prozent). In den USA soll zudem der Anteil an unterrepräsentierten Minderheiten, wie Schwarzen und Hispanics, ansteigen. Diese Zahlen sehen auf den ersten Blick nicht übermäßig ambitioniert aus, doch solche öffentlichen Selbstverpflichtungen gab es bislang nicht.

Parallel nimmt die Zusammenarbeit der Unternehmen mit Organisationen wie Black Girls Code oder Code2040 zu, die sich für mehr Vielfalt einsetzen. Allein Intel will 300 Millionen Dollar investieren und bis 2020 eine "komplette Repräsentation" von Frauen und Minderheiten erreichen. Damit ist man im Silicon Valley weiter als in Technologie-Unternehmen im Rest der USA. Startup-Gründerin Bromell ist gerade von New York nach San Francisco gezogen. Ihre Beobachtung: "Mir ist aufgefallen, dass in New York viele Tech-Unternehmen heranwachsen, die nicht auf Vielfalt achten, weil die Leute annehmen, dass die Stadt ja sowieso so vielfältig ist." Im Silicon Valley bemühe man sich viel ernsthafter darum, Minderheiten einzubeziehen.

Im Silicon Valley organisieren sich die Minderheiten

Mittlerweile gibt es in allen großen Internet-Firmen interne Netzwerke für Frauen, Schwarze, Hispanics, Veteranen, ältere Mitarbeiter, Homosexuelle. DeGuzman hat bei Twilio das Vielfalts- und Inklusionsprogramm mit aufgebaut, unter ihrer Leitung wurden Unisex-Toiletten eingeführt und ein Ruheraum, in dem Mitarbeiterinnen etwa ihre Babys stillen oder während des Ramadan ungestört beten können.

Gegenwind habe sie nie bekommen, sagt sie. "Wir sind im Silicon Valley und besonders in San Francisco sehr behütet. Es ist nicht überall so einfach, eine Frau oder homosexuell zu sein und in der Technologie-Branche zu arbeiten." Das weiß DeGuzman von anderen Frauen, die nicht in den liberalen Küstenregionen der USA leben.

Gleichberechtigung "Ich muss dir gar nichts beweisen!"
Tech-Konferenz für Lesben in Berlin

"Ich muss dir gar nichts beweisen!"

High Fives, Lippenstift, Coding: Am Wochenende fand in Berlin die erste europäische "Lesbians Who Tech"-Konferenz statt.   Von Sara Weber

Eine Geschichte ist ihr besonders im Gedächtnis geblieben. Es ist die Geschichte einer Frau aus dem Mittleren Westen, deren Chef zu ihr sagte, es sei ihr Problem, wenn die Kollegen wieder einmal Vergewaltigungswitze machen würden und sie sich davon gestört fühle. Ja, sie könne sich beschweren, wenn sie das wolle - aber wenn sie ihre Kollegen damit vor den Kopf stoße, sei das ihre Schuld. "Wenn ich so was höre, kann ich es kaum glauben", sagt DeGuzman, "aber es passiert jeden Tag."

"Wir müssen Menschen einstellen, die aussehen wie wir"

Wichtig sei deshalb, über das Thema zu reden, da sind sich die Frauen alle einig - und so zu versuchen, vom Silicon Valley aus das Vielfaltsproblem der Technologiebranche zu lösen. "Wir müssen Menschen einstellen, die aussehen wie wir, wir müssen Menschen fördern, die aussehen wie wir, wir müssen an Leute glauben, die möglicherweise noch nicht ganz die Fähigkeiten eines anderen Kandidaten haben", sagt Google-Mitarbeiterin Mora.

Es gehe nicht nur darum, eine Leistungsgesellschaft aufzubauen, es gehe auch darum, Verantwortung zu übernehmen und mit positivem Beispiel voranzugehen. Oder wie Erica Anderson es ausdrückt: "Facebook, Twitter und Google sind Pioniere. Was sie gelernt haben, was sie richtig gemacht haben und was sie eben nicht richtig gemacht haben, wird von Unternehmen in Zukunft genutzt werden, um vielfältigere Organisationen zu schaffen."