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Fotografie-Innovation:"Ich will jedem digitalen Gerät Augen hinzufügen"

Das kalifornische Technologieunternehmen Rambus testet unter dem Namen Lenseless Smart Sensor (LSS) eine ähnliche Technologie für die kommerzielle Nutzung. Zum Beispiel in Hochhäusern: Die Kameras werden überall im Gebäude eingesetzt, um Bewegungen von Menschen nachzuvollziehen. So können Lichtschalter und Heizungen effizienter genutzt werden, oder Fahrstühle schon in Bewegung gesetzt werden, wenn eine Person sich erst auf dem Weg zu ihnen befindet. Die Privatsphäre soll durch die eingeschränkte Bildqualität gewahrt bleiben, weil so Gesichter nicht erkannt werden können.

Der LSS-Chefentwickler bei Rambus, Patrick Gill, erklärt zu seinem Ziel, "jedem digitalen Gerät, unabhängig von seiner Größe, Augen hinzuzufügen", sagte er der MIT Technology Review. Besonders der Bereich Augmented Reality (AR) könne durch LSS Fortschritte machen. AR beschreibt Technologien, bei denen virtuelle Elemente in die menschliche Wahrnehmung der Realität einfließen. Das Smartphonespiel Pokémon Go ist das bekannteste Beispiel, auch Google testete mit seiner Datenbrille AR-Technologie, allerdings vergeblich. Mit der Flatcam oder LSS hätte die klobige, auffällige Form der Google Glass womöglich vermieden werden können.

Noch liegt die flächendeckende Anwendung der flachen Kameras in der Zukunft. Wenn es soweit ist, werden die Hersteller auch das Thema Datensicherheit und Privatsphäre berücksichtigen müssen. Denn schwer sichtbare, fast kostenlose Kameras könnten zur weiteren exponentiellen Vermehrung visueller Daten führen. Dann stellen sich die Fragen: Was passiert mit dem ganzen Bildmaterial? Wie wird sichergestellt, dass die Daten nicht in falsche Hände geraten? Jüngste Hacks demonstrieren die Gefahr vernetzter Geräten im Internet der Dinge.

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Die Miniaturkamera kann auch der Krebsbekämpfung dienen

Die Forscher der Rice-Universität testen mittlerweile einen zweiten Prototypen, der Mikroskopbilder liefert. "Das Besondere dabei ist die Anwendung an Lebewesen zu so geringen Kosten", erklärt Veeraraghavan. Mit einem Endoskop könne man die Kamera unter die Haut oder in den Körper von Menschen und Tieren bringen und, wenn nötig, dort für den Kontrollzeitraum auch lassen. Die sogenannte In-Vivo-Mikroskopie sei möglich, da die Flatcam nur wenig Licht benötige und bereits ab einem Objektabstand von 0,01 Zentimetern Bilder liefere. So könnten langfristige Tieruntersuchungen vereinfacht werden. Die Forscher wollen mit der Kamera auch menschliche Zellen untersuchen und hoffen, zur billigen Krebsvorsorge beisteuern zu können.

So klein die Kamera auch werden soll: Ganz auf Hardware wird sie nicht verzichten können. Damit die Flatcam klarere Bilder liefert, muss die Sensorplatte feiner werden, und in diesem Bereich gab es in den vergangenen Jahren keinen großen Fortschritt. Das von US-Institutionen geförderte Forscherteam um Baraniuk berichtet aber von großem Interesse seitens der Unternehmen. Namen dürfe man natürlich nicht verraten, "aber in den nächsten ein bis zwei Jahren wird die Flatcam von unterschiedlichen Organisationen auf Marktreife getestet", behauptet Veeraraghavan. Bis dahin werden die Forscher noch viel Zeit im Labor verbringen, um über kleine Erfolge zu jubeln.

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© SZ.de/jab/dd
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