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Lufthilfe für Google Earth:Die Google-Drohne fliegt nicht

Will Google künftig zivile Drohnen nutzen, um seine Kartendienste mit Informationen anzureichern? Der Konzern dementiert - tatsächlich spricht vieles gegen die Idee.

Ein kleines Unternehmen aus der Nähe von Siegen, das einer kalifornischen Firma ein Produkt verkauft, ist nichts Ungewöhnliches. Wenn der Geschäftspartner Google heißt und es sich beim Produkt um eine zivile Drohne handelt, werden Datenschützer hellhörig.

Fliegende Kamera gegen Hooligans

Microdrones-Mitarbeiter mit ziviler Drohne (2008): "Wir haben gute Chancen, mit Google dauerhaft ins Geschäft zu kommen."

(Foto: dpa)

Die Zeitschrift Wirtschaftswoche berichtet in ihrer aktuellen Ausgabe, dass Google mit dem deutschen Hersteller Microdrones über den Kauf ziviler Mini-Drohnen verhandle. "Die Drohnen sind bestens geeignet, um aktuellere Aufnahmen für den Kartendienst Google Earth zu liefern", schwärmt dort Microdrones-Geschäftsführer Sven Juerss. Ein erstes Exemplar mit eingebauter Kamera habe seine Firma bereits nach Kalifornien geliefert, Dutzende weitere könnten folgen.

Weil Kritiker Google inzwischen fast alles zutrauen, ist die Aufregung groß: Über Einsatzmöglichkeiten für den Straßenansichtsdienst Street View wird diskutiert, im Artikel selbst ist die Rede davon, dass die Flugroboter "sogar unbemerkt in Fenster hineinfilmen" könnten, mit Hilfe von Nachtsichtgeräten auch während der Dunkelheit.

Wird also Google zu dem Spionagekonzern, für den ihn Kritiker sowieso längst halten? Oder handelt es sich um Panik im Sommerloch? In der Tat könnte Google für seine Kartendienste mit Hilfe der Drohnen Bilder aufnehmen, deren Qualität weit höher als die der bisherigen Satellitenaufnahmen läge.

Doch ein solcher Einsatz hätte technische und rechtliche Grenzen. Derzeit testen die niedersächsische und sächsische Polizei die Microdrones-Überwachungsdrohnen, um sie zum Beispiel bei öffentlichen Veranstaltungen einsetzen zu können. Während die Niedersachsen Berichten zufolge mit der kurzen Flugzeit von 15 Minuten und der großen Windempflindlichkeit hadern, soll es in Sachsen bei Einsätzen immer wieder zu Abstürzen gekommen sein, weshalb die dortige Landtagsopposition bereits die Einstellung des Projekts forderte.

Der Drohnen-Mann verstummt

Auch rechtlich begäbe sich Google auf dünnes Eis, zumal das Unternehmen aufgrund der Affäre um die gesammelten Wlan-Verbindungsdaten bereits heftig in der Kritik steht. Fotografien von Gärten aus der Luft, die ihren Weg ins Internet finden, dürften rechtlich als Eindringen in die Privatsphäre gewertet werden - die zuständigen Behörden dürften nicht nur in Deutschland die Zulassungshürden für die Google-Drohnen äußerst hoch setzen.

Google selbst dementiert Versuche mit der Technik: Selbst im Kommentar unter der Wirtschaftswoche-Meldung meldet sich Deutschland-Sprecher Stefan Keuchel zu Wort. "Wir suchen immer nach Wegen, um unsere Karten-Dienste wie Google Maps oder Google Earth zu verbessern", lautet das offizielle Firmen-Statement zur Drohnen-Technik, "als Teil dieser Bemühungen erforschen wir viele verschiedene Technologien, aber wir testen oder nutzen diese nicht."

Auch Microdrones-Geschäftsführer Juerss gibt sich inzwischen weniger leutselig. "Wir haben gute Chancen, mit Google dauerhaft ins Geschäft zu kommen", hatte er noch der Wirtschaftswoche erzählt. Am Montag war er für eine Stellungnahme weder von sueddeutsche.de, noch von anderen Medien zu erreichen.

Aktualisierung, 10. August, 9 Uhr: Google hat inzwischen eine neue Stellungnahme herausgegeben: "Es handelte sich um einen für den Privatgebrauch bestimmten Kauf eines Google-Managers, der sich für Robotik interessiert."

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