Flatrate bei Electronic Arts Elektronische Resterampe

"Das ist erst der Anfang": Von den auf der EA-Homepage abgebildeten Titeln ist nur ein kleiner Teil bei "EA Access" enthalten.

(Foto: Screenshot: ea.com)

Unbegrenzten Zugang zu Xbox-Spielen für vier Euro pro Monat? Electronic Arts führt ein Angebot ein, das nach einer traumhaften Flatrate klingt. Konkurrent Sony hat das Paket für die Playstation allerdings abgelehnt - aus gutem Grund.

Von Matthias Huber

Electronic Arts (EA) hat schon einmal eine Chance verschlafen, mit seinen Produkten viel Geld zu verdienen. Seitdem versucht der Computerspiele-Verlag, einer der größten der Branche, mühsam, dieses Versäumnis nachzuholen. Beim US-Konzern hatte man sich vor einigen Jahren offenbar über den Download-Shop Steam geärgert und die Prozente, die die Betreiberfirma Valve für jedes dort verkaufte Spiel kassiert.

Einige Tausend Computerspiele gibt es im Steam-Shop, viele davon zu Kampfpreisen. Fast alle großen Spiele-Studios verkaufen ihre Titel dort, machen Steam zum wichtigsten Händler für digitale Spiele. Nur nicht EA. Der Konzern, der in Online-Umfragen mehrmals als die kundenunfreundlichste Firma der USA abschnitt, gründete lieber unter dem Namen Origin einen eigenen Download-Shop. Mit Preisen, die in der Regel mindestens 20 Prozent über dem Steam-Niveau liegen.

Umso mehr überrascht es, dass jetzt ausgerechnet EA mit einem ganz neuen Vertriebsmodell seiner Spiele daherkommt, das preislich sogar konkurrenzfähig erscheint, und EA Access heißt. Für knapp vier Euro pro Monat oder 25 Euro pro Jahr dürfen Abonnenten zunächst "Fifa 14", "Madden NFL 25", "Battlefield 4" und "Peggle 2" spielen. Weitere Titel sollen folgen. Neuerscheinungen und zusätzliche Spielinhalte dürften aber nicht darunter fallen. Für diese erhalten EA-Access-Abonnenten immerhin zehn Prozent Rabatt auf den Download-Preis im Origin-Shop.

Spotify oder Netflix für Gamer? Mitnichten.

Nur auf den ersten Blick erinnert EA Access an das Geschäftsmodell von Firmen wie Spotify. Dort erhalten Kunden für eine monatliche Gebühr unbegrenzten Zugriff auf eine mehrere Millionen Lieder umfassende Musiksammlung. Allerdings sind alle diese Songs nur gemietet. Wird das Abo gekündigt, kann der Nutzer auch die bisher heruntergeladenen Lieder nicht mehr anhören. Ähnlich wird auch EA Ac-cess funktionieren. Der Vergleich mit Spotify oder Film-Angebote wie Watchever oder Netflix hinkt allerdings. Diese umfassen den Katalog von nahezu allen großen Musik- oder Filmstudios. Bei EA Access ist dagegen bislang nur die Rede von Electronic-Arts-Spielen im Sortiment. Außerdem gibt es EA Access exklusiv für die Spielkonsole Xbox One von Microsoft. PC- und Playstation-Spieler bleiben also außen vor.

Dabei hätte zumindest Sony offenbar die Chance gehabt, EA Access auch für die Playstation zu bekommen. "Wir haben uns das Angebot von EA genau angeschaut", sagte der verantwortliche Sony-Manager dem Branchenmagazin Game Informer. "Aber wir glauben nicht, dass es für Playstation-Kunden attraktiven Mehrwert bietet." Also gibt es EA Access exklusiv bei der Konkurrenz.

Für Electronic Arts könnte die Strategie dennoch aufgehen. Das Fußballspiel "Fifa 14" ist wenige Monate vor dem Erscheinen des jährlichen Nachfolgers kaum noch für 60 Euro zu verkaufen. Und auch für andere ältere Titel kann EA Access eine sinnvolle Zweitverwertung sein.

Nur wird eine solch unvollständige Spiele-Flatrate der Branche kein neues Vertriebsmodell verschaffen, das die Kunden akzeptieren. Dafür ist die Funktion als Resterampe für Ladenhüter zu offensichtlich: Ausgerechnet der im März erschienene Multiplayer-Shooter "Titanfall", für viele Spieler wohl derzeit der attraktivste Titel im EA-Katalog, ist im Kleingedruckten "von allen EA-Access-Features ausgenommen".