Firefox Diese Browser-Erweiterung begrenzt Facebooks Datensammelwut

Die neue Erweiterung von Mozilla sperrt Facebook in einen Container.

(Foto: Screenshot, Mozilla)
  • Der "Facebook Container" ist eine neue Erweiterung für den Firefox-Browser.
  • Das Add-on sperrt Facebook in einen isolierten Tab und verhindert so, dass das Netzwerk seinen Nutzer auf fremden Seiten folgen kann.
  • Die Entwickler von Mozilla reagieren damit auch auf den Datenmissbrauch durch Cambridge Analytica.
Von Marvin Strathmann

Sollen Nutzer Facebook verlassen, damit das Netzwerk weniger Daten sammeln kann? Oder doch lieber bleiben, um den Kontakt zu Freunden und Familienmitgliedern zu halten? Nachdem die Analysefirma Cambridge Analytica Daten von 50 Millionen Nutzern missbraucht hat, fragen sich viele Menschen, wie sie die Datensammelwut begrenzen können. Eine Antwort darauf kommt von Mozilla, der Organisation, die unter anderem den Firefox-Browser entwickelt.

Als Reaktion auf den Datenskandal hat Mozilla eine neue Erweiterung für den Firefox vorgestellt, den "Facebook Container". Das Add-on soll Facebook vom Rest des Internets isolieren. Denn das Unternehmen verfolgt seine Mitglieder nicht nur, wenn sie auf Facebook selbst unterwegs sind. Mit einem Arsenal aus Tracking-Tools sammelt das Netzwerk Daten von allen Internetnutzern, unabhängig davon, ob diese gerade bei Facebook eingeloggt sind oder nicht. So ist etwa jeder eingebettete Like-Button auf einer anderen Webseite eine kleine Wanze, die es Facebook ermöglicht, Nutzer zu überwachen.

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Der Facebook Container kann auf der Addon-Seite des Firefox-Browsers installiert werden. Dafür reicht ein Klick auf "Zu Firefox hinzufügen" aus, ein Neustart ist nicht notwendig. Wer die Erweiterung installiert, wird automatisch bei Facebook ausgeloggt. Anschließend werden alle Cookies gelöscht. Das sind kleine Dateien, die während des Surfens im Hintergrund angelegt werden. Sie sind praktisch, um bei bestimmten Seiten dauerhaft angemeldet zu bleiben. Cookies helfen aber auch Werbeunternehmen, um Nutzer im Netz wiederzuerkennen und ihnen passende Werbung anzeigen.

Facebook wird in einen blauen Container eingesperrt

Wenn man Facebook das nächste Mal öffnet, packt Firefox die Seite in einen speziellen Tab, den sogenannten Container. Er ist mit einem blauen Balken gekennzeichnet und zieht eine Art Brandmauer zwischen Facebook und dem Rest des Internets hoch. Alle anderen Webseiten werden wie gewohnt außerhalb des Containers geladen. Öffnet ein Nutzer einen Link, während er Facebook nutzt, dann lädt Firefox diese Seite ebenfalls außerhalb des Containers. Damit kann Facebook nicht erkennen, welche Seiten der Nutzer besucht.

Wer außerhalb des Netzwerks auf einen Teilen-Button klickt, aktiviert damit den Container. Trotzdem kann das Add-on nicht verhindern, dass Facebook Daten erhält. Schließlich erfährt das Unternehmen, welche Seite man teilt und weiß damit auch, dass man diese Seite besucht hat und sich vermutlich für den Inhalt des Artikels interessiert. Dagegen hilft auch keine Browser-Erweiterung.

Mit aktiviertem Facebook Container kann es passieren, dass der Login über Facebook auf anderen Seiten nur noch eingeschränkt funktioniert. Bei einem kurzen Test funktionierte etwa der Facebook-Login beim Mitfahrdienst Blablacar nicht mehr. Dagegen lief der Facebook-Login bei Airbnb wie gewohnt ab. In den Facebook-Einstellungen können Nutzer einsehen, welche Seiten und Apps sie mit dem Netzwerk verknüpft haben. Die Übersicht findet sich unter "Einstellungen" im Reiter "Apps". Dort kann man die Verknüpfung auch deaktivieren.

Keine Likes und keine Kommentare auf Drittseiten

Das Add-on hat noch weitere Nebenwirkungen: Wenn Drittseiten Like-Buttons oder eine Facebook-Kommentarfunktion einbetten, werden diese nicht mit dem Facebook-Profil des Nutzers verknüpft, da dieser ja nur innerhalb des Containers eingeloggt ist. Gut für die Privatsphäre, schlecht für den Komfort: Nutzer können außerhalb von Facebook nicht mit ihrem Konto kommentieren oder Seiten liken.

Mozilla habe bereits seit einigen Jahren an der Erweiterung gearbeitet, schreibt die Organisation in einem Blogeintrag: "Angesichts der wachsenden Nachfrage nach Tools zur Verwaltung von Privatsphäre und Sicherheit haben wir die Entwicklung nun mit Hochdruck vorangetrieben". Man wolle Nutzern "nicht grundsätzlich von einem Service abraten, der ihnen einen Mehrwert bietet", sondern vielmehr ein Werkzeug bereitstellen, damit sie sich vor unerwünschten Nebenwirkungen schützen könnten.

Die Entwickler hätten zwar nicht verhindern können, dass Cambridge Analytica auf Facebook-Daten zugreift - aber womöglich wären diese Daten deutlich weniger aussagekräftig gewesen, wenn alle betroffenen Nutzer zuvor der Facebook Container installiert hätten.

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