bedeckt München 32°

Fire Phone in Deutschland:Tunnelblick in Amazons Einkaufswelt

Shoppen, shoppen, shoppen: Das Fire Phone von Amazon

(Foto: AP)

Das "Fire Phone" von Amazon kommt jetzt auch nach Deutschland. Mit dem Smartphone kann man telefonieren, im Internet surfen und fotografieren - vor allem aber: verführerisch einfach shoppen.

Von Mirjam Hauck

Amazon bringt sein Smartphone "Fire Phone" jetzt auch nach Deutschland. Über den Vertriebspartner Telekom kann das Gerät seit Montag vorbestellt werden, ausgeliefert soll das 4,7-Zoll-Smartphone zum 30. September werden. Anders als in den USA, als Kunden zum Verkaufsstart im Juni noch 199 Dollar für das Fire Phone zahlen mussten, bekommt der Kunde es hierzulande mit entsprechendem Telekom-Tarif für einen Euro.

Als zusätzlichen Verkaufsanreiz gibt es unbegrenzten Speicherplatz für Fotos in der Cloud sowie ein Jahr lang kostenlos Amazon Prime. Das ist der Rund-um-sorglos-Service des US-Riesen für Medieninhalte wie Filme und E-Books sowie einer kostenlosen und schnellen Lieferung von bei dem Online-Versandhändler bestellten Waren. Amazon will wie beim Kindle nicht mit dem Verkauf der Hardware verdienen, sondern mit den Inhalten. Das Fire Phone ist sowieso mehr eine Shoppingbox als ein Telefon. Es führt die Kunden tief in die Produktwelt von Amazon.

Verführerisch bequem

Dafür hat es die Funktion "Firefly" - eine Art audiovisuelle Suchmaschine. Sie erkennt auf Knopfdruck Bilder, Filme, Lieder, aber auch Millionen von Produkten - von der Nuss-Nougat-Creme bis zur Waschmaschine. Wer will, kann den entsprechenden Artikel per Knopfdruck in seinen Amazon-Warenkorb legen - und kaufen. Bei unverkäuflichen Artikeln, etwa der Mona Lisa im Louvre, zeigt das Fire Phone den Wikipedia-Artikel an. Die Funktion erkennt auch E-Mail-Adressen und Telefonnummern, die gleich im Adressbuch gespeichert werden können.

Eine weitere Neuerung ist die sogenannte Dynamic Perspective, die eine Art 3-D-Effekt simuliert. Sensoren im Smartphone erkennen, wie der Nutzer das Gerät hält und wohin er sieht. So lässt sich der Bildschirm automatisch scrollen, ohne ihn zu berühren. Zudem gibt es Spiele, die sich entweder durch Kippen oder durch Augenbewegungen steuern lassen.

Zusätzlich hat das Fire Phone noch einen Mayday-Knopf. Mit dieser Hilfe-Funktion erreicht der Kunde per Videostreaming den Kundenservice. Täglich besetzt, beantworten hier Amazon-Mitarbeiter Fragen zu Problemen mit dem Smartphone oder bei Bestellungen. Und wer Fragen zu seinem Telekom-Tarif hat, soll hier ebenfalls Antworten bekommen.

Das Fire Phone ist ein weiterer Baustein im Ökosystem (Tablets, E-Book-Reader, Fernsehbox) des einst als Online-Buchhändler gestarteten US-Riesen. Und die Nachteile und Nebenwirkungen, sei es eine riesige Menge an gespeicherten Daten, ein Quasi-Monopol bei E-Books oder schlecht bezahlte Mit- oder Leiharbeiter soll der Nutzer dank besonders bequemer Einkaufsmöglichkeiten einfach ausblenden.

© Süddeutsche.de/mahu/rus
Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Kontakt und Impressum
  • AGB