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Filterblasen bei Facebook:Im Internet überwiegen Spott und Häme

Viele derjenigen, die zum massenhaften Ausmisten aufrufen, haben außerhalb von Facebook keinerlei Kontakt zu potentiellen AfD-Anhängern. An der Uni oder am Arbeitsplatz umgeben sie sich mit Menschen, die ähnlich denken wie sie selbst. Das ist verständlich: Freundschaften basieren auf gemeinsamen Werten, und bei Grünen und AfD-Wählern dürfte die Schnittmenge gering sein.

Im Internet gibt es dennoch die Möglichkeit, mit Andersdenkenden zu reden, zu diskutieren, zu streiten. Stattdessen wird übereinander gelästert und gespottet, in sozialen Netzwerken machen sich Altparteienwähler über AfD-Wähler lustig und bestätigen sich selbst in ihrer vermeintlichen kognitiven Überlegenheit.

Gerade von rechter Seite fällt häufig der Begriff "Gesinnungsterror". Die "Gutmenschen" würden mit Hilfe der "Systempresse" alle abweichenden Stimmen mundtot machen. Es wäre fahrlässig, den "Linksfaschismus"-Rufern auch nur den geringsten Anhaltspunkt zu liefern, dass ihre Behauptungen eine wahre Grundlage haben könnten. Wer zum Entfreunden aufruft, tut genau das.

Facebook aus den Augen eines AfD-Anhängers

Der Zeit-Reporter Malte Henk machte kürzlich einen Selbstversuch. Er legte sich ein Fake-Profil bei Facebook zu und versuchte, die Welt aus dem Blickwinkel eines AfD-Wählers zu sehen. Facebook von rechts habe auf ihn gewirkt wie eine "tägliche Strahlentherapie", alles sei voller Meldungen über gewaltsame Übergriffe durch Flüchtlinge gewesen. Obwohl er wusste, dass er Opfer selektiver Wahrnehmung war, fragte er sich "ob diese Fremden vielleicht doch gefährlich sind". Und was mit ihm passieren würde, wenn dieser Teil von Facebook samt seiner Filterbubble seine einzige Nachrichtenquelle wäre.

Das zeigt, wie gefährlich Filterblasen sein können. Natürlich muss niemand mit Menschen diskutieren, denen er nichts zu sagen hat. Wenn sich ein entfernter Bekannter als AfD-Sympathisant herausstellt, ist es vermutlich wenig zielführend, den seit Jahren eingeschlafenen Kontakt mit einer konfrontativen Frage wiederzubeleben.

Mit Menschen, die einem näher stehen, sollte man reden. Oder es zumindest versuchen. Wie ein solches Gesprächsangebot aussehen könnte, hat Friedemann Karig hier beschrieben.

© SZ.de/jab
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