Filehoster:Nutzer bereiten Klage gegen Megaupload-Datenlöschung vor

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Ob legal oder illegal spielt keine Rolle: In wenigen Tagen könnte die Vernichtung aller Daten beginnen, die auf Megaupload-Servern lagern. Der Schritt ist umstritten - und dürfte dem FBI eine Sammelklage ehemaliger Nutzer des Dienstes einbringen.

Die Daten von Nutzern der Internet-Plattform Megaupload sollen nicht so schnell gelöscht werden wie von der Justiz in den USA angekündigt. Ein Rechtsanwalt der Firma, Ira Rothken, teilte über Twitter mit, dass die Betreiber von zwei Rechenzentren zugesagt hätten, die Nutzerdaten noch mindestens zwei Wochen zu speichern. In der Zwischenzeit solle versucht werden, eine Lösung mit den US-Behörden herbeizuführen.

Die Ermittler sehen Megaupload.com als eine Drehscheibe für Raubkopien und hatten das Portal vor eineinhalb Wochen vom Netz genommen. Die mögliche Löschung aller Nutzerdaten wirft jedoch eine rechtliche Frage auf: Müssen Nutzer, die legale Dateien bei Filehostern speichern, künftig mit deren Verlust rechnen, sollten die Seiten vom Netz genommen werden?

Dabei geht es auch darum, ob Megaupload als Dienst auf die Verbreitung urheberrechtlich geschützter Inhalte ausgelegt war, oder das Unternehmen als Anbieter eines Speicherdienstes zu sehen ist.

Dürfen die Daten gelöscht werden?

In der 72 Seiten langen Anklageschrift beschreiben die Behörden die offizielle Megaupload-Funktion als Datenspeicher zur Tarnung, um im Hintergrund das Hoch- und Herunterladen urheberrechtlich geschütztem Materials zu ermöglichen. Als Argument dient die Tatsache, dass Megaupload anders als herkömmliche Cloud-Dienste ungenutzte Dateien der User nach drei Monaten löschte und seine Kunden in den Nutzungsbedingungen darauf hinwies, dass ihre Daten verloren gehen könnten, sollte der Dienst vom Netz genommen werden.

Weil die Behörden nicht auf den Servern nachsehen und feststellen können, was geschützte und was persönliche Daten sind, der Zugang für Nutzer gleichzeitig nicht mehr vorhanden ist, bedeutet das: Wer Megaupload genutzt hat, sieht seine Daten wahrscheinlich nicht wieder - auch wenn er seine Doktorarbeit, Musikstücke zur kollaborativen Bearbeitung oder private Videos dort gespeichert hat.

Dies ist allerdings umstritten - und betrifft auch die Rechtssicherheit weiterer Filehoster-Kunden. Immerhin gelten solche Datenspeicher als gute Möglichkeit, große Dateien ohne viel Aufwand hin und her zu transportieren. Im Wall Street Journal wird eine Musikerin zitiert, die über den Dienst ihrem Label und ihrem Produzenten neue Songs zukommen ließ.

Erste Sammelklagen

Inzwischen bereiten Anwälte deshalb einem Bericht der Seite Torrentfreak zufolge erste Sammelklagen von betroffenen Nutzern gegen das FBI vor.

Die US-Behörden werfen Megaupload-Gründer Kim Dotcom und weiteren Betreibern vor, mehr als 175 Millionen Dollar an der illegalen Verbreitung von urheberrechtlich geschützten Inhalten verdient zu haben - durch die Gebühren der Nutzer oder durch Werbung. Den Schaden für die Hollywood-Studios und Plattenfirmen bezifferten die Ermittler auf deutlich mehr als eine halbe Milliarde Dollar. Die Anwälte von Dotcom, der früher als Kim Schmitz bekannt war, bestreiten die Vorwürfe. Die USA haben einen Auslieferungsantrag gestellt.

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