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"Fifa 20" im Test:Lieber Bolzplatz als Arena

Fifa 20 Screenshot

Im neuen Straßen- und Hallenfußballmodus "Volta" tritt der Spieler in unterschiedlichen Arenen auf der ganzen Welt an. In Rio de Janeiro wird in "Fifa 20" auf Betonplatten gespielt.

(Foto: PR / Electronic Arts)
  • In "Fifa 20" können Spieler im Modus Volta auf Bolz- und Hallenplätzen gegeneinander antreten.
  • Die Neuerung dürfte vor allem denjenigen Freude bereiten, die ein schnelles Spiel mit vielen Dribblings und Tricks bevorzugen.
  • An den klassischen Partien auf dem Rasen ändert Entwickler Electronic Arts (EA) dagegen nur Kleinigkeiten.

Was macht ein Fußballprofi nach Feierabend? Er sucht natürlich den nächsten Bolzplatz - zumindest im Computerspiel: Eben noch hat Real Madrids Supertalent Vinícius Júnior, und eines der Gesichter des neuen "Fifa 20", Daley Blind von Ajax Amsterdam ausgedribbelt und im Fußballstadion ein Tor erzielt, schon streift er in Jogginghose und Turnschuhen durch die Gassen der niederländischen Hauptstadt. Zwischen Containern und brennenden Blechtonnen wird Vinícius fündig: Es scheint so, als habe Edward van Gils, Weltmeister im Straßenfußball, nur auf den brasilianischen Profi gewartet.

Außerhalb des Computerspiels wäre Vinícius nach dem Spiel wohl eher gemeinsam mit seinen Teamkollegen mit dem Mannschaftsbus ins Hotel gefahren. Doch auch wenn die Fifa-Reihe in vielen anderen Aspekten möglichst realistisch sein soll, wäre das allenfalls etwas für den "Bus Simulator", dessen neueste Version ebenfalls vor kurzem erschienen ist.

"Volta" bringt den Straßenfußball zurück ins Fifa-Universum

Volta, so nennt sich der neue Straßen- und Hallenfußball-Modus in Fifa 20, ist die größte Neuerung des Spiels. Erstmals seit Fifa 98 sind Partien abseits von Rasen und Elf-gegen-Elf wieder ein zentraler Bestandteil des Klassikers für PC und Heimkonsolen. Die grundliegenden Spielprinzipien - passen, dribbeln, schießen - bleiben dieselben, trotzdem unterscheidet sich Straßenfußball deutlich vom großen Bruder auf dem Grün:

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Im Drei-gegen-Drei ohne Torwart kommt es vor allem darauf an, den Ball nicht in einem Moment zu verlieren, in dem das eigene Tor unbewacht ist. Beim Futsal haben beide Mannschaften vier Feldspieler und einen Torhüter auf dem Platz. Weil auf Handballtore gespielt wird, liegt die Kunst hier darin, den Ball am Keeper vorbeizuspitzeln. Auch macht es einen Unterschied, ob sich der Spieler für den Sandplatz in Rom entscheidet, in der Halle in Berlin oder auf den Straßen Rio de Janeiros antritt. Der Ball im Spiel springt anders, rollt je nach Untergrund etwas langsamer oder schneller.

Außerdem kann er vor jeder Partie einstellen, ob das Spielfeld von Wänden begrenzt wird, von denen der Ball dann zurückprallt. Besonders geübte Spieler können so die Bande nutzen, um den Gegner durch indirekte Pässe zu verwirren. Insgesamt sind die Spielfelder in deutlich kleiner und die Spiele dadurch schneller, es fallen mehr Tore. Das ist vor allem für Spieler interessant, denen das herkömmliche Fifa zu langweilig ist und die Spaß daran haben, den Gegner mit dem Ball am Fuß auszutanzen.

Kaum Neuerungen auf dem Rasen in "Fifa 20"

Die Trickser von den Hinterhöfen und Straßen stehen auch im Zentrum des diesjährigen Story-Modus. Der Spieler kann sich seinen Charakter - Mann oder Frau - selbst gestalten und nicht nur entscheiden, welche Frisur er trägt, sondern auch ob er bei Freistößen breitbeinig oder auf Zehenspitzen anläuft. Die Geschichte ist allerdings wenig einfallsreich: Man stößt zu einer Truppe um den auch in echt existierenden Straßenfußballer Jayzinho Quezada, die sich trotz wenig aussichtsreicher Chancen für die Weltmeisterschaften qualifizieren will. Einen wirklichen Einfluss auf die Handlung hat der Spieler nicht. Scheidet er in einem Turnier aus, muss er dort nochmals antreten. Neben Real Madrids Vinícius Júnior und Jayzinho haben eine Handvoll weiterer Stars aus der Straßenfußball-Szene kurze Auftritte.

Fifa 20 Screenshot

Bei Elfmetern und Freistößen visiert der Spieler mit Hilfe eines Fadenkreuzes das Tor an - eine der wahrnehmbaren Änderungen in "Fifa 20".

(Foto: PR / Electronic Arts)

Für Gelegenheitsspieler gibt es zusätzlich zu den im vergangenen Jahr vorgestellten "Hausregeln" zwei neue Varianten auf dem Rasen: Im Modus "Überraschungsball" verändern sich die Eigenschaften des Balls bei jeder Spielunterbrechung. Mal sprintet der Spieler mit dem Ball am Fuß deutlich schneller, mal kommen Pässe besonders präzise an. In "Platzhirsch" muss die Mannschaft in Ballbesitz das Spielgerät möglichst lange in einer rechteckigen Zone halten, die auf dem Feld eingeblendet wird. Anschließend zählen die Tore des Teams eine Zeit lang doppelt oder sogar dreifach.

Bayern-Fans müssen dieses Jahr auf die Allianz Arena verzichten. Konkurrent Konami ("Pro Evolution Soccer" oder kurz "PES") hat mit dem FC Bayern eine exklusive Kooperation vereinbart. Noch schlimmer allerdings trifft es Fans von Juventus Turin: Der italienische Fußballklub heißt aufgrund der Partnerschaft mit PES 2020 im neuen Fifa nur "Piemonte Calcio". Cristiano Ronaldo und Teamkollegen laufen mit Fantasietrikots auf.

Ansonsten spielt sich Fifa 20 auf dem großen Feld sehr ähnlich wie die Vorgängerspiele. Auch grafisch hat sich kaum etwas geändert. Bei Freistößen und Elfmetern muss der Spieler nun mit dem Fadenkreuz zielen, wohin der Ball gehen soll. Das erfordert ein bisschen Übung, ermöglicht dann aber präzisere Schüsse. Außerdem hat Hersteller Electronic Arts (EA) nach eigenen Angaben am Flugverhalten des Balls geschraubt und am Abwehrverhalten der computergesteuerten Mit- und Gegenspieler. Wie sich das aufs Spiel auswirkt, wird sich vor allem langfristig zeigen.

"Fifa 20" erscheint am 27. September für Nintendo Switch, PC, Playstation 4 und Xbox One.

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