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Fantasy Sport in Deutschland:Auf einmal sind alle Partien spannend

Der Spielplan werde mühsam von einer Arbeitsgemeinschaft der Community aufgestellt. Da wird es schon mal komplizierter als im echten Fußball: "Zweiter und dritter Bundesligaspieltag sind gleichzeitig die ersten beiden Spieltage der Champions-League-Gruppenphase", erklärt Reck. Begegnen sich zwei Mannschaften in den virtuellen Turnieren, gewinnt die Mannschaft, die an dem Spieltag insgesamt mehr Punkte bekommen hat. Head-to-head nennt sich dieses Spielprinzip.

"Ehrgeiz ist ein großer Treiber. Man will sein Können und Wissen unter Beweis stellen", sagt Reck. Wenn er im Turniermodus gegen Online-Bekannte spielt, tauscht er vor dem Spiel mit seinem Gegner oft Aufstellungen aus. "Ich nehme den Spieltag ganz anders wahr" sagt Reck. "Alle Partien, in denen Spieler von dir spielen, sind auf einmal spannend". Dadurch verfolge er den gesamten Sport intensiver und fiebere noch mehr mit.

"Es macht Spaß, ein Team aufzubauen und mit Freunden oder Kollegen zu schauen, wer den besseren Riecher hatte", sagt Lars Pollmann, der sich seit zehn Jahren mit alten Schulfreunden in einer Comunio-Liga misst: "Die guten Spieler kosten natürlich viel." Um sie sich leisten zu können, müsse man günstige Spieler kaufen und hoffen, dass sie über die Zeit ihren Wert steigern. Spieler die sich für drei oder vier Wochen verletzen, sollte man am besten sofort verkaufen - "weil ihr Marktwert sinkt und sie keine Punkte bringen".

Marktwerte wie an der Börse

Die Marktwerte von Profi-Fußballern besser verstehen wollte auch Stefan Gogel. Vor knapp drei Jahren fing er an, statistische Modelle auf Comunio-Daten anzuwenden. Gogel studierte damals Finanzwirtschaft und fragte sich, "ob es nicht möglich ist, Spielermarktwerte vorherzusagen, wie Aktienkurse an der Börse". Damals hat er sich täglich eigenhändig Spielerdaten von der Comunio-Website geladen und sie durch Statistikprogramme gejagt.

Heute bietet er Preis-Leistungs-Statistiken und Marktwert-Prognosen gratis im Internet an und hat eine Partnervereinbarung mit Comunio. Darin ist festgelegt, dass er die Daten von Comunio verwenden und daneben Werbeanzeigen schalten darf. Gewinn mache er damit aber noch nicht, sagt Gogel, der hauptberuflich als Vertriebscontroller arbeitet: Dafür benötige er noch mehr Besucher.

"Zuerst wollte ich selbst dadurch besser werden", sagt Gogel, aber dann habe ihn die Idee einer Statistikwebseite gereizt: "Wenn ein Gündoğan an einem Spieltag mehr als 20 Punkte sammelt, dann steigt danach sein Marktwert von sechs auf neun Millionen." Solche Preisveränderungen haben eine Dynamik, die Gogel mit seinen Statistiken abbilden will. "Statistiken sind manchmal besser als Bauchgefühl", sagt Gogel. Sie würden helfen, unbekannte Spieler zu entdecken, die trotz ihres niedrigen Preises viele Punkte machten und "enttarnen die Spieler, die für ihre Leistung zu teuer sind".

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