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Fantasy Sport in Deutschland:Fußball-Managerspiele: Wo der Wuppertaler SV deutscher Meister ist

Deutschland - Slowakei

Bei manchen Fußball-Managerspielen zählt jeder gewonnene Zweikampf als Punktgewinn.

(Foto: dpa)
  • Etwa eine Million Menschen in Deutschland messen sich online in Fußball-Managerspielen mit Freunden und Kollegen.
  • Virtuelle Budgets, Livedaten und Communities verändern die Art, wie sie Fußball wahrnehmen.
  • Der Reiz bestehe vor allem darin, die eigenen Fußballkenntnisse unter Beweis zu stellen, sagen die Zocker.

Manchmal hofft Bernd Reck darauf, dass sein Lieblingsverein Gegentore kassiert. Verlieren soll Schalke zwar nicht, aber gewisse gegnerische Stürmer dürfen gern ein oder zwei Tore schießen, wenn es nach ihm geht. "Meine Wahrnehmung von Fußball hat sich durch Managerspiele schon ein bisschen verschoben", sagt der 50-jährige Westfale, der seit zehn Jahren in einer Online-Managerliga spielt. Für ihn und viele andere sind die kommenden 51 EM-Spiele auch 51 Chancen, sich mit Kollegen oder Freunden zu messen. Hunderttausende Deutsche beginnen in diesen Tagen ihre ganz persönliche EM.

In Managerspielen treten Menschen online gegeneinander an, um herauszufinden, wer den besten Riecher in Sachen Fußball hat. Das Spielprinzip ist einfach: Jeder Spieler stellt virtuell eine Auswahl an Fußballern aus den Top-Teams zusammen. Nach jedem Spieltag bekommt seine so aufgestellte Mannschaft Punkte.

Fußballer kaufen mit Spielgeld

Je nachdem wie gut die aufgestellten Fußballer spielen, bekommen sie Plus- oder Minuspunkte. Die werden meist anhand von Spielernoten vergeben, die die Sportredakteure von kicker oder Sportal festlegen. Am Ende einer Saison gewinnt der, der am meisten Punkte gesammelt hat. Spieler kosten einen bestimmten Betrag und können über einen Marktplatz gekauft werden. Ein Budget an virtuellem Spielgeld setzt der Auswahl und Zahl der Spieler pro Team Grenzen.

"In Amerika werden Managerspiele Fantasy-Sport genannt und sind seit vielen Jahren ein beliebte Beschäftigung", sagt Pamela Wicker. Sie ist Privatdozentin für Sportökonomie an der Sporthochschule Köln. Laut Fantasy Sports Trade Association, der brancheneigenen Lobbyorganisation, sollen 2015 in den USA 41,5 Millionen Menschen Fantasy Sport gespielt haben. "In Deutschland spielen Menschen hauptsächlich Managerspiele für Fußball", sagt Wicker.

Komplexes System von Wettbewerben

Insgesamt dürften es geschätzt eine Million Menschen in Deutschland sein. Genaue Zahlen geben die Anbieter ungern heraus. Die größten Anbieter in Deutschland sind das Sportmagazin kicker und die Firma Comunio. Außerdem bieten Sport-Portale wie Transfermarkt.de und Sport1 eigene Spielversionen an. Relativ neu auf dem Markt ist die Manager-App Kickbase.

"Bei uns in der Liga ist der Wuppertaler SV dieses Jahr deutscher Meister geworden", sagt Schalke-Fan Reck. Er spielt in der "DFL-Kicker-Managerliga" (DKM), einer der größten Liga-Communities. Mit ihm spielen knapp 400 Menschen in mehr als 17 Ligen das europäische Fußballsystem nach. 2006 haben knapp ein Dutzend Zocker die Spielgemeinschaft gegründet. Seitdem ist ein Forum mit knapp 20 000 Beiträgen und ein komplexes System von Wettbewerben entstanden: "Bei uns gibt es nicht nur die Bundesliga", sagt Reck. "Wir haben ein Turnier mit allen Mitgliedern, Champions und Europa League und eine Art DFB-Pokal, an dem alle Mitglieder teilnehmen."

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