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Fake-Shops:So erkennen Sie Betrug beim Online-Shopping

Das vermeintliche Schnäppchen aus dem Internet kann schnell teuer werden.

(Foto: imago)

Immer wieder fallen Menschen auf vermeintliche Schnäppchenpreise im Internet herein. Gerade zur Weihnachtszeit ist Vorsicht geboten.

Von Marvin Strathmann

Wer dem Weihnachtstrubel in den Innenstädten entgehen will, kann heutzutage bequem online einkaufen. Dort findet man schnell attraktive Angebote: Eine Waschmaschine für 200 statt 600 Euro, eine Küchenmaschine für 900 statt 1200 Euro, eine Kamera für 250 statt 1500 Euro. Klingt zu gut, um wahr zu sein? Stimmt. Wer in diesen Fällen Geld überwiesen hat, sieht es in der Regel nicht mehr wieder - und eine Waschmaschine, Küchenmaschine oder Kamera wird ebenfalls nicht geliefert.

Warenbetrug im Internet ist nicht neu, doch immer wieder finden sich neue gutgläubige Käufer, die auf die Angebote von Kriminellen hereinfallen. Nahezu ein Drittel aller Straftaten, die über das Internet begangen werden, gehörten 2015 laut Bundeskriminalamt (BKA) in diese Kategorie. Das waren nahezu 75 000 Fälle. Aber auch die Dunkelziffer ist sehr hoch.

Betrüger eröffnen falsche Shops im Internet und locken Nutzer mit Schnäppchenpreisen per Spam-E-Mails oder Werbeanzeigen auf ihre Seite. Auch große Anbieter wie Amazon leiden unter den Fake-Shops. Denn Amazon erlaubt es anderen Anbietern, ihre Waren über die Plattform zu verkaufen, Betrüger nutzen die Funktion aus. Meist versuchen die Kriminellen die potenziellen Opfer von der Amazon-Seite wegzulocken. Sie verlangen Kontakt per E-Mail oder verweisen mit Sätzen wie "Diesen Preis gibt es nur hier" auf andere Seiten.

Anschließend versucht der falsche Händler seine Opfer dazu zu bringen, den Kaufbetrag per Vorkasse, Paypal, Paysafe oder Western Union zu überweisen. Das Geld ist dadurch schwer zurückzuverfolgen und aus dem vermeintlichen Schnäppchen wird echter Betrug. Angeboten werden oft hochpreisige Elektro- oder Haushaltsgeräte. So können die Kriminellen trotz der günstigen Preise einen hohen Gewinn einstreichen.

So erkennen Nutzer die falschen Shops:

  • Der Preis: Wenn es besonders günstig wird, sollten potenzielle Käufer misstrauisch werden. Vor allem dann, wenn kein anderer Händler das Produkt so günstig anbietet. "Wenn eine Kamera im Laden 200 Euro kostet, dann ist sie im Internet vielleicht für 180 Euro zu haben, aber sicher nicht für 100 Euro", erklärt Viktoria Jerke von der Polizeilichen Kriminalprävention der Länder und des Bundes. "Kunden sollten auf Spontankäufe verzichten und darüber nachdenken, ob der Preis wirklich so günstig sein kann."
  • Die Bezahlmethode: Bietet der Shop nur Vorkasse an oder andere Zahlungswege, die schwer verfolgbar sind? Vorkasse ist nicht per se verdächtig, schließlich wollen sich manche Händler nur vor Kunden schützen, die Ware bestellen, aber nicht zahlen. Trotzdem sollten Nutzer weitere Informationen über den Händler einholen, falls er nur diesen Bezahlweg anbietet.
  • Erfahrungen anderer Kunden im Netz: Wenn das Angebot durch den Preis und die Bezahlmethode verdächtig erscheint, hilft es, nach dem Betreiber oder der Seite zu googlen. Dadurch lässt sich recht schnell herausfinden, ob andere Käufer schlechte Erfahrungen mit dem Händler gemacht haben,
  • Bewertungen prüfen: Gerade bei Amazon können Bewertungen gefälscht werden. Eine Fünf-Sterne-Bewertung auf dem Shopping-Portal ist daher nicht sehr aussagekräftig. Die meisten Fake-Shops haben wenige oder gar keine Amazon-Bewertungen.
  • Das Kleingedruckte: Wer Waren verkaufen will, muss viel Papierkram beachten - auch im Internet. Nutzer sollten misstrauisch werden, wenn der Händler nicht auf Garantien, Geschäftsbedingungen oder das Widerspruchsrecht hinweist. Auch ein korrektes Impressum mit konkreten Ansprechpartnern und Kontaktadressen ist ein Muss für seriöse Verkäufer.
  • Korrektes Deutsch: Sollte in einer E-Mail oder einer Webseite das Deutsch so aussehen, als käme es direkt aus einem Übersetzungsprogramm, dann ist es vermutlich auch so. Die Kriminellen agieren oft aus dem Ausland und können nicht überprüfen, ob der Text korrekt ist, den ihnen ein Übersetzungsprogramm bietet. Seriöse Händler achten auf eine korrekte Grammatik und Rechtschreibung.
  • HTTPS: Bei HTTPS wird die Verbindung verschlüsselt, die Daten werden dabei sicher übertragen. Echte Händler nutzen die Methode, wenn es um persönliche Daten geht, zum Beispiel die Kreditkartennummer oder die Adresse. Nutzer erkennen HTTPS an der Adressleiste im Browser: Sie zeigt https:// vor der Webadresse an.
  • Nicht auf Gütesiegel verlassen: Selbst Gütesiegel, wie sie zum Beispiel Trusted Shops vergibt, sind keine ausreichende Bestätigung für einen legalen Shop. "Gütesiegel werden auch kopiert, um den Anschein der Seriosität zu wahren. Sie allein sollten nicht Ausschlaggebend für einen Kauf sein", sagt Jerke.

Das sollten Opfer von Fake-Shops tun

Wer auf einen Fake-Shop hereingefallen ist, sollte schnell handeln und seine Bank kontaktieren. Innerhalb eines bestimmten Zeitraums lassen sich Zahlungen noch rückgängig machen. Schwieriger wird es, wenn Opfer das Geld beispielsweise per Western Union oder Paysafe überwiesen haben. Auch hier sollten Nutzer sofort das Unternehmen kontaktieren und versuchen, die Transaktion stoppen zu lassen.

Betroffene sollten außerdem Beweise sammeln, also E-Mails ausdrucken und Screenshots des Fake-Shops anfertigen. Mit den Beweisen sollten Opfer anschließend zur Polizei gehen. Jede Polizeidienststelle nimmt die Anzeigen entgegen. Da die Betrüger häufig aus dem Ausland agieren, ist es für die Polizei allerdings schwierig, die Täter zu ermitteln. Trotzdem können die Anzeigen dabei helfen, die Fake-Shops aus dem Netz zu entfernen.

Zusätzlich helfen Verbraucherschutzorganisationen wie Stiftung Warentest oder die Verbraucherzentralen. Sie geben Tipps zum weiteren Vorgehen und warnen andere Nutzer vor den Fake-Shops. Auch wer noch kein Opfer eines gefälschten Online-Shops geworden ist, kann sich bei verdächtigen Seiten an die Organisationen wenden und so weitere Informationen erhalten.

© SZ.de/mri/stein
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