bedeckt München 20°
vgwortpixel

Neue Richtlinien:LGBTQ-Verbände und Sexarbeiter kritisieren die Änderungen

Zumindest scheint sich Facebook dieser Probleme bewusst zu sein. Eine Sprecherin sagt, das Unternehmen arbeite kontinuierlich daran, Klarheit und zusätzlichen Kontext für die Richtlinien zu schaffen. Ziel sei, dass sich alle Facebook-Nutzer sicher fühlten, unabhängig von Alter, kulturellem Hintergrund und persönlicher Sensibilität.

In den kommenden Monaten wolle man die Gemeinschaftsstandards in Bezug auf den Umgang mit sexuellen Inhalten ergänzen und dabei die bisherigen Rückmeldungen berücksichtigen. Man arbeite dafür mit mehreren Organisationen zusammen, die auf Frauen- und Kinderrechte spezialisiert seien. Details zu den Organisationen oder den geplanten Änderungen will Facebook nicht nennen.

LGBTQ-Verbände und Sexarbeiter empfinden die neuen Richtlinien als problematisch. Sie fürchten, dass sie sich nicht mehr frei ausdrücken und über ihre sexuelle Identität austauschen können. Einer Facebook-Sprecherin zufolge erlauben es die neuen Regeln aber, seine sexuellen Präferenzen oder die seines Partners zu äußern. Facebook heiße die LGBTQ-Community willkommen, jeder Fehltritt, der nahelegen könnte, dass die Community nicht erwünscht ist, sei besonders schmerzhaft. Man bedauere die Verwirrung.

Facebook und Sex passen nicht zusammen

Diese Verwirrung wird wohl auch vor den mehr als 10 000 Content-Moderatoren nicht Halt machen, die auf der ganzen Welt Inhalte sichten, prüfen und löschen. Klickarbeiter in Manila müssen dem Dokumentarfilm "The Cleaners" zufolge unter Zeitdruck 25 000 Bilder pro Tag sichten und jeden Tag passieren Zehntausende Fehler.

Facebook sagt, dass die Änderungen zu großen Teilen auf Rückmeldungen der Content-Moderatoren zurückzuführen seien, bei denen die alten Formulierungen zu Missverständnissen geführt hätten. Tatsächlich unterscheiden die Gemeinschaftsstandards nun klarer zwischen sexueller Ausbeutung, Nacktheit und sexueller Kontaktaufnahme. Doch zugleich geht die neue Version deutlicher weiter und nennt Inhalte, die zuvor zumindest nicht explizit verboten waren. Sexualität war auf Facebook noch nie erwünscht. Künftig wird die Plattform wohl noch prüder.

(*) Irritierenderweise enthält die deutsche Version derzeit zwei unterschiedliche Passagen mit ähnlichen, aber nicht deckungsgleichen Absätzen. Womöglich hat Facebook beim Überarbeiten einen Fehler gemacht, der weder Nutzern noch den eigenen Mitarbeitern aufgefallen ist. Wir orientieren uns an der englischen Fassung, die vermutlich aktueller ist.

Social Media "Gut für die Welt, aber nicht für uns"

Interne Facebook-Mails

"Gut für die Welt, aber nicht für uns"

Rücksichtslos gegen Konkurrenten, manipulatives Design, Wachstum vor Datenschutz: Dokumente legen das Geschäftsmodell von Mark Zuckerberg und seinen Managern schonungslos offen.   Von Jannis Brühl und Hakan Tanriverdi