Facebook Zuckerberg bricht sein Whatsapp-Versprechen

Mark Zuckerberg ändert die technische Struktur hinter den wichtigsten Apps des Facebook-Konzerns.

(Foto: Stephen Lam/Reuters)

Mit der Fusion der Whatsapp-, Instagram- und Messenger-Technik beendet der Facebook-Chef die Unabhängigkeit der Apps endgültig. Das macht den Weg frei für eine gigantische Datenbank über Milliarden Menschen.

Kommentar von Jannis Brühl

Es ist ein ebenso faszinierendes wie riskantes Experiment mit dem Privatleben von zweieinhalb Milliarden Menschen. So viele Personen nutzen mindestens eine der drei Apps des Facebook-Konzerns: Whatsapp und Facebook Messenger zum Chatten; Instagram, um Bilder hochzuladen. Konzernchef Mark Zuckerberg hat nun angeordnet, die Chat-Technik der drei Dienste zu verschmelzen. Sie sollen eigene Apps bleiben, die Nutzer aber Nachrichten zwischen ihnen über eine gemeinsame Infrastruktur versenden können. Dieser Umbau macht eine Debatte über die Zerschlagung des Konzerns dringender denn je.

Für Nutzer bringt die Fusion zunächst einen Vorteil. Die Chats zwischen den drei Apps sollen mit Ende-zu-Ende-Verschlüsselung geschützt werden, die als sehr sicher gilt. Bisher ist sie nur in Whatsapp Standard. Wenn Facebooks Fachleute es hinbekommen, dieses Sicherheitsniveau auf Instagram und Facebook zu übertragen, würde der Konzern damit schlagartig ein gigantisches verschlüsseltes Netzwerk schaffen. Milliarden Menschen wären besser geschützt gegen Abhöraktionen von Kriminellen und Geheimdiensten. Das ist gut für die kleinen privaten Geheimnisse und die großen politischen Ideen, die in manchen Staaten verboten sind.

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Facebook muss zerlegt werden

Der Weltkonzern hat kürzlich angekündigt, die Chat-Technik von Facebook, Instagram und Whatsapp zu verschmelzen. So entsteht das größte Datensilo der Welt. Das darf nicht akzeptiert werden.

Wertvolle Metadaten verraten viel über die Nutzer

Eine Garantie für Freiheit und Privatsphäre sind Zuckerbergs Fusionspläne trotzdem nicht. Denn während er Verschlüsselung ausweitet, konzentriert er noch mehr Marktmacht in seinem Unternehmen. Nicht nur, dass die geschützten Verbindungen in der Hand eines Konzerns liegen werden, der dem Abfluss von Daten an die NSA oder dubiose externe App-Anbieter nichts entgegenzusetzen hatte. Der Inhalt der Nachrichten wird zwar bald gegen Angriffe von außen gesichert, doch die Metadaten - wer kommunizierte wann mit wem? - aus den bislang getrennten Systemen dürften zusammenfließen. Das ermöglicht den Bau einer gigantischen Datenbank, in der das private Verhalten aller Nutzer gespeichert wird.

Metadaten sind für das Anzeigengeschäft des Konzerns ohnehin wichtiger, weil sie sich leichter automatisiert auswerten lassen als der Inhalt von Nachrichten, für deren Verständnis Kontext wichtig ist. Schon heute reicht Whatsapp Telefonnummern an Facebook weiter.

Eine einheitliche Infrastruktur erleichtert solche Datenflüsse noch. Die Zusammenführung ermöglicht es Facebook, die Wände seiner ohnehin brüchigen Datensilos vollends zu sprengen. Whatsapp und Instagram zwangen ihre Nutzer bislang nicht, ihre Identität preiszugeben. Die Anonymität, die viele von ihnen schätzen, dürfte verloren gehen, wenn die Konten mit denen auf Facebook kurzgeschlossen werden. Aus E-Mail-Adressen, echten Namen und Likes, die mit Telefonnummern und Metadaten von Whatsapp gekoppelt sind, lassen sich Personenprofile erstellen, oder App-übergreifende Netzwerke politischer Aktivisten herauslesen.

Zuckerberg regiert jetzt durch

Zuckerberg bricht die Versprechen, die er Nutzern wie Mitarbeitern von Instagram und Whatsapp gab, als er die Firmen kaufte. Sie würden unabhängig bleiben, hieß es, und, im Fall von Whatsapp: Die Daten der Nutzer sollten sicher bleiben, wie es den Gründern des Messengers immer am Herzen lag. Sie taten öffentlich kund, wie sehr sie Werbung und Überwachung hassten - die zentralen Ideen hinter Facebooks Geschäftsmodell. Das Whatsapp-Team war die letzte Verteidigungslinie für die Privatsphäre der Nutzer im Konzern. Mittlerweile hat Zuckerberg die Gründer vergrault. Jetzt regiert er durch. Skeptiker hielten die formelle Unabhängigkeit der Tochter-Apps immer für ein Feigenblatt: Irgendwann werde Facebook sein Anzeigenmodell samt Datenhunger auch Whatsapp überstülpen.

Es lässt sich nun nicht mehr leugnen: Hier entsteht ein Monopolist. Er baut ein Ökosystem der Kommunikation, in dem der Preis für Verzicht immer höher wird. Aussteigern droht bald der Verlust ihres sozialen Netzwerks über drei Apps hinweg. Selbst die Ausweitung der Verschlüsselung zementiert Facebooks Macht. Welcher Mitbewerber kann gesicherte Kommunikation mit jedem Bürger der westlichen Welt - wenige Verweigerer abgezogen - bieten?

Datenschützer, Wettbewerbshüter und Zivilgesellschaft müssen genau hinschauen. Es wird auch ein Härtetest, ob die neue Datenschutzgrundverordnung der EU tatsächlich dazu taugt, einen globalen Konzern zu kontrollieren. Auch die Drohung mit Entflechtung muss eine Option sein - also mindestens eine App aus Facebook herauszulösen. Die Nachlässigkeit, die das Konglomerat der drei Apps erst entstehen ließ, darf sich nicht wiederholen.

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