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Facebook und Google:Westliche Gesellschaften leugnen wichtige Tatsachen

Die große Gefahr für die westlichen Gesellschaften ist heute nicht so sehr die Entstehung nicht-liberaler Demokratien, sondern die Schwäche ihrer eigenen Demokratien. Zum einen manifestiert sie sich in der Leugnung der Tatsache, dass die meisten heutigen Probleme ökonomischen Ursprungs sind. Zum anderen in der Leugnung der Korruptheit professioneller Expertise.

Der erste Typ von Argument manifestiert sich immer dann, wenn Phänomene wie der Brexit oder Trumps Wahlerfolg kulturellen Faktoren wie dem Rassismus oder der Ignoranz der Wähler zugeschrieben werden. Der zweite Typ leugnet, dass die Entfremdung von den gesellschaftlichen Institutionen, die viele empfinden, nicht daher rührt, dass sie nicht wissen, wie diese funktionieren, sondern dass sie es nur zu gut wissen.

Fake News sind eine Konsequenz aus dem digitalen Kapitalismus

Verblendet von diesen beiden Leugnungen, schlagen die Politiker mehr von dem vor, was die Wähler entfremdet hat: mehr Expertentum, mehr Zentralisierung, mehr Regulierung. Doch da sie nicht in den Kategorien politischer Ökonomie denken, regulieren sie am Ende gerade die falschen Dinge.

Die Aufregung um Fake News illustriert, wie diese beiden Leugnungen die Demokratie zu ewiger Unreife verdammen, weil sie sich weigern, anzuerkennen, dass Fake News eine Konsequenz aus dem Geschäftsmodell des digitalen Kapitalismus sind.

Es gab immer verrückte Bewegungen, die Fake News in die Welt hinausposaunten. Doch ihre irren Theorien erreichten wenige, weil ihnen die heutige digitale Infrastruktur fehlte, die durch Online-Werbung üppig finanziert wird. Das Problem sind nicht Fake News, sondern die Geschwindigkeit und Leichtigkeit, mit denen sie sich verbreiten lassen. Sie existieren vor allem deshalb, weil es der heutige Digitalkapitalismus - siehe Google und Facebook - extrem profitabel macht, falsche, aber zum Anklicken reizende Geschichten zu produzieren und zu verbreiten.

Fake-News "Das Einfachste sind die klassischen Propaganda-Lügen"
Fake News

"Das Einfachste sind die klassischen Propaganda-Lügen"

Um Fake News zu erkennen, hat Facebook sich das Recherchezentrum Correctiv als Partner ausgesucht. Dessen Geschäftsführer David Schraven erklärt, wie eine kleine Redaktion all der Falschmeldungen Herr werden soll.   Interview: Oliver Klasen

Um die Krise der Fake News in diesem Licht zu sehen, müsste das Establishment eine der Leugnungen überwinden und sich mit der politischen Ökonomie der Kommunikation beschäftigen. Doch es waren ja gerade die Mitte-links- und Mitte-rechts-Parteien, die in den letzten dreißig Jahren das Genie des Silicon Valley beschworen, die Telekommunikationsfirmen privatisierten und Kartellfragen eher lax handhabten.