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Trump und Facebook:Der faktengecheckte Präsident

US-Präsident Donald Trump steht wegen Falschinformationen in der Kritik, die er im Fernsehen und über seine Social-Media-Konten verbreitet.

(Foto: BRENDAN SMIALOWSKI/AFP)

Erstmals löscht Facebook ein Wahlkampfvideo von Donald Trump. Zumindest bei Corona-Falschinformationen verstehen die Netzwerke keinen Spaß mehr.

Von Max Muth

"Fox and Friends" ist so etwas wie Donald Trumps Lieblingssendung bei seinem Lieblingssender Fox News. Oft nimmt er nach der morgendlichen Ausstrahlung in Tweet-Tiraden Bezug auf Themen aus der Sendung, immer wieder ist der Präsident auch als Anrufer in der Show zugeschaltet. Die Moderatoren lassen ihn reden, ihre Fragen sind eher Rampen, die Trump nur zu gerne nutzt. Auch am Mittwoch war er wieder in der Sendung zu hören, es ging um die Wirtschaft, die Wahl im November, um Barack Obama und die Corona-Pandemie. Einen kleinen Interview-Ausschnitt zur von Trump gewünschten Öffnung der Schulen stellte sein Wahlkampfteam danach auf Twitter und auf Facebook. Dort blieb er jedoch nicht lange.

Facebook löschte das Kurzvideo wenig später, weil es "Falschinformationen zum Coronavirus" enthalte - der erste Fall, in dem das Netzwerk ein Video Trumps entfernt. Twitter blockierte den Account von Trumps Wahlkampfteam. Die Begründung der Netwerke: Trump hatte in seiner ausschweifenden Antwort auf die Frage nach der Öffnung der Schulen unter anderem behauptet, unter 18-Jährige seien "quasi immun" gegen das Virus. Für eine Immunität von Kindern gibt es jedoch keine Belege.

Twitter-Sprecherin Liz Kelley sagte der Washington Post, erst wenn der Tweet gelöscht sei, werde der Account des Trump-Teams wieder freigegeben. Das ist mittlerweile passiert.

Twitter und Facebook hatten sich vor einiger Zeit strengere Regeln auferlegt, insbesondere was die Verbreitung von irreführenden Informationen zur Coronavirus-Pandemie angeht. Twitter hat seitdem mehrere Beiträge von Trump gelöscht oder mit Hinweisen versehen, die auf die umstrittenen oder falschen Fakten aufmerksam machen. Facebook agierte insgesamt zurückhaltender als Twitter. Insbesondere zeigte sich das bei Trumps Aussage zu den Protesten gegen Polizeigewalt, als der US-Präsident schrieb: "Wenn das Plündern losgeht, wird geschossen" - was viele als Drohung gegen Schwarze auf den Straßen verstanden. Twitter versah den Tweet mit einer Warnung, Facebook ließ das Posting unangetastet.

Doch der Druck auf die Unternehmen ist in den vergangenen Monaten immer stärker geworden. Unter anderem wegen Facebooks Weigerung, Trump Grenzen zu setzen, boykottierten im Juli über 1000 Unternehmen die Werbeplattform von Facebook im Rahmen der Kampagne "Stop Hate for Profit".

Noch online ist das "Fox and Friends"-Video in voller Länge bei Youtube. Fragwürdiges findet sich darin neben der Aussage über angeblich immune Kinder einiges. CNN zählte in den 53 Minuten Interview ganze 20 Falschbehauptungen des Präsidenten.

© SZ/jab
Smartphone mit aufgedeckter Falschinformation in einem sozialen Netzwerk *** Smartphone with revealed false information

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