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Förderung von KI-Institut:Die TU München hätte zu Facebook besser "Nein, Danke" gesagt

FILE PHOTO: A Facebook panel at the Cannes Lions International Festival of Creativity in Cannes

Freundliche Oberfläche, knallharte Interessen: Facebook unterstützt jetzt die TU München.

(Foto: REUTERS)

Facebook fördert eine deutsche Uni - und erkauft sich günstig PR. Das kann nicht verschleiern, dass der Konzern seine Nutzer behandelt wie Nutztiere.

Die Versprechen sind überaus ambitioniert: Facebook, Google und viele andere Technologie-Firmen wollen ihrer Selbstdarstellung zufolge nichts Geringeres als die Welt verbessern. Etwa, indem sie die Menschen miteinander verbinden oder das Wissen allen verfügbar machen. Sie treten auch auf als Förderer der Wissenschaft. Vor Kurzem erst kündigte Facebook an, künftig die Münchner TU zu unterstützen.

Solche Initiativen kommen ebenso wie die Dienste und Apps der Datenkonzerne an der Oberfläche freundlich daher. Doch wer in die Tiefen der Einstellungen oder der allgemeinen Geschäftsbedingungen blickt, erkennt schnell, dass es in Wirklichkeit um etwas anderes geht. Es geht um ein knallhartes Geschäft: deine Daten gegen meine Leistung. Wer dem nicht zustimmt, kann die Dienste meist gar nicht oder nur sehr eingeschränkt nutzen.

Warum das so ist, lässt sich leicht erkennen: Die Unternehmen, die dem Kurs ihrer Aktien nach zu den wertvollsten der Welt zählen, sind gewinnorientiert. Sie werden von ihren Anteilseignern, vor allem von mächtigen Fonds und Großinvestoren getrieben, aber auch vom eigenen Ehrgeiz, immer größer zu werden. Und deshalb kommt auch bei ihnen - trotz hehrer Versprechen - das Fressen, sprich: das Geld, vor der Moral. Die medienwirksame Förderung der Münchner TU ist da nicht mehr als ein Feigenblatt, und ein sehr preiswertes dazu.

Facebook hat 2017 allein für Marketing und Verkauf 4,7 Milliarden Dollar ausgegeben und knapp 7,8 Milliarden Dollar für Forschung und Entwicklung. Die 6,6 Millionen Euro, die Facebook nun über fünf Jahre an die TU München für Forschung zur Ethik künstlicher Intelligenz zahlen will, fallen bei solchen Summen überhaupt nicht auf, bringen dafür aber gute PR. Es mag sogar sein, dass die Amerikaner sich wie versprochen nicht einmischen in die Forschung. Trotzdem sollte Facebook so billig nicht davonkommen dürfen.

KI sagt voraus, was ein Mensch tun wird

Denn entscheidend ist, was das Unternehmen in seinem Hauptgeschäft macht. Und da hat die bisherige Unternehmensgeschichte nur eines gezeigt: Die Nutzer werden behandelt wie Nutztiere, ihre Daten werden abgesaugt wie Milch von Kühen. Längst kommt dabei auch künstliche Intelligenz zum Einsatz. Mit ihrer Hilfe kann Facebook inzwischen nicht bloß ermitteln, ob ein Nutzer sich für Jazz interessiert oder für deutsche Schlager, ob er politisch eher links oder eher rechts steht und so weiter. Künstliche Intelligenz kann auch hinreichend genau vorhersagen, wie sich ein Mensch in einer bestimmten Frage entscheiden wird.

Wer auf derart wertvollen Daten sitzt, trägt eine riesige Verantwortung. Doch die Herren der Datenschätze werden ihr nicht gerecht. Hassbotschaften und Falschinformationen werden über die Plattformen verbreitet, Wahlen beeinflusst. Wird ein Skandal ruchbar und steigt der Druck der Öffentlichkeit, geloben die Firmen zwar Besserung und ändern hie und da eine Kleinigkeit. Im Großen und Ganzen aber machen sie weiter wie davor - bis zum nächsten Skandal.

Auch wenn das Geld an den Unis immer knapp ist, sollten die Verantwortlichen schon bedenken, inwieweit man sich damit zum PR-Helfer der Konzerne macht. Gerade bei einem so heiklen und zukunftsweisenden Thema wie der Ethik künstlicher Intelligenz wäre ein "Nein, Danke" die bessere Lösung gewesen.

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