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Facebook-Spiel:FarmVille-Macher als Abzocker

Weil der Markt für Online-Spiele gerade in Fahrt kommt, schätzen einige Analysten den Wert von Zynga auf mehr als eine Milliarde Dollar, ein Insider nennt der New York Times sogar drei Milliarden als Marktwert. Vor wenigen Tagen kaufte der russische Investor Digital Sky Technologies (D.S.T.) für 180 Millionen Dollar Anteile an Zynga. D.S.T. hatte vor einigen Monaten bereits 200 Millionen Dollar in Facebook investiert.

Doch die vermeintliche Erfolgsgeschichte aus dem Bilderbuch hat auch ihre dunklen Kapitel. Da wäre ein Video aus dem Frühjahr 2009, in dem der Zynga-Gründer Mark Pincus offen über die Strategie des Unternehmens redet. "Ich habe dieses Unternehmen alleine gegründet, aber ich hab alle schrecklichen Dinge getan, die man sich denken kann, um sofort Einnahmen zu generieren", erklärt der 43-Jährige seinem Publikum von der Universität Berkeley, "Wir haben unseren Nutzern Poker-Chips gegeben, wenn sie diese Zwinky-Toolbar installieren, ich habe sie einmal runtergeladen und nicht mehr losbekommen."

Schlimmer als die Zwinky-Toolbar, die ohne Wissen der Nutzer deren Bewegungen im Web speichert, war der vermittelte Eindruck, Pincus sei ein rücksichtsloser Geschäftemacher, der seine Nutzer für dumm hält.

Tatsächlich deckte Michael Arrington, Chef der US-Technologieseite Techcrunch in den vergangenen Wochen dubiose Geschäftspraktiken Zyngas auf: So waren Nutzern, die Geld für virtuelle Güter ausgegeben hatten, im Bezahlvorgang noch zusätzliche Extras von Drittanbietern versprochen worden - die allerdings versteckte Mehrkosten wie SMS-Abos enthielten. Zynga kassierte für die Vermittlung eine Provision.

Klage von geschröpften Nutzern

Zynga hat diese Angebote inzwischen aus Farmville und Co. entfernt, Firmen-Chef Pincus entschuldigte sich auf seinem Blog. Damit dürfte die Angelegenheit allerdings nicht erledigt sein: Ein kalifornischer Anwalt hat wegen der zwielichtigen Zusatzangebote inzwischen eine Sammelklage gegen Zynga und Facebook eingereicht. Der Streitwert liegt bei fünf Millionen Dollar.

Schenkt man der Klageschrift Glauben, hängt auch Facebooks finanzieller Erfolg maßgeblich von der Beliebtheit von Onlinespielen wie Farmville ab. 20 Prozent seiner Einnahmen soll das soziale Netzwerk über Erlösbeteiligungen an solchen Minispielen erzielen. Weitere Negativschlagzeilen könnten selbst dem enthusiastischsten Hobbybauern die Laune verderben - und den Aufstieg der Social Games nachhaltig bremsen.

© sueddeutsche.de/holz
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