Süddeutsche Zeitung

Facebook-Chef:Zuckerberg will Umgang mit umstrittenen Posts prüfen

Nachdem der Gründer des sozialen Netzwerks von seinen Mitarbeitern scharf kritisiert worden war, ändert er nun seine Meinung. Wie staatliche Gewaltandrohungen in Zukunft behandelt werden, ist noch nicht klar.

Facebook-Chef Mark Zuckerberg will den Umgang des sozialen Netzwerks mit Inhalten verbessern. Es gehe darum, dem Rassismus entgegenzuwirken, erklärte Zuckerberg am Freitag. Das Unternehmen werde seinen Umgang mit staatlichen Gewaltandrohungen und mit Veröffentlichungen, die die Wahlbeteiligung beeinflussen könnten, prüfen, so der Gründer des sozialen Netzwerks. Es werde auch geprüft, neben der bisherigen Vorgehensweise einen Post entweder zu löschen oder stehenzulassen, Alternativen zu finden.

Mit seiner Äußerung reagierte er auf die anhaltenden Proteste in den USA, die sich an der Tötung des Afroamerikaners George Floyd durch einen weißen Polizisten in Minneapolis entzündet hatten.

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An die Facebook-Angestellten schrieb er: "Ich weiß, viele von Euch denken, wir hätten die Posts des Präsidenten in der vergangenen Woche auf irgendeine Weise mit Hinweisen versehen sollen." Zuckerberg warnte allerdings, einen solchen Weg einzuschlagen könnte Facebook dazu bringen, auch gegen Posts vorzugehen, die dem Unternehmen schlicht inhaltlich nicht gefielen, die aber nicht klar gegen die Regeln der Plattform verstießen. "Ich glaube, wir müssen hier sehr vorsichtig vorgehen", schrieb er.

Zuckerberg wurde zuletzt scharf kritisiert

Der Facebook-Gründer war auch den Reihen der eigenen Mitarbeiter massiv für die Entscheidung kritisiert worden, umstrittene Posts von US-Präsident Donald Trump auf der Seite gelassen zu haben. Dabei ging es vor allem um einen Tweet von Trump, der auch auf dessen Facebook-Profil gespiegelt wurde. Darin reagierte der US-Präsident auf erste Ausschreitungen in Minneapolis nach dem Tod des Afroamerikaners George Floyd durch Polizeigewalt. Sein Tweet wurde von vielen als Aufruf an die Polizei verstanden, hart gegen die vorwiegend schwarzen Demonstranten durchzugreifen ("Wenn Plünderungen beginnen, wird geschossen"). Einige haben deswegen auch schon gekündigt.

Zuckerberg hält Facebook-Aktien mit mehr Stimmrechten, was ihm letztlich die Kontrolle bei dem Online-Netzwerk sichert. Seine erklärte Position ist, dass eine Plattform wie Facebook nicht entscheiden dürfe, was falsch und was richtig ist. Deshalb sind bei Facebook Äußerungen von Politikern grundsätzlich von Faktenchecks ausgenommen.

Das soziale Netzwerk Twitter hatte zuletzt Posts von Trump mit einem Faktencheck-Hinweis versehen beziehungsweise hinter einem Warnhinweis versteckt. Auch Snapchat und Tiktok hatten Accounts des US-Präsidenten eingeschränkt.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version dieses Artikels hieß es, Twitter habe Tweets von Donald Trump als "faschistisch gekennzeichnet sowie gelöscht". Dies ist falsch. Wir haben die entsprechende Passage korrigiert.

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