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Facebook-Protest:Iranischer Geistlicher löst Busenbeben aus

Ein Kleriker macht leichtbekleidete Frauen für Naturkatastrophen verantwortlich. Nun startet eine US-Studentin eine freizügige Gegenaktion.

Es begann mit einer gewagten Behauptung. Beim Gebet in einer Moschee in Teheran fand der iranische Geistliche Kasem Sedighi eine einfache Erklärung für Erdbeben: Unzüchtig gekleidete Frauen steckten hinter den Naturkatastrophen, von denen das Land immer wieder heimgesucht wird.

Boobquake Internet Slacktivism Frauenfeindlichkeit Frauenrechte, Screenshot: Facebook.com

Tödliche Waffen? Mehr als 185.000 Menschen wollen freizügig gegen religiös motivierten Sexismus protestieren.

(Foto: Screenshot: Facebook.com)

"Viele Frauen, die sich nicht züchtig kleiden", sagte er vor Gläubigen, "führen Männer auf den falschen Weg, zerstören ihre Keuschheit und verbreiten Unzucht in der Gesellschaft, was zu Erdbeben führt."

Als Tausende Kilometer weiter die US-Studentin Jen McCreight von der absurden Äußerung erfuhr, reagierte sie mit Sarkasmus. In ihrem Blog bot sie ein Experiment an: Alle Frauen sollten am 26. April so leichtbekleidet wie möglich auf die Arbeit kommen, um wissenschaftlich zu beweisen, dass Brüste kein Beben verursachen können. "Mit der skandalösen Kraft unseres Körpers sollten wir ein Erdbeben hinbekommen", schrieb sie, "wenn nicht, wird Sedighi sicherlich eine rationale Erklärung liefern können, warum nichts passiert ist."

185.000 Facebook-Nutzer sind dabei

Die Idee des Boobquake-Tags wurde von verschiedenen Medien und Blogs aufgegriffen, McCreights Facebook-Gruppe traten innerhalb weniger Stunden Tausende Mitglieder bei. Inzwischen haben mehr als 185.000 Menschen - überwiegend Frauen - erklärt, am Montag leichtbekleidet auf der Arbeit zu erscheinen.

Die 22-Jährige, die sich als überzeugte Atheistin bezeichnet, zeigte sich vom Erfolg der Aktion wenig überrascht. "Wenn ich mich ernsthaft mit ihm (Sedighi, d. Red.) auseinandergesetzt hätte, hätte ich wahrscheinlich niemals eine Reaktion erhalten", erklärte sie in einem Interview, "aber unbeschwerter Spott erschien eine gute Taktik."

Inzwischen hat die Studentin auch Boobquake-T-Shirts herstellen lassen (Slogan: "Wer sagt, dass Wissenschaft langweilig sein muss"), der Erlös soll karitativen Zwecken zugutekommen. Auf der Facebook-Seite und Twitter haben inzwischen Frauen begonnen, Dekolleté-Bilder von sich zu veröffentlichen. Auf Twitter werden derzeit pro Minute mehrere hundert Nachrichten mit dem entsprechenden Schlagwort (#boobquake) gezählt.

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