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Privatsphäre:Das nächste Versprechen, das Facebook brechen wird

Mark Zuckerberg

Facebook-Chef Mark Zuckerberg versprach schon mehrfach, dass sein Unternehmen in Zukunft sensibler mit Nutzerdaten umgehen werde.

(Foto: Marcio Jose Sanchez/AP)

Der Konzern verspricht, sich künftig vor allem um die Privatsphäre und Sicherheit seiner Nutzer zu kümmern. Es wäre blauäugig, das zu glauben.

"Facebook-Chef gelobt Besserung." Diese Überschrift konnte man in den vergangenen Jahren Dutzende Male lesen. Immer, wenn ein Datenskandal beim Netzwerk publik wurde, fiel die Reaktion in etwa so aus: Es wurde gemauert, beschwichtigt, ausgesessen. Erst als der Druck zu groß wurde, versicherte Mark Zuckerberg, Facebook "habe verstanden", man habe Fehler gemacht, und von nun an würde alles besser.

Wenn Zuckerberg jetzt verspricht, Facebook wolle sich mit seinem App-Imperium künftig vor allem um die Privatsphäre und Sicherheit seiner Nutzer kümmern, dann ist Vorsicht geboten. Vor allem, weil der Konzernchef kein Wort darüber verliert, wie sich seine Vision auf das bisherige Geschäftsmodell des Unternehmens auswirken wird.

Für sich genommen ist die Nachricht, die Zuckerberg am Mittwochabend veröffentlicht hat, durchaus bemerkenswert: Der vor ein paar Wochen bekannt gewordene Plan, die Messaging-Dienste von Facebook, Whatsapp und Instagram - entgegen früherer Versprechen - zu verknüpfen, wird mit Leben gefüllt: Facebook will Nachrichten auf seinen drei großen Plattformen Ende-zu-Ende verschlüsseln. Nutzer sollen sich keine Sorgen mehr über die Privatheit ihrer Kommunikation machen. Und es gibt weitere Ideen, die das Sicherheitsempfinden stärken sollen: Posts und Nachrichten könnten künftig Ablaufdaten bekommen, ähnlich wie auf Snapchat. Zudem will Facebook nach eigenen Angaben keine Daten mehr auf Servern in Staaten mit fragwürdigen Regimen lagern.

Dass verschlüsseltes Messaging im Trend liegt, dazu hat Facebook mit seinen Datenskandalen selbst entscheidend beigetragen. Dienste wie Threema, Signal oder Telegram haben früher auf Verschlüsselung gesetzt - und damit ihre Marktnische gefunden. Einen klaren Gewinner gibt es unter ihnen nicht. Das liegt unter anderem daran, dass es bislang keiner der Anbieter geschafft hat, einen Netzwerkeffekt zu erzeugen, also so groß zu werden, dass Menschen dort sein wollen, einfach weil alle anderen auch da sind. Facebooks Messenger-Schmelztiegel hätte diesen Vorteil von Anfang an: 2,5 Milliarden Menschen nutzen mindestens eine der drei Apps des Unternehmens.

Der Konzern hat verstanden? Es wäre sehr blauäugig, das zu glauben

Wenn Nachrichten verschlüsselt werden, ist das ein Gewinn für die Nutzer. Doch es wäre blauäugig zu glauben, Facebook "habe verstanden". Zuckerbergs Sinneswandel ist sicher nicht Folge einer tieferen moralischen Einsicht. Vielmehr ist der Konzern nach diversen Datenskandalen von staatlicher Regulierung bedroht. In vielen Ländern drohen empfindliche Strafen, die geplante Verknüpfung der Facebook-Apps könnte am Widerstand von Kartellbehörden scheitern, nur deshalb sucht sich der Wolf einen Schafspelz.

Facebook, so hat es Zuckerberg angekündigt, will künftig weniger Marktplatz und mehr digitales Wohnzimmer sein. Wie das konkret aussehen soll, darüber verriet er kaum etwas. Weniger Newsfeed, mehr intime Gruppen? Immer langsam, meint Zuckerberg. Zuerst müssten noch viele Fragen geklärt und Experten zu Rate gezogen werden.

Ein paar Hinweise gibt Zuckerberg immerhin: Ein zentrales Element der Strategie soll der verschmolzene Kommunikationskanal mit Whatsapp und dem Facebook-Messenger bilden. Über diesen soll zum Beispiel auch Kommunikation mit E-Commerce-Plattformen stattfinden und Zahlungen abgewickelt werden.

Wie sieht das neue Geschäftsmodell aus?

Offen bleibt, was die Pläne des Unternehmens für das bisherige Geschäftsmodell bedeuten. Ein Teil der Lösung werde vermutlich sein, von vornherein weniger persönliche Daten der Nutzer zu sammeln, schreibt Zuckerberg. Doch das Unternehmen verdient sein Geld mit möglichst präzise ausgespielter Werbung. Diese Präzision wird deutlich eingeschränkt, wenn künftig ein großer Teil der Kommunikation auf Facebooks Plattformen verschlüsselt ablaufen soll und gesammelte Metadaten ein Ablaufdatum bekommen.

Natürlich werde die Zusammenlegung der Dienste für die Nutzer freiwillig sein, sagt Zuckerberg. Wer seine Accounts lieber getrennt lassen möchte, der brauche nichts zu tun. Doch auf diese Aussage sollten sich Nutzer nicht verlassen. Der Facebook-Chef hat schon mehrfach Zusagen nicht eingehalten, erst recht, wenn es um die Privatsphäre der Nutzer ging. Die Daten der Nutzer sind die Basis für Facebooks enorme Gewinne. E-Commerce und Payments mögen ein neues Geschäftsfeld sein, seine Lizenz zum Gelddrucken mit Daten wird das börsennotierte Unternehmen aber nicht aufgeben, jedenfalls nicht, solange kein ähnlich vielversprechendes Geschäftsmodell in Sicht ist.

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