Süddeutsche Zeitung

Facebook:Max Schrems gefällt das nicht

Niemand nervt Facebook hartnäckiger als der österreichische Jurist. Seit sieben Jahren bringt er Facebook immer wieder vor Gericht. Warum tut sich Schrems das an?

Viele 23-jährige Studenten verbringen täglich Stunden auf Facebook. Auch im Leben des 23-jährigen Max Schrems spielte Facebook eine große Rolle. Er verbrachte seine Zeit allerdings nicht auf, sondern mit Facebook.

Während Schrems in Wien Jura studierte, zerrte er das Unternehmen vor Gericht. 22 Klagen reichte er bei der Datenschutzbehörde in Dublin ein, wo Facebook seine Europazentrale hat. Das war 2011, und seitdem gilt der nun 30-jährige Schrems als einer der wenigen Menschen, die Facebook noch fürchten muss.

In den vergangenen sieben Jahren hat das soziale Netzwerk mehr als eine Milliarde Nutzer hinzugewonnen. Schrems hat indes Tausende Stunden Lebenszeit investiert, um Facebook einige Steine in seinen Weg zu weltweiter Dominanz zu legen. Ein junger Österreicher gegen einen US-amerikanischen Milliardenkonzern, ein Jurastudent gegen eine Heerschar von Juristen - das klingt nach einem aussichtslosen Kampf.

Tatsächlich hat Schrems Facebook einige empfindliche Niederlagen beigebracht. 2015 stoppte der Europäische Gerichtshof (EuGH) das sogenannte Safe-Harbor-Abkommen. Die Vereinbarung erlaubte es europäischen Unternehmen, personenbezogene Daten in die Vereinigten Staaten zu übermitteln. Schrems wollte aber nicht hinnehmen, dass Facebook persönliche Informationen auf US-Servern speichert. Dort seien sie nur unzureichend vor dem Zugriff der NSA geschützt.

Die Richter gaben ihm recht, und Schrems hatte seinen Ruf weg: Als "der Jurastudent, der erfolgreich Facebook verklagt hat", landete er weltweit in den Medien. Dabei habe er gar nichts gegen Facebook, sagt Schrems: "Die sind nicht schlimmer als andere Unternehmen. Meine Klage ist ein reiner Musterfall."

Schrems meidet Anzüge, Krawatten und juristische Fachausdrücke

Bei seinen öffentlichen Auftritten und Interviews meidet Schrems Anzüge, Krawatten und Fachausdrücke, spricht in Bildern und hat für jede juristische Frage ein anschauliches Alltagsbeispiel parat. "Facebook weiß, wer wie lange welchen Porno anschaut, ohne dass man das mitbekommt", sagt er, wenn er erklären will, wie Facebooks Like-Buttons die Spuren der Nutzer quer durchs Internet verfolgen. Man merkt ihm an, wie sehr er sich wünscht, dass sich mehr Menschen für Datenschutz interessieren.

Dabei lässt er sich von Rückschlägen nicht aus dem Konzept bringen. Am Mittwoch trafen sich Facebook und Schrems erneut vor dem EuGH, diesmal ging es um ein Verfahren aus dem Jahr 2014. Schrems wollte Facebook im Namen von 25 000 Nutzern in Österreich verklagen. Er wirft dem Unternehmen vor, in mehreren Punkten gegen europäisches Datenschutzrecht zu verstoßen. Solche Sammelklagen seien unzulässig, urteilten die Richter. Verbraucher dürften ihre Ansprüche nicht einfach an andere Kläger abtreten.

In seinen ersten Stellungnahmen klingt Schrems trotzdem wie ein Sieger. Immerhin hätten die Richter keinen Zweifel daran gelassen, dass er selbst ein Verbraucher sei. Facebook hatte das angezweifelt, da er mit seiner Klage Geld verdiene und das mediale Interesse ausnutze. Jetzt will er das Verfahren als Einzelkläger in Wien fortsetzen.

Mit einem Verein will Schrems Datenschutzklagen erleichtern

Die zweite gute Nachricht für Schrems: Nach dem Urteil seien die Spenden für Noyb durch die Decke gegangen. Das Akronym steht für "My Privacy is none of your Business" und ist Schrems' neues Herzensprojekt. Seit November sammelt er Geld für den Verein. "Wir wollen es Bürgern in ganz Europa erleichtern, scheinbar übermächtige Konzerne zu verklagen", sagt Schrems.

"Aktuell lohnt es sich für Privatpersonen schlichtweg nicht, gegen Unternehmen vorzugehen." Dafür sei der Schaden für den einzelnen Nutzer zu gering, und die Kosten seien viel zu hoch. Als 23-Jähriger habe sich Schrems gedacht: "Wenn ich Facebook nicht verklage, dann tut's ja niemand." Wenn das Crowdfunding für Noyb erfolgreich ist, könnte die NGO solche Klagen bald übernehmen.

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SZ vom 26.01.2018/sih
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