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Facebook:Ein mieser Tag für Mark Zuckerberg

Erst wollen US-Bundesstaaten seinen Konzern zerstückeln, dann schwächeln Messenger und Instagram. Und in Deutschland gibt es Ärger wegen Facebooks Plänen in der virtuellen Realität.

Von Jannis Brühl

Als wäre der Tag nicht schon schlimm genug für Facebook, hatte auch noch das halbe Netzwerk Schluckauf. Tausende Nutzer meldeten Probleme beim Schicken von Nachrichten. Auf dem Portal allestörungen.de, das Probleme von Webseiten erfasst, färbte sich die Europakarte von Frankreich bis Polen rot, jeder Punkt eine Störungsmeldung. Weil sich die Apps des Konzerns Infrastruktur teilen und immer enger miteinander verzahnt werden, hakte es auch bei Instagram und Facebook Messenger.

Es war nur eine von vielen schlechten Nachrichten für Mark Zuckerbergs Konzern binnen 24 Stunden. Am Donnerstag verkündete das Bundeskartellamt, ein Missbrauchsverfahren gegen den US-Konzern einzuleiten. Es geht um die Virtual-Reality-Produkte der Marke Oculus. Die sollen nur dann genutzt werden können, wenn der Verbraucher auch ein Facebook-Konto hat. "Diese Verknüpfung zwischen Virtual-Reality-Produkten und dem sozialen Netzwerk des Konzerns könnte einen verbotenen Missbrauch einer marktbeherrschenden Stellung durch Facebook darstellen", sagte Kartellamtschef Andreas Mundt. Facebook sei mit seinem sozialen Netzwerk marktbeherrschend in Deutschland, und auch im wachsenden Virtual-Reality-Markt aktiv. "Wir wollen untersuchen, ob und inwieweit die Kopplung den Wettbewerb in den beiden Bereichen beeinträchtigt." Eine Sprecherin von Facebook erklärte, man werde die Bedenken ausräumen. "Auch wenn Oculus in Deutschland derzeit nicht zum Verkauf steht, werden wir natürlich mit dem Bundeskartellamt kooperieren." Ein Verstoß gegen Wettbewerbsrecht liege nicht vor.

Die Chefs des Konzerns erholen sich vermutlich gerade noch von der Hiobsbotschaft vom Mittwoch: 48 US-Bundesstaaten und die Handelsbehörde FTC verklagen den Konzern. Er habe seine Marktmacht missbraucht, potenzielle Mitbewerber behindert, heißt es. Die Staaten wollen die Apps Instagram und Whatsapp von Konzern abspalten. Facebooks Gegenargument: Als das Unternehmen die beiden Apps 2012 und 2014 gekauft habe, seien sie noch von vielweniger Menschen genutzt worden. Man habe einfach erfolgreich auf ihr Wachstum gewettet. Die US-Kartellverfahren dürften sich über Jahre hinziehen.

Ein schwacher Trost könnte für Zuckerberg sein, dass zeitgleich auch seine größten Konkurrenten Probleme mit Behörden haben. So brummten Frankreichs Datenschutz-Aufseher am Donnerstag der Suchmaschine Google 100 Millionen Euro Strafe auf, Amazon soll 35 Millionen zahlen. Der Vorwurf: Ihre Webseiten sollen Besuchern auf unerlaubte Weise Cookie-Dateien auf ihre Computer geschmuggelt haben, die dann Informationen über sie weitergeben.

© SZ vom 11.12.2020
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