Facebook Das Motto: Sachen kaputtmachen

Da ist zum einen der Druck der Märkte. Trump-Berater Peter Thiel, 2004 der erste externe Facebook-Investor, gilt als geistiger Vater eines Monopol-Kapitalismus, mit dem die digitalen Konzerne dank der Deregulierung der Medien- und Onlinewelt durch sämtliche US-Präsidenten seit Bill Clinton einen brutalen Verdrängungswettbewerb gewinnen konnten. Aus diesem gingen nur vier Sieger hervor - Facebook, Google, Amazon und Apple. Dazu kommt, dass sich alle vier Konzerne an der Börse notieren ließen und so dem Wachstumsradikalismus der Märkte unterwarfen. Das heißt, sie müssen um jeden Preis wachsen. Schnell. Man darf nicht vergessen, bis 2014 war das Firmenmotto von Facebook die Ingenieurs-Maxime "Move fast and break things" - beweg dich schnell und mach Sachen kaputt.

Wenn es um technologische Innovationen geht, ist das ein guter Ansatz. Doch Facebook ist längst ein Instrument gesellschaftlicher Veränderung. Und das Geschäftsmodell digitaler Medien ist sehr altmodisch. Sie verkaufen Anzeigen. Das ist sogar ein Wachstumsmarkt. In den USA verzeichnete der digitale Werbemarkt für 2016 einen Zuwachs von fast 22 Prozent. 99 Prozent dieses Wachstums verbuchten allerdings Facebook und Google. Die treibenden Kräfte der sozialen Medien haben sich aber seit Zuckerbergs Facemash-Spaß nicht sonderlich verändert. Das sind vor allem Häme, Hass und Empörung.

Facebook Nach diesen Kriterien löscht Facebook
Einblick in interne Dokumente

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Das ist keine bösartige Behauptung. Der Computerwissenschaftler Tristan Harris war unter anderem bei Google dafür zuständig, die sogenannte Benutzerführung zu optimieren. Vergangenes Jahr kündigte er und gründete die Organisation "Time Well Spent", die dafür sorgen will, dass soziale Medien ihren Erfolg nicht auf den psychischen und seelischen Schwächen ihrer Nutzer gründen. Das aber, sagt Harris, sei das Grunddesign dieser Medien. Die gesamte Nutzeroberfläche vor allem von Handys sei darauf angelegt, dass ihre Benutzer möglichst viel Zeit damit verbringen.

"Teilen Sie sich Ihre Zeit ein, sonst tut das Ihr Handy für Sie", warnte Harris auf der diesjährigen Ted Conference. "Wenn Sie glauben, Sie hätten die sozialen Medien im Griff, vergessen Sie nicht, dass auf der anderen Seite Hunderte hervorragend ausgebildete Ingenieure sitzen, die sich mit nichts anderem beschäftigen, als Ihre Zeit im Sinne ihrer Auftraggeber zu gestalten." Man könne sich das auch alles schönreden mit dem Weltgeist im Internet, führte er weiter aus. Aber Häme, Hass, Empörung und auch Angst seien nun mal die Gefühle, die in Medien schon immer am besten funktionierten.

Es ist, wie gesagt, müßig, darüber nachzudenken, ob man das Netz zumindest im eigenen Leben einfach abschaffen kann. Man muss es sich schon leisten können, auf Facebook nicht erreichbar zu sein. Google hat das Weltwissen quasi monopolisiert, Amazon den Konsum, Apple große Bereiche des Alltags und der Popkultur. Es gibt allerdings noch ein Kapital für digitales Wachstum, und das können sich die Konzerne nicht an der Börse beschaffen. Das ist das Vertrauen ihrer Nutzer. Deswegen ist Zuckerberg ja auch in der Provinz unterwegs. Denn er weiß, dieses Kapital kann man ihm jederzeit entziehen.

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