Facebook Die Menschenfreundposen des Mark Zuckerberg

Viel zu erzählen: Am Donnerstag hielt Facebook-Chef Mark Zuckerberg eine Rede an der Universität Harvard.

(Foto: REUTERS)

Die jüngsten Enthüllungen zeigen: Menschlichkeit gehört nicht zum Geschäftsmodell des Facebook-Chefs, trotz aller publikumswirksamen Auftritte. Sein wichtigstes Kapital haben aber zum Glück die Nutzer in der Hand.

Kommentar von Andrian Kreye

Facebook-Gründer und -Chef Mark Zuckerberg ist seit März in der amerikanischen Provinz unterwegs. Er sucht nach einer "breiteren Perspektive" auf das Volk, das Leben und seine Arbeit. Die Ausflüge sind akribisch dokumentiert, auf seiner Facebook-Seite. Da sieht man ihn beim Traktorfahren, Kälberfüttern und in der Kirche. Er grinst immer wieder über Portionen schlechten Essens volksnah in die Kamera. Das Ganze wirkt bisweilen Kim-Jong-unesk. Wobei Zuckerberg natürlich keine Atomwaffen hat und kein Volk zu Tode quält.

Nötig hat er die Charmeoffensive trotzdem. Liest man sich durch die Facebook-Löschkriterien, die nun zum englischen Guardian und zur Süddeutschen Zeitung durchgesickert sind, oder betrachtet man die Methoden, mit denen Hass und Gewalt über Subunternehmen wie die Bertelsmann-Tochter Arvato aus seinem sozialen Medium getilgt werden (das SZ Magazin hat sie am Freitag noch einmal durchleuchtet), so zweifelt man schwer an seinen Menschenfreund-Posen.

Und nein, Facebook ist auch nicht so schlimm wie Hunger und Krieg. Wie viel Anteil die Firma und ihre Konkurrenten wie Twitter und Google daran haben, könnte man allerdings einmal diskutieren. Wäre die Mörderbande des Islamischen Staats ohne digitale Medien so erfolgreich? Oder der Armutsverächter Donald Trump? Wäre die Stimmung in den USA und anderswo so vergiftet? Das sind müßige Grundsatzfragen, weil die digitalen Medien nun mal Teil des Lebens von Milliarden Menschen sind und letztlich abbilden, was es im wirklichen Leben auch gibt.

Was das Beispiel Facebook zeigt, ist allerdings, dass Firmen der digitalen Wirtschaft so ziemlich alles skalieren können, nur nicht die Menschlichkeit. Das liegt in der Natur dieser neuen Welt. Um das zu verstehen, hilft ein Blick in die Firmengeschichte von Facebook.

Die Methoden der IT-Konzerne können der Menschlichkeit widersprechen

Der Anfang ist ja noch gar nicht so lange her, betonte Zuckerberg, als er am Donnerstag die Rede zur Abschlussfeier der Studenten der Harvard University hielt. Es war am 28. Oktober 2003, als er mit drei Kommilitonen in Harvard die Webseite "Facemash" freischaltete. Man konnte darauf die Studienbuchfotos von je zwei Studentinnen oder Studenten vergleichen und entscheiden, wer besser aussieht.

Was folgte, war die Androhung eines Disziplinarverfahrens der Universität. Weniger wegen der sozialdarwinistischen Stoßrichtung der Seite als wegen Verletzung des Urheberrechts, der Sicherheit und der Privatsphäre. Bei seinem Nachfolgeprojekt Facebook war er schon geschickter. Da kamen die Vorwürfe wegen Urheberrechtsverletzungen zwar sogar vor Gericht. Aber Zuckerberg setzte sich durch, Facebook sowieso. Heute, dreizehneinhalb Jahre und fast zwei Milliarden Facebook-Abonnenten später, wird er als einer der jüngsten Multimilliardäre gefeiert. Wobei es da noch ein paar Zwischenstationen gab, die zeigen, warum das mit der Menschlichkeit nicht zum Geschäftsmodell der sozialen Medien gehören kann.