Private Daten Das weiß Facebook wirklich über Sie

Facebook weiß mehr über seine Nutzer, als die meisten von ihnen ahnen. Illustration: Stefan Dimitrov

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  • Facebook-Nutzer können ihr persönliches Archiv herunterladen. Angeblich enthält es alle Daten, die Facebook über Sie gespeichert hat.
  • Tatsächlich weiß Facebook viel mehr über seine Nutzer, als das Archiv verrät.
  • Wichtiger als Daten, die Nutzer freiwillig preisgeben, sind Informationen, die Facebook selbst sammelt - ohne dass Nutzer etwas davon mitbekommen.
Von Simon Hurtz

Für Facebook bestehe ich aus 472 Megabyte, verteilt auf 2362 Dateien in 752 Ordnern. So groß war mein digitaler Fußabdruck, als ich mein persönliches Facebook-Archiv angefordert habe. Angeblich enthält es alles, was Facebook von mir weiß. Tatsächlich sind diese 472 Megabyte aber nur ein ganz bestimmter Ausschnitt der Informationen, die Facebook über mich gespeichert hat.

Dieser Text besteht aus zwei Teilen. Zuerst betrachte ich mein eigenes Facebook-Archiv und analysiere, was es über mich verrät. Dann erkläre ich, warum Sie sich ebenfalls mit Ihren Daten und Einstellungen auseinandersetzen sollten - aber nicht vergessen dürfen, dass Facebook Sie viel lückenloser überwacht, als es das Archiv suggeriert.

Teil 1: Das weiß Facebook über mich - angeblich

"Hier sind alle Daten, die Facebook und Google über Sie haben", titelte der Guardian im Frühjahr. Dylan Curran hatte bei Facebook und Google seine persönlichen Archive angefordert und für die Leser geöffnet. 80 000 Likes, 50 000 Shares und 30 000 Kommentare sind selbst für ein großes Medium wie den Guardian außergewöhnliche Zahlen. Was hatte die Leser so fasziniert?

Datensammelwut gefährdet die Demokratie

Täglich werden über jeden von uns Megabytes an Daten gespeichert. Internetgiganten wie Google und Facebook könnten dadurch ein totalitäres Netzwerk schaffen. Gastbeitrag von Dirk Helbing mehr ...

Google weiß, wonach ich wann auf welchem Gerät gesucht habe. Wenn ich die Berechtigung erteilt habe, speichert Google meinen Standortverlauf und kann mir sagen, wo sich mein Smartphone vor zwei Jahren und drei Monaten gerade mit dem Internet verbunden hat. Jedes Youtube-Video, das ich mir ansehe, jede App, die ich installiere, jede Anzeige die ich anklicke, fügt Googles Bild von mir einen weiteren Datenmosaikstein hinzu.

Neugierig? Hier können Sie Ihre eigenen Daten herunterladen. Ein Tipp: Falls Sie Google Fotos oder Google Play Music nutzen, aber keine Sicherungskopie Ihrer Bilder und Songs benötigen, sollten Sie die beiden Dienste vor dem Download abwählen - sonst wird das Archiv unter Umständen sehr groß.

Woher hat Donald Trump meine E-Mailadresse?

Ähnlich gut wie Google kennt mich Facebook. Das Archiv besteht aus zwei Teilen: "Deine Informationen" und "Informationen über dich". Der erste Abschnitt enthält alle Beiträge, die ich veröffentlicht, Likes, die ich hinterlassen, Fotos, die ich hochgeladen und private Nachrichten, die ich geschrieben oder erhalten habe. Facebook kennt meine Freunde und weiß, welche Freundschaftsanfragen ich gelöscht habe. Kurzum: Jede Information, mit der ich Facebook jemals gefüttert habe, finde ich wieder.

Meinen Account habe ich seit zehn Jahren, da kommen viele Daten zusammen. Aber nichts davon ist überraschend oder erschreckend. Nur einmal stutze ich: Zu den Werbekunden, die Informationen über mich besitzen und meine E-Mailadresse hochgeladen haben, zählt Donald Trump. Barack Obama, Bernie Sanders und Hillary Clinton, deren Newsletter ich ebenfalls abonniert hatte, haben meine Kontaktdaten nicht mit Facebook geteilt.

Diese Erkenntnis versteckt sich im Abschnitt "Informationen über dich". Im Vergleich zum ersten Teil ist er etwas interessanter. Facebook sagt mir, welches Bild es von mir hat. Ich erfahre, in welche Werbezielgruppen ich falle und wofür ich mich angeblich interessiere. Der Erkenntnisgewinn ist allerdings gering: Es werden lediglich die Seiten aufgelistet, die ich mit "gefällt mir" markiert habe. Auch die Angaben über Werbetreibende verraten kaum Neues. Demnach habe ich in den vergangenen 90 Tagen keine Anzeigen angeklickt.

Neben dem Guardian haben auch Journalisten der New York Times, Wired und anderer Medien den Selbstversuch gewagt - mit vergleichbarem Echo. Ganz kann ich die entsetzten Reaktionen nicht nachvollziehen, die der Anblick des eigenen Archivs hervorruft. Trotzdem glaube ich, dass es sinnvoll ist, sich mit seinen Facebook-Daten auseinanderzusetzen. Dazu müssen Sie Ihr Archiv nicht unbedingt herunterladen, sie können die gesammelten Informationen auch online betrachten.

So verhindern Sie, dass Facebook auf Ihr Adressbuch zugreift

Insbesondere ein Blick in den Unterpunkt "Werbeanzeigen" lohnt sich. Hier können Sie etwa die Personalisierung von Anzeigen deaktivieren oder Werbung zu bestimmten Themen verbergen. Außerdem können Sie die automatische Gesichtserkennung deaktivieren und erfahren, ob Facebook Ihre Anrufe und SMS aufgezeichnet hat. Auf Android-Geräten geschah das jahrelang ungefragt. Die Protokolle können Sie hier einsehen und löschen.

Wenn Sie die Facebook-App oder den Messenger auf Smartphones nutzen, fragt Facebook, ob Sie Ihre Kontakte hochladen wollen. Das bedeutet, dass Ihr Adressbuch auf Facebooks Servern landet und jeder neue Eintrag abgeglichen wird. Sie wollen nicht, dass sich Facebook die Telefonnummern und E-Mailadressen von Ihren Freunden und Kollegen einverleibt, die womöglich gar kein eigenes Facebook-Konto besitzen? Dann sollten Sie die Synchronisierung abschalten, indem Sie die Einstellungen in der Facebook-App und beim Messenger ändern. Anschließend löschen Sie hier und hier die hochgeladenen Kontakte.

Selbst die Informationen, die Facebook auflistet, lassen sich nicht vollständig bereinigen. So bleiben etwa die gelöschten Freunde und die entfernten Apps und Webseiten, denen Sie Zugriff auf Ihr Facebook-Konto gestattet hatten, dauerhaft gespeichert.